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Lokales Parkplatz-Markierungsnägel sind Steine des Anstoßes in Leipzig
Leipzig Lokales Parkplatz-Markierungsnägel sind Steine des Anstoßes in Leipzig
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23:00 23.07.2018
Stein des Anstoßes: einer der reflektierenden Markierungsnägel auf dem Markt in Liebertwolkwitz. Die Teilchen entpuppten sich längst als Stolperfallen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Volksmund im Ort nennt sie „Leuchtfeuer“. Fällt Auto-Licht auf die zehn mal zehn Zentimeter großen Markierungsnägel im Pflaster des Liebertwolkwitzer Marktes, tun kleine Reflexlinsen unverzüglich ihren Dienst. „Dann wähnst du dich am Rande einer Flughafen-Landebahn“, amüsiert sich Ortschaftsratsvorsitzender Roland Geistert (Liebertwolkwitz Unabhängige Vertreter) gern. Doch inzwischen ist den „Wolksern“ das Lachen vergangen. Längst empfinden vor allem ältere Leute die Aluminiumnägel, mit denen auf dem kleinen Platz rund ums Rathaus neun Parktaschen markiert werden, als Bedrohung. Der Liebertwolkwitzerin Elfriede Rüdiger ist jetzt der Kragen geplatzt. Sie hat einen Brief samt Unterschriftenliste an Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) geschrieben. Die 83-Jährige und weitere 240 Unterzeichner äußern in dem Schreiben eine „dringende Bitte“: den „unverzüglichen Rückbau“ der Parkplatz-Markierungsnägel. Diese stünden viel zu sehr ab und seien heimtückische Gefahrenquellen.

„Jetzt ist Schluss“

Der Jagd nach den Autogrammen vorausgegangen war Ende Juni ein Unfall, bei dem eine Rentnerin, die mit einem Rollator auf dem freitäglichen „Wolkser“ Wochenmarkt unterwegs war, über einen der Nägel stürzte und sich bei dem Malheur die rechte Schulter und den rechten Oberarm brach. Da sagte sich Elfriede Rüdiger: „Jetzt ist Schluss. Wir reden lange genug über diese Stolperfallen. Nun muss endlich was passieren.“ Der Liebertwolkwitzer Markt sei eben nicht nur ein Park-, sondern auch ein Marktplatz, betont die Seniorin. „Die Oberfläche der Nägel ist glatt und wer nicht auf jeden Schritt achtet, der gerät schnell ins Straucheln“, sagt sie. „Vielen von uns ist das schon passiert. Am gefährlichsten ist es in den Wintermonaten.“ Die Wochenmarkt-Händler seien solidarisch und hätten sich ebenfalls an der Unterschriftenaktion beteiligt.

„Deutliche Sichtbarkeit gewährleistet“

Tatsächlich sind die reflektierenden Markierungsnägel – Stückpreis rund zehn Euro – schon seit Längerem Steine des Anstoßes. Im März 2017 berichtete die LVZ erstmals über die umstrittenen Knöpfe auf dem Natursteinpflaster. Damals warb Ortsvorsteher Geistert für einen Austausch. Es gebe auf dem Markt ein Areal, dort seien deutlich flachere Markierungsnägel zum Einsatz gekommen. Die könnten, wenngleich ohne Reflektoren ausgestattet, eine Alternative darstellen, fand Geistert seinerzeit. Findet er auch nach wie vor. Das Thema brennt auch ihm auf den Nägeln. Noch in dieser Woche erwartet der Ortschef eine Abordnung des kommunalen Verkehrs- und Tiefbauamtes zum Lokaltermin. Seitens der Behörde hatte es im Vorjahr geheißen: „Durch die Nägel ist eine deutliche Sichtbarkeit der Markierung gewährleistet. Sie entsprechen in ihrer Bauart dem gültigen technischen Regelwerk und wurden durch eine Fachfirma verlegt.“ Farbmarkierungen zum Beispiel seien aufgrund des Pflasterbelages nicht ratsam. Und sie würden auch nicht von Dauer sein, so ein Sprecher des Amtes im März vergangenen Jahres. Der Ortschaftsrat sei über die Maßnahme im Übrigen von Anfang an informiert gewesen.

„Diese Nägel müssen weg“

Elfriede Rüdiger wird bei dem Gespräch des Ortschaftsratsvorsitzenden mit den Vertretern des Tiefbauamtes anwesend sein. Sie will dabei kein Blatt vor den Mund nehmen. Aus ihrem Brief an den OBM geht deutlich hervor, was die 83-Jährige und ihre Mitstreiter umtreibt: „Wir möchten wieder ohne Angst unseren Wochenmarkt und all die anderen Veranstaltungen auf dem Markt sowie das Rathaus besuchen können.“ Mit anderen Worten: „Diese Nägel müssen weg.“

Von Dominic Welters

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