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Park-Knatsch in Leipzig-Schleußig: "Von Angesicht zu Angesicht"

Park-Knatsch in Leipzig-Schleußig: "Von Angesicht zu Angesicht"

In Schleußig hat sich eine Bürgerinitiative "Pro Parken" gegründet und schon über tausend Unterschriften für ihre Forderungen gesammelt. Sie will Bau-Bürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) dazu bewegen, auf einem Bürgerforum Antworten auf Fragen ihrer Verkehrspolitik im Viertel zu geben.

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Parkplatz- und Verkehrsituation in der Brockhausstraße in Schleußig .

Quelle: Wolfgang Zeyen

"Wo sind die Konzepte, die eine Mehrheit zufrieden stellen?", heißt es auf einem Flugblatt, das im Stadtteil verteilt wurde.

Frank Lehmann steht mitten auf der Kreuzung Brockhausstraße/Stieglitzstraße und ist zornig. "Das ist Schikane, das ist Willkür", sagt der Familienvater. Gemeint sind damit die nagelneuen Markierungen, die an allen Ecken der Kreuzung aufgebracht wurden. "Hier hätten mindestens noch fünf Stellflächen Platz gehabt", sagt der Schleußiger und zeigt einen Kreuzungsbereich. "Auf der anderen Kreuzungsseite ist es das Gleiche. Dabei sagt die Straßenverkehrsordnung, dass bei einer Kreuzung normaler Größenordnung nur bis zu fünf Meter vom Scheitelpunkt rechts und links abmarkiert werden dürfen - das ist das Maximum."

Lehmann müsste sich eigentlich über diese Verknappung von Parkplätzen nicht aufregen, denn sein Autos steht auf dem kostenpflichtigen Parkplatz. Doch ihm geht es ebenso wie den Initiatoren der im Oktober ins Leben gerufenen Bürgerinitiative "Pro Parken Schleußig" um die Art und Weise, wie die Stadtverwaltung in ihrem Stadtteil vorgeht, um das Gehwegparken zu unterbinden (die LVZ berichtete). "Wir Bürger sind nicht beratungsresistent", meint Lehmann und zeigt auf die Gehwege der Brockhausstraße, wo seit der Ankündigung von Sanktionen für Falschparker nur noch ganz wenige Autos stehen. "Wir wollen aber nicht kriminalisiert werden mit Lebensentwürfen, die nicht zu einander passen." Sehr viele Autos würden in Schleußig für die Lebenshaltung und den Broterwerb gebraucht. Nach seiner Schätzung hätten nur etwa 10 bis 15 Prozent der Schleußiger ihr Leben so organisieren können, dass sie ohne Auto auskommen. Für sie sei das schön, aber bei vielen anderen funktioniere das nicht. "Wer das Auto nicht braucht, darf diesen Luxus nicht auf andere übertragen", fordert Lehmann und ärgert sich darüber, wie die Debatte über das Gehwegparken vom Rathaus geführt wird: "Es wird das Gefühl vermittelt, dass die Schuldfrage monokausal beim Autofahrer liegt und die anderen Verkehrsteilnehmer Opfer sind. Aber das stimmt nicht: Alle müssen aufeinander Rücksicht nehmen."

Tilo Diebel sieht es ähnlich - und hat deshalb mit anderen die Bürgerinitiativen "Pro Parken Schleußig" gegründet. "Als wir in der Zeitung lasen, wie das hier ablaufen soll, dachten wir, die Leute werden sich schon wehren", erzählt er. "Doch es geschah nichts." Deshalb haben die drei ein Flugblatt entworfen und im Viertel verteilt. Zeitgleich haben sie in 20 Läden Unterschriftenlisten ausgelegt, indem sie von der Stadtverwaltung einen Dialog mit den Schleußigern fordert. "Seit 2007 wurden viele Untersuchungen und Studien in unserem Viertel durchgeführt", heißt es darin. "Alles liegt in den Schubladen der Stadt." Es sei zwingend notwendig, dass das Rathaus mit den Schleußigern darüber redet.

Inzwischen liegen über tausend Unterschriften vor, die Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) übergeben werden sollen. Parallel gibt es Vorstöße in Stadtbezirksbeirat und im Stadtrat. "In der Stadtratssitzung am Donnerstag sollen zwischen 17 und 17.30 Uhr mehrere Einwohneranfragen beantwortet werden", sagt Diebel.

Eine der wichtigsten ist, wann die Veränderungen - die bereits mit dem Abmarkieren von Kreuzungen und Parkbuchten begonnen haben - in einem Bürgerforum erklärt werden. "Wir wollen eine klare Ansage von Angesicht zu Angesicht, wohin die Reise geht", sagt Lehmann, der inzwischen zur Bürgerinitiative gestoßen ist. "Frau Dubrau muss sich die Meinung der Bürger anhören. Es wäre schön, wenn anschließend ein Dialog zustande kommt, der die Verunsicherung und die Angst in unserem Viertel minimiert." Geredet werden müsse über das Einrichten von Anwohnerparken und über eine Verbesserung der bereits eingeführten Einbahnstraßenregelung. "In Dialog mit uns Bürgern wäre dieses Einbahnstraßensystem ganz anders ausgefallen", ist sich Lehmann sicher.

@www.parken-schleussig.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.11.2013

Andreas Tappert

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