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Lokales Orang-Utans in großer Not – Leipziger Verein trommelt für ihr Überleben
Leipzig Lokales Orang-Utans in großer Not – Leipziger Verein trommelt für ihr Überleben
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22:00 06.11.2017
Bei ihren Besuchen in der Auffangstation in Borneo schaut Julia Cissewski immer nach den Patentieren, die von ihrem Verein unterstützt werden. Quelle: OUiN
Leipzig

Manche Leute haben Fotos von ihren Kindern auf dem Schreibtisch stehen – bei Julia Cissewski sind es Fotos von Orang-Utans. Einer schaut ihr direkt in die Augen. Ein wenig streng, als wolle er sie immer daran erinnern, was ihre Mission ist: sich für das Weiterleben der Orang-Utans in Südostasien stark zu machen.

Die 44-Jährige hat vor zehn Jahren in Leipzig den Verein „Orang-Utans in Not“ gegründet. Nach zwei prägenden Ereignissen: 2001 half sie als Freiwillige bei der Betreuung von drei Schimpansen-Waisen im Pongoland des Leipziger Zoos. Dabei kam die Direktionsassistentin im Max-Planck-Institut den Menschenaffen ganz nahe. Ein Jahr später war sie auf Borneo, erlebte Orang-Utans in einem Nationalpark, darunter eine Mutter mit ihren Jungen. „Das hat mich so ergriffen, ich war ganz fasziniert von den Tieren.“ Gleichzeitig sah sie mit eigenen Augen, wie der Lebensraum der Baumaffen – der Regenwald – in dramatischem Tempo abgeholzt wird, um auf dem gerodeten Gelände Palmöl-Plantagen anzulegen. Palmöl ist ein billiges Pflanzenöl, das in 50 Prozent aller Supermarkt-Produkte enthalten ist. Die Regenwald-Bewohner bleiben auf der Strecke, und die Orang-Utans sind nicht die einzige betroffene Art.

Nun ist der Kampf gegen internationale Konzerne eine Sisyphus-Aufgabe, genau wie die Informationsvermittlung an Menschen in Europa und Indonesien. „Ich bin ein optimistischer Mensch. Wenn man die Sache gar nicht erst angeht, dann wird es auch nichts“, sagt Julia Cissewski. Mittlerweile hat ihr Verein mehr als hundert Mitstreiter. Sie sammeln in Deutschland Spenden und leiten das Geld an vertrauenswürdige Partner in Indonesien weiter. Konkret an eine Auffangstation für Orang-Utans auf Borneo, in der mehr als 300 verletzte und verwaiste Tiere leben. Sowie an eine Auswilderungsstation auf Sumatra, in der Orangs auf ihre Rückkehr in den Regenwald vorbereitet werden. Mit Spenden des Vereins wurden vor Ort rund 60 000 Bäume gepflanzt, die den Menschenaffen als Futterpflanzen dienen. Außerdem kümmert sich der Verein um Umweltbildung für Kinder und Erwachsene in Deutschland.

Durchschnittlich kann der Verein pro Jahr rund 90 000 Euro Spendengelder sammeln. Da war es eine riesige Freude und ein warmer Geldregen, als jetzt auf einen Schlag weitere 50 000 Euro in die Kasse kamen: Julia Cissewski wurde im Oktober als eine von fünf Frauen mit dem Preis „Goldene Bild der Frau 2017” gekürt. Zum Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro konnte sie sich extra noch über den Leserpreis (30 000 Euro) sowie den Preis der Aida Cruises (weitere 10 000 Euro) freuen. Der Verein dankt allen Unterstützern von Herzen. „Mit dem Geld finanzieren wir ein neues Zentrum für Umweltbildung auf Sumatra. Unsere Schweizer Partner hatten es schon auf dem Papier, das Land dafür ist schon erschlossen“, kündigt die ausgebildete Romanistin, Anglistin und Betriebswirtin an. In einem Jahr soll das Zentrum fertig sein. Dort ziehen dann auch kranke Tiere ein, die nicht mehr ausgewildert werden können.

Für alle, denen der Regenwald am anderen Ende der Welt nicht gleichgültig ist, hat Julia Cissewski ein paar Tipps: „Palmöl meiden, Tropenholz meiden, insgesamt weniger einkaufen und damit auch weniger wegwerfen.“ Der Orang-Utan auf ihrem Schreibtisch guckt sie zwar streng an, aber neben ihm steht die Botschaft „Alles wird gut“. Das sieht Julia Cissewski genauso.

Weitere Informationen und Spendenkonto im Internet: www.orang-utans-in-not.org/de

Von Kerstin Decker

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