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Lokales Organspende-Skandal am Leipziger Uni-Klinikum: Ermittlungsende nicht in Sicht
Leipzig Lokales Organspende-Skandal am Leipziger Uni-Klinikum: Ermittlungsende nicht in Sicht
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20:19 27.12.2013
Ein Krankenhausmitarbeiter mit einem Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen. Quelle: Soeren Stache

Zum aktuellen Verfahrensstadium wollte er sich nicht äußeren, ebenso wenig zu einzelnen Ermittlungsmaßnahmen. Der Kreis der Beschuldigten habe sich aber nicht erweitert, sagte Schulz.

Wie berichtet, hatte die Behörde zum Jahreswechsel 2012/13 von Amts wegen zunächst ein Prüfverfahren eingeleitet, das später zu einem Ermittlungsverfahren ausgedehnt wurde, bei dem drei ehemalige leitende Mediziner der Uni-Klinik für Visceral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie im Fokus stehen. Ihnen wird vorgeworfen, durch Manipulationen den möglichen Tod anderer, ihnen nicht bekannter Personen, die auf eine Lebertransplantation warteten, zumindest billigend in Kauf genommen zu haben. Laut Staatsanwaltschaft beziehen sich die Ermittlungen auf die Tatbestände der versuchten oder vollendeten Tötung sowie der gefährlichen Körperverletzung.

Hintergrund: Zwischen 2010 und Anfang 2012 hatte es in der betreffenden Klinik massive Fälschungen bei Daten von schwerkranken Patienten gegeben, die auf eine Spenderleber warteten. Aufgeflogen war das bei einer Kontrolle durch Experten der Bundesärztekammer am 10. Dezember vorigen Jahres. Dabei konnten für diverse Patienten, die als dialysiert an die Organvergabe-Organisation Eurotransplant gemeldet worden waren, keine Protokolle einer Nierenersatz-Behandlung (Blutwäsche) vorgelegt werden. Bei weiteren Sonderprüfungen 2013 kam dann heraus, dass bei insgesamt 76 Fällen nicht alles mit rechten Dingen zuging.

In ihrem Abschlussbericht listeten die Kontrolleure akribisch diese Richtlinienverstöße auf. Die meisten bezogen sich auf Falschangaben zum Dialyse-Status, wodurch die Patienten eine höhere Dringlichkeit auf der Warteliste bei Eurotransplant für eine Spenderleber bekamen. Aber es fanden sich auch Anhaltspunkte für fingierte Angaben zur Größe von Leberzell-Karzinomen. Und Hinweise darauf, dass Patienten die für eine Transplantation nötige halbjährige Alkoholabstinenz bescheinigt wurde, obwohl sie diese nicht eingehalten hatten.

Als Ende 2012 der Schwindel ruchbar wurde, waren zwei Oberärzte und der Klinikdirektor vom Dienst suspendiert worden. Später wurde das Arbeitsverhältnis mit den Oberärzten gelöst, der Ex-Klinikchef ist nach UKL-Angaben weiter beurlaubt. Angestrebt wurde bei ihm ein Aufhebungsvertrag - oder aber die ordentliche Kündigung zum 31. Januar 2014.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.12.2013

Mario Beck

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