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Oscar Seiferts Ruhestätte auf dem Leipziger Südfriedhof muss saniert werden

Leipziger Original Oscar Seiferts Ruhestätte auf dem Leipziger Südfriedhof muss saniert werden

Oscar Seiferts Sprüche auf der Leipziger Kleinmesse waren legendär. Seine letzte Ruhestätte auf dem Südfriedhof droht jedoch zu verfallen.

Grabstein von Oscar Seifert auf dem Leipziger Südfriedhof
 

Quelle: LVZ-Archiv/Dirk Knofe

Leipzig.  Zu Beginn des 20. Jahrhunderts leuchteten in Leipzig nicht nur Kinderaugen, wenn der Name Oscar Seifert zu hören war. Als fliegender Händler mit eigenem mobilen Warenhaus auf der Kleinmesse wurde „Seifert’s Oscar“ vor allem durch seinen Wortwitz zur echten Legende. Heute ist das Leipziger Original in einem fast schon unscheinbaren Grab auf dem Südfriedhof beerdigt. Weil seine Nachfahren sich nicht mehr darum kümmern, droht es auch zu verfallen.

Oscar Seifert war berühmt für seine Witze.

Quelle: LVZ-Archiv

So still seine letzte Ruhestätte am östlichen Ende des Friedhofareals heute ist, so lautstark war Oscar Seifert zu Lebzeiten. Menschentrauben bildeten sich an seinem offenen Verkaufsstand, wenn er Schnürsenkel, Hosenträger oder andere Waren des täglichen Bedarfs feilbot. Es heißt, die Menge hing regelrecht an Seiferts Lippen, wagte kaum lange zu lachen – aus Angst den nächsten Witz zu verpassen. Berühmtester Satz von Seifert damals: „Gindersch, gooft Gämme, ’s gomm laus’sche Zeiden!“ (Kinder, kauf Kämme. Es kommen lausige Zeiten). In den 1920 Jahren erwarb Seifert zudem einen Elektromotor und ließ diesen sechs kleine Autos im Kreis herum ziehen – „Seifert‘s Oscar’s Pracht-Auto-Corso“ war eine weithin bekannte Attraktion für Kinder.

Bunte Warnzettel am Grabstein

Nach seinem Tod 1932 wurde der Schausteller in einem Familiengrab auf dem Südfriedhof beerdigt. Seine Nachfahren – zum Teil bis heute im gleichen Gewerbe tätig – kümmerten sich bis 2008 um die letzte Ruhestätte. Danach wurde der Vertrag nicht verlängert, ging das Grab an die Kommune über. Zuletzt klebten verschiedenfarbige Aufkleber am Grabstein und ließen bei Besuchern Vermutungen aufkommen, die Ruhestätte werde eingeebnet – so wie bei anderen Gräbern, die nicht mehr gepflegt werden.

Stimmt aber nicht, sagt Volker Mewes, zuständig im Amt für Stadtgrün und Gewässer: „Der Hinweis am Grabstein bezieht sich lediglich auf die Standunsicherheit des Grabmales.“ Der ungenügende Zustand des Seifert-Grabes sei bei der üblichen jährlichen Überprüfung aufgefallen, die Warnzettel sollen Besucher vor weiteren Schäden warnen. Solange bis die Ruhestätte wieder instand gesetzt werden kann.

Die Finanzierung ist dabei nicht so einfach, wie bei Gräbern anderer Leipziger Berühmtheiten, weil Seiferts Grab eben kein Ehrengrab ist. Denn trotz nachhaltiger Wirkung in der Messestadt hat es der freche Marktschreier nicht zur Würde eines Ehrenbürgers gebracht. „Das Grab steht auch nicht unter Denkmalschutz. Es wird vom Amt für Stadtgrün und Gewässer, Abteilung Friedhöfe, als so genanntes erhaltenswertes Grab erhalten“, sagte Mewes am Dienstag.

In den kommenden drei Monaten soll die Sanierung trotzdem abgeschlossen werden, versicherte der Fachmann. Danach kann es quasi auch an Seiferts letzter Ruhestätte wieder so wie früher an seinem Kleinmesse-Stand heißen: „Kommse näher – komm’s ran“.

Von Matthias Puppe

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