Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Opfer keine Hilfe gewährt - "Ihr Verhalten ist erschütternd"
Leipzig Lokales Opfer keine Hilfe gewährt - "Ihr Verhalten ist erschütternd"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 01.10.2013
Franziska S. muss sich am Amtsgericht mit ihrer Bekannten Sarah T. (17) wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten. Quelle: Ria Nowosti

Dort musste sie sich mit ihrer Bekannten Sarah T. (17) wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten.

Die beiden Angeklagten gehörten zu einer Clique, die sich regelmäßig in einer Paunsdorfer Wohnung zusammenfand. "Das war wie so ein kleiner Jugendtreff", berichtete Sarah. An einem Abend im April 2011 hatte die Gruppe plötzlich Stimmung gegen einen aus den eigenen Reihen gemacht, weil er angeblich ein Mädchen geschlagen habe. Ein männliches Trio misshandelte daraufhin Michel E. (25) außerhalb der Wohnung in der Kreuzdornstraße so massiv, dass er nicht mehr sprechen, nicht mehr laufen konnte. Seine Peiniger hatten immer wieder gegen seinen Kopf geschlagen und getreten. "Ich blutete aus Mund, Nase und Ohren", berichtete der Arbeitslose am Dienstag. Doch statt einen Notarzt zu alarmieren, legten die Beteiligten den völlig blutverschmierten Kumpel auf Order von Wohnungsinhaber Ronny M. (der 29-Jährige erschien unentschuldigt nicht zum Prozess) in die Badewanne und überließen ihn dort seinem Schicksal. Die Wohnung sollte nicht durch ihn verschmutzt werden. Alle Anwesenden - auch die beiden angeklagten jungen Frauen - legten sich schlafen.

"Wir hatten keinen Bock auf Polizei", lautete die Antwort eines damaligen Schlägers auf die Frage des Gerichts, warum kein Arzt alarmiert worden sei. Er sowie auch die beiden anderen Peiniger sind in einem gesonderten Verfahren rechtskräftig zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Sarah T. und Franziska S. erklärten unisono: "Der Akku des Handys war leer, deshalb konnte ich nicht anrufen." Für Richterin Martina Kadler-Orthen (wie auch die Staatsanwaltschaft) eine "reine Schutzbehauptung". Die Frauen seien "sehr verroht", ihr Verhalten "absolut erschütternd", so Kadler-Orthen. Sie hätten keinerlei Mitgefühl erkennen lassen. Wäre das Opfer ein Hund gewesen, hätten sie sicher Hilfe geholt, meinte die Richterin. Wegen unterlassener Hilfeleistung sollen die arbeitslose Sarah T. 50 und Franziska S. (derzeit in einem Kurs) 80 Stunden gemeinnützig arbeiten. In letztgenannte Jugendstrafe floss ein anderes Urteil ein. Gegen Ronny M. wurde ein Strafbefehl erlassen. Er soll 300 Euro zahlen.

Das Opfer kam mit Gehirnerschütterung und Brüchen damals doch noch in eine Klinik. Am Morgen nach der Straftat war ein weiteres Mädchen in der Wohnung aufgetaucht, dessen Mutter dann Alarm schlug.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.10.2013

Kreuz, Sabine

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kurzerhand kam gestern im Café der Hauptbahnhofs-Buchhandlung Ludwig zwischen Kalendern und Kuchentheke ein Kreuz auf den Tisch, versammelten sich zig Gäste und Leipzigs Geistlichkeit von Evangelisch bis Katholisch, um in diesem Rahmen einen festlichen Geburtstags-Gottesdienst abzuhalten.

19.05.2015

Leipzigs Gesundheitsamt hat einem LVZ-Bericht widersprochen, laut dem bei einer Frau aus Grünau eine Legionellen-Erkrankung diagnostiziert wurde. „Es liegt der Stadt bis heute keine bestätigte Meldung einer Legionellen-Erkrankung vor.

01.10.2013

Schnäppchenjäger können am Mittwoch, den 9. Oktober, vor der Moritzbastei auf ihre Kosten kommen, wenn zum letzten Mal in diesem Jahr 80 Fahrräder versteigert werden.

01.10.2013
Anzeige