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Lokales Paar in Todesangst: Angreifer fühlt sich von Gott berufen
Leipzig Lokales Paar in Todesangst: Angreifer fühlt sich von Gott berufen
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19:15 15.04.2019
Gefesselt im Gericht: Zu Prozessbeginn werden Maher A. die Handschellen wieder abgenommen. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Als er am 23. August 2018 an einer Wohnungstür im Leipziger Zentrum-Süd klingelt, fühlt er sich von Gott berufen. Ihm stehe es zu, zu richten und Frauen einzuteilen, so glaubt er. Einige dürften auferstehen, andere wiederum nicht. Als dem 31-jährigen Maher A. an jenem Abend die Tür geöffnet wird, spielt sich laut Staatsanwalt Martin Oette eine Tragödie ab, die beide Bewohner – ein Pärchen – in Angst und Schrecken versetzt. Seit Montag befasst sich das Landgericht mit dem Fall um besonders schwere sexuelle Nötigung, Körperverletzung und Bedrohung.

„Der Mann ist aggressiv“

„Ich hatte einfach Todesangst“, berichtet der betroffene Mieter Michael G. (37) am ersten Prozesstag. „Ich habe gleich gemerkt, der Mann ist aggressiv und geladen“, ergänzt der Pflegeassistent. „Ich ging davon aus, dass er bewaffnet ist.“

Laut Staatsanwaltschaft hat Maher A. den 37-Jährigen an jenem Sommerabend gepackt und aus der Wohnung gezerrt. Danach sei er über dessen Freundin Melanie K. hergefallen. Er habe sie auf die Couch geschubst und vor ihrem Gesicht zur Einschüchterung mit einem Messer herumgefuchtelt, das eine 19 Zentimeter lange Klinge hat. „Sie begann in Panik zu schreien. Daraufhin hielt er ihr den Mund zu“, so der Staatsanwalt. Der Angreifer habe die Oberbekleidung der 29-Jährigen hochgeschoben und die Frau begrapscht.

„Morgen bist du tot“

„Als er bemerkte, dass die Polizei an der Tür ist, ließ er von der Frau ab. Sie konnte daraufhin aus der Wohnung flüchten“, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft weiter. Nach seiner vorläufigen Festnahme habe Maher A. ihr noch gedroht: „Morgen bist du tot.“ Der 37-jährige Freund hatte den Polizeinotruf gewählt.

Nach Ansicht der Ermittlungsbehörde war der beschuldigte Syrer jedoch nicht in der Lage, das Unrecht seiner Tat einzusehen. Er litt unter einer schizophrenen Psychose, war einem ärztlichen Gutachten zufolge schuldunfähig. „Infolge seines Zustandes sind erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten, er ist für die Allgemeinheit gefährlich“, so der Staatsanwalt.

Bei dem Prozess handelt es sich daher nicht um ein übliches Straf-, sondern ein sogenanntes Sicherungsverfahren. Die 8. Strafkammer muss darüber entscheiden, ob Maher A. dauerhaft in einer psychiatrischen Einrichtung – im Maßregelvollzug – untergebracht werden muss. Oder ob diese Maßregel zur Bewährung ausgesetzt werden kann, weil die bisherige medizinische Behandlung in der Psychiatrie anschlägt.

„Stimmen gehört“

„Damals habe ich Stimmen gehört“, so der Syrer, der in seiner Heimat mehrere Jahre lang Jura studiert hat. „Ich war außer Kontrolle.“ Seinem Verteidiger Stefan Wirth zufolge gibt der Beschuldigte alle Taten zu. Es tue ihm sehr leid. „Ihm geht es durch die Behandlung jetzt deutlich besser“, erklärt der Anwalt.

Das betroffene Pärchen hatte den Syrer 2016 über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. „Wir waren gut befreundet, haben auch gemeinsam gegrillt“, so Michael G., dessen Freundin bei der Prozessfortsetzung am Mittwoch angehört werden soll. „Ich hielt ihn für sehr intelligent; es war Wahnsinn, wie schnell er Deutsch lernte.“ Ende 2017 brach der Kontakt jedoch ab. Man sah sich – bis zu jenem verhängnisvollen Tag – nie wieder.

Von Sabine Kreuz

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