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Lokales Sparkassen-Verband: Leipzigs OBM Jung unterliegt im Rennen auf Chefposten
Leipzig Lokales Sparkassen-Verband: Leipzigs OBM Jung unterliegt im Rennen auf Chefposten
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20:03 27.09.2018
Wird kein OSV-Präsident: Burkhard Jung. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Wochenlang war gerätselt worden, wer den hoch dotierten Präsidenten-Posten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) erhält, heute fiel die Vorentscheidung: Weder Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (60, SPD) noch der Bautzener Landrat Michael Harig (58, CDU) werden an die Spitze des OSV gelangen, obwohl der Verband eigentlich definitiv einen Sachsen als neuen Präsidenten wollte. Doch da keiner der beiden sächsischen Bewerber bereit war seine Kandidatur zu Gunsten des jeweils anderen zurückzuziehen, entschied der OSV-Vorstand in Potsdam, den Vertrag des bisherigen Amtsinhabers Michael Ermrich (65, CDU) aus Sachsen-Anhalt zu verlängern. Der Vorstand wird Ermrich bei der Verbandsversammlung am 24. Oktober als einzigen Kandidaten vorschlagen.

15 Stimmen für Ermrich, fünf für Jung, drei für Harig

In OSV-Kreisen war auf Unverständnis gestoßen, dass sich die Kommunalvertreter aus Sachsen – also der Sächsische Städte- und Gemeindetag (SSG) sowie der sächsische Landkreistag – nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten verständigen konnten. Dem Vernehmen nach sollen die Vertreter des SSG bis zum Schluss Leipzigs OBM Jung favorisiert haben, der Landkreistag dagegen Landrat Harig. Teilnehmer berichten, Ermrich habe 15 Stimmen erhalten, während Jung nur fünf und Harig lediglich drei bekam. Nach LVZ-Informationen hatte sich auch schon vor der heutigen Sitzung der OSV-Kommunalausschuss mit klarer Mehrheit für Ermrich ausgesprochen.

Bewerber gelten jetzt als „verbrannt“

Der frühere Landrat dürfte im Fall seiner Wahl wahrscheinlich eine zweijährige Amtszeit antreten. Er soll in dieser Zeit die Übergabe der Amtsgeschäfte an einen Nachfolger vorbereiten. Insider gehen davon aus, dass dies weder Jung noch Harig sein werden; beide seien jetzt „verbrannt“, heißt es.

Bautzens Landrat: Sachsen wurde nachhaltig geschädigt

Jung erklärte, er respektiere die Entscheidung des Verbandsvorstandes. „Ich widme bis zum Ende der Amtszeit meine ganze Kraft weiter der Stadt Leipzig“, kündigte er an. Konkurrent Harig bedauerte die Entwicklung. „Es geht dabei nicht um meine Person, sondern um Sachsen“, erklärte er. „Sachsen wurde durch das Verhalten des Sächsischen Städte- und Gemeindetages nachhaltig geschädigt.“

Jung könnte erneut als OBM antreten

Der Stadt Leipzig bleibt durch die Entscheidung des OSV-Vorstandes eine vorgezogene Oberbürgermeister-Wahl erspart. Denn wenn Jung jetzt seine Amtszeit bis Anfang 2020 ausübt, kann sein Nachfolger anschließend planmäßig gewählt werden. Denkbar ist allerdings auch, dass Jung 2020 noch einmal selber als Oberbürgermeister-Bewerber antritt. Er hatte erst vor wenigen Monaten öffentlich erklärt, dass er für eine weitere siebenjährige Amtszeit bereitsteht – wenn die SPD ihn dafür nominiert.

SPD lässt OBM-Kandidaten-Frage offen

Ob dies geschehen wird, blieb zunächst offen. Denn Jung hatte seine Bewerbung um den Posten des Sparkassen-Präsidenten nicht mit seiner Partei abgesprochen und damit viele SPD-Genossen vor den Kopf gestoßen. „Wer im Jahr 2020 für die SPD zur Wahl antritt, wird die Partei mit ihren Mitgliedern zu gegebener Zeit entscheiden“, verlautbarte die Leipziger SPD auf LVZ-Anfrage. Jung selbst ließ im Stadtrat erneut durchblicken, dass er sich eine weitere Amtszeit vorstellen kann. Er werde dem Leipziger Stadtrat „mindestens“ bis März 2020 erhalten bleiben, erklärte er dort.

Geteiltes Echo in Leipzig

Bei den anderen Parteien in der Messestadt fand die Entwicklung ein geteiltes Echo. Die nächste OBM-Wahl könne jetzt „mit Ruhe und Gelassenheit“ vorbereitet werden, betonte CDU-Kreisvorsitzender Robert Clemen. „Wir können jetzt schauen, wie 2020 die Stimmungslage ist. Bis dahin vergeht noch viel Zeit.“

Von mi/AT/K.S.

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