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Lokales Organhandel im Internet: Mann bietet Niere und Leber bei Auktion an
Leipzig Lokales Organhandel im Internet: Mann bietet Niere und Leber bei Auktion an
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10:25 26.05.2011
Leipzig

Von den möglichen Empfängern seiner Organe hatte er genaue Vorstellungen: Auf jeden Fall müssten sie klassische Musik und das Theater mögen, hieß es da.

Doch Gebote gab es letztlich nicht, Ebay hatte die Einträge nach einigen Stunden bereits gelöscht. Stattdessen meldete sich die Polizei bei dem gebürtigen Dresdner Johannes P., der zur Tatzeit in Leipzig wohnte, weshalb sich gestern auch das hiesige Amtsgericht mit dem Fall um versuchten Organhandel befasst hat.

Der jetzt 40-jährige arbeitslose Finanzbuchhalter plädierte auf nicht schuldig. „Ich gehe davon aus, dass ich berechtigt bin, über Teile meines Körpers bestimmen zu können.“ Er habe 2008 geglaubt, eine Herz-Operation sowieso nicht zu überleben. „Aber sie ist gut verlaufen. Ich bin ja jetzt das blühende Leben, wie man sieht“, so Johannes P. gestern lachend. „Ich wollte damals jedenfalls nicht, dass eine anonyme Person meine Organe erhält, ich wollte über den Empfänger selbst entscheiden“, erklärte er.

Die Frage von Amtsrichterin Claudia Webers, warum er Geld nehmen wollte, beantwortete er mit der Gegenfrage: „Warum nicht?“ Es handle sich doch um eine „Sache des fairen Ausgleichs“. Ihm habe eine „angemessene Vergütung“ vorgeschwebt. Summen nannte er gestern allerdings nicht. Zudem wollte er seine Aufwendungen bei einer Organentnahme an einem bestimmten Ort (bevorzugt: die Schweiz) erstattet bekommen. Es ging um Kosten für Verpflegung, Publikationen, eine Theater- oder Opernkarte.

Johannes P. hielt es gestern für angezeigt, das Strafverfahren auszusetzen und seinen Fall vielmehr gleich dem Bundesverfassungsgericht vorzulegen. Die Richterin lehnte seinen Antrag allerdings ab, da sie seine Meinung, dass das Transplantationsgesetz verfassungswidrig sei, nicht teile. Wobei sie klarstellte, dass sie Organspenden für eine menschlich und rechtlich problematische Sache halte, die diskussionswürdig sei.

„Auch in meiner ferneren Verwandtschaft ist ein 13-jähriger Junge gestorben, weil man ihm nicht helfen konnte. Ich weiß, wie traumatisch das ist.“ Die Auswahlkriterien des Angeklagten, wonach seine Organe nur Liebhaber klassischer Musik erhalten sollten, nannte Webers „zynisch“. Er habe „wie der liebe Gott entscheiden“ wollen. Die Menschen müssten davor geschützt werden, dass eine Praxis Einzug hält, wonach nur diejenigen Organe erhielten, die das meiste Geld dafür bieten, so die Richterin. Sie verurteilte den Angeklagten wegen versuchten Organhandels, der verboten ist, zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen á zehn Euro.

In die deutsche Rechtsgeschichte - auch das ist im Internet zu lesen - ging der Fall eines Russlanddeutschen ein. Er war der Erste, der wegen unerlaubten Organhandels verurteilt wurde. Im November 2001 verhängte das Amtsgericht Homberg 100 Stunden gemeinnützige  Arbeit. Er hatte für ein Mindestgebot von 100.000 Mark eine Niere im Internet angeboten. Sein Motiv: Er brauchte Geld für seine Drogensucht.

Sabine Kreuz

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