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Lokales Parkchaos auf der neuen Karli: Autofahrer, Radler und Händler sauer
Leipzig Lokales Parkchaos auf der neuen Karli: Autofahrer, Radler und Händler sauer
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10:32 20.11.2015
Chaos auf der Karli: Autos parken auf Ladeflächen, weil sie nach der Sanierung keinen Stellplatz finden. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Radfahrer und Autofahrer stellt die frisch sanierte Karl-Liebknecht-Straße vor eine Zerreißprobe: Denn nach der fast zweijährigen Sanierung wurden die Parkplätze von 120 auf 59 reduziert. Dafür sind großzügige, mit silbernen Markierungen gekennzeichnete Anlieferungsflächen entstanden, die zunehmend von Pkw-Fahrern genutzt werden, denn eine Beschilderung fehlt. Doch Transporterfahrer stellt das vor ein Problem: Wo sollen sie nun parken, um ihre Ware vor den Geschäften auszuladen?

Nach der Beendigung der Bauarbeiten ist es auf der belebten Südmeile Karl-Liebknecht-Straße knapper mit den Parkplätzen geworden.

Alexander Haberecht, Kraftfahrer vom Naturprodukthändler Köhra, beliefert täglich verschiedene Geschäfte auf der Karli. Am Donnerstagvormittag ist zum Beispiel das Fast-Food-Restaurant Subway dran. Während der Bauarbeiten parkte Haberecht noch in der Schletterstraße. Jetzt, nach der Sanierung, findet der Kraftfahrer immer schwerer eine Park- und Auslademöglichkeit.

Während der Bauarbeiten war die Schletterstraße noch speziell für Lkw-Fahrer wie Haberecht eingerichtet. Die Interimsplätze wichen nun den neuen Anlieferungsflächen vor den Restaurants, Bars und Geschäften. Doch sie werden meistens von Autofahrern zugeparkt, die keine Parkbucht fanden. Hochschullehrerin Ulrike Hausmann kennt das: Sie fährt mit ihrem Auto zwei Mal pro Woche zur Karli, um Einkäufe zu erledigen. Infolge der Sanierung sei es zu einer „massiven Verschlechterung“ für Pkw-Fahrer gekommen, so Hausmann. In „die wenigen Boxen“ käme man „nur schwer hinein“. Auch Radfahrer seien frustriert, findet sie.

Radstreifen von parkenden Autos blockiert

Miguel Julve passiert das jeden Tag. Wenn der 30-jährige Student mit dem Fahrrad auf der Karli zur Universität fährt, bemerkt er falsch parkende Autos – sogar auf dem Radstreifen. Auch im Netz ist dazu eine Debatte entbrannt. Die Kneipe Killiwilly hatte auf Facebook ein Foto gepostet, auf dem der Radweg vor dem irischen Pub am vergangenen Sonntagabend komplett zugeparkt war.

Der neue Radweg auf der Karli ist eine große Bereicherung und wird sicher maßgeblich zur Sicherheit auf dieser schönen Strasse beitragen.

Gepostet von Killiwilly am Sonntag, 15. November 2015

„Die Problematik ist bekannt“, sagt Helmut Loris, Leiter des Ordnungsamtes. Bereits in der Planungsphase habe die Abteilung auf die Wahrscheinlichkeit des Eintretens dieses Phänomens hingewiesen. Seit der Verkehrsfreigabe am Montag gebe es intensive Verkehrskontrollen zu unterschiedlichen Tageszeiten an Werktagen, was aber aufgrund begrenzter personeller und zeitlicher Ressourcen schwierig sei. Außerdem gebe es an anderen Orten des Stadtgebietes ähnliche Konflikte, die gleichermaßen Ordnungsmaßnahmen sowie Personal des Amtes erforderten, zum Beispiel an der Georg-Schumann-Straße oder Lindenthaler Straße. Das Amt beabsichtigt dennoch, die hohe Kontrollintensität möglichst lange aufrecht zu erhalten.  

68 Knöllchen innerhalb von zwei Tagen

Allein an den ersten beiden Tagen kam es zu insgesamt 68 registrierten Halt- und Parkverstößen und damit verbundenen Knöllchen an den Autoscheiben, erläutert Amtsleiter Loris. „In der Tat kam es bereits zu zwei Abschleppmaßnahmen“, sagt Loris vom Ordnungsamt. Dabei handelte es sich um einen blockierten Taxenstand. Zukünftig müssen Falschparker mit solchen Zwangsmaßnahmen rechnen, auch wenn das Abschleppen auf keinen Fall zu einer „zusätzlichen Bestrafung“ zum Verwarngeld werden soll.

Zur Entschärfung der Situation seien auch zahlreiche Verkehrsteilnehmer bereits vor Ort auf ihr Fehlverhalten hingewiesen worden. Insgesamt kam es zu einer hohen Zahl von Bürgergesprächen, in denen unter anderem über die neue Verkehrsorganisation aufgeklärt wurde, so Loris. Für zusätzliche Schilder sieht das Ordnungsamt keine Notwendigkeit.

Muss parkenden Autos auf dem Radweg ausweichen: Miguel Julve auf der Karl-Liebknecht-Straße. Quelle: Dirk Knofe

Kraftfahrer weichen auf Querstraße aus

Manches Mal hat Kraftfahrer Haberecht Glück. Dann lädt er die 100 Kilogramm schweren Rollpaletten, gefüllt mit Lebensmitteln, in einer freien Parkbucht auf der Karli ab. Die ist eigentlich für Autofahrer gedacht, aber die haben gerade in der Lkw-Lieferzone geparkt.

Ansonsten dreht Haberecht einfach eine Runde um den Block, beliefert noch andere Kunden in der Karli, um es später erneut in einer Querstraße zu versuchen. Von dort aus transportiert der Kraftfahrer die Lieferware zu Fuß. „Das Problem ist, dass die Anlieferungsfläche immer zugeparkt ist“, sagt er. Nur morgens um 6 Uhr ist der Standstreifen vermutlich frei, aber da kann Haberecht seine Ware noch nicht abliefern. Er muss warten, bis die Geschäfte um circa 10 Uhr geöffnet haben und dann sind die Lieferzonen in der Karli schon meistens besetzt.

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