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Lokales Organspende-Skandal am Leipziger Uni-Klinikum: Ermittlungen fast beendet
Leipzig Lokales Organspende-Skandal am Leipziger Uni-Klinikum: Ermittlungen fast beendet
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23:59 11.05.2015
(Symbolbild) Quelle: dpa

Die mit Experten durchgeführte umfassende Bearbeitung des Verfahrenskomplexes bilde die Basis einer abschließenden Entscheidung der Strafverfolgungsbehörde. Es gehe um die Bewertung, ob sich - und wenn ja, in welchem Umfang - die im Verfahren erhobenen strafrechtlichen Vorwürfe zumindest aus Sicht der Staatsanwaltschaft bestätigt haben und eine Anklageerhebung rechtfertigen. Oder ob das Verfahren mangels hinreichenden Tatverdachtes einzustellen ist.

Die Staatsanwaltschaft hatte - nach Prüfung - im Juni 2013 ein Verfahren gegen drei Mediziner eingeleitet. Sie würden "einer noch nicht genau bezifferbaren Zahl versuchter und vollendeter Tötungsdelikte sowie der gefährlichen Körperverletzung verdächtigt", hieß es damals. Zur Last gelegt wurde ihnen, dass sie bei Meldungen von Kandidaten für eine Lebertransplantation an die Organvergabe-Organisation Eurotransplant bewusst und unter Missachtung der Richtlinien der Ärztekammer manipulierten. Dadurch hätten sie den möglichen Tod anderer, ihnen nicht bekannter Personen, die auf eine Lebertransplantation warteten, zumindest billigend in Kauf genommen.

Hintergrund: Im Dezember 2012 kam bei einer Überprüfung durch die Bundesärztekammer heraus, dass es an der UKL-Klinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirugie Fälschungen bei Daten von Patienten gegeben hatte, die auf eine Spenderleber warteten. Sie wurden als dialysiert an Eurotransplant gemeldet, obwohl sie keine Nierenersatzbehandlung (Blutwäsche) erhalten hatten und bekamen so eine höhere Dringlichkeit für eine Spenderleber. Weitere Sonderprüfungen offenbarten, dass es zwischen 2010 und 2012 bei 76 Fällen nicht mit rechten Dingen zuging. Dazu gehörten auch fingierte Angaben zur Größe von Leberzellkarzinomen und zur Dauer der Alkoholabstinenz von Transplantationspatienten. Der Klinik-Chef und zwei Oberärzte wurden Ende 2012 suspendiert, das Arbeitsverhältnis mit Letzteren wenig später gelöst. Ende Mai 2014 beendete der ehemalige Klinik-Direktor seine Tätigkeit am UKL "auf eigenen Wunsch".

Mit Bezug auf das jüngst ergangene Urteil im Prozess um Manipulationen bei Organ-Verpflanzungen am Göttinger Uni-Klinikum, bei dem der angeklagte Arzt freigesprochen wurde, erklärte Schulz, dieses noch nicht rechtskräftige Urteil habe keinen Einfluss auf den weiteren Verlauf und Abschluss der Ermittlungen der hiesigen Staatsanwaltschaft. Die lange Dauer der Untersuchungen begründete er mit dem betriebenen hohen Aufwand und der großen Sorgfalt "im Interesse aller Betroffenen und der Beschuldigten".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.05.2015

Mario Beck

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