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Lokales Parkplatz frei oder belegt? Sensor im Boden gibt Auskunft
Leipzig Lokales Parkplatz frei oder belegt? Sensor im Boden gibt Auskunft
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18:34 22.07.2018
Der „Parking Pilot“ ist ein Magnetsensor, der feststellt, ob die Parkfläche belegt oder frei ist. Der Aldi-Kundenparkplatz am Wahrener Rathaus ist damit ausgestattet. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Sie sind schwarz und kleben auf dem Boden: kleine Kästchen, auf denen „Parking Pilot“ zu lesen ist. Und sie sind relativ unscheinbar. Der Leipzigerin Gisela Schöneich stachen sie jetzt auf dem Aldi-Kundenparkplatz unmittelbar am Rathaus im Stadtteil Wahren dennoch ins Auge. Was läuft da?

„Eine imaginäre Parkuhr“, klärt Hagen Ruhmer auf. Denn in den batteriebetriebenen Kästchen befinden sich robuste Sensoren. Sie registrieren, ob gerade ein Auto auf dem Parkplatz steht oder nicht. Ruhmer ist Sprecher der Leipziger Firma „K + S Parkraum Service“, die auch diesen Parkplatz bewirtschaftet. Die Stellflächen sind für Kunden jeweils eine Stunde lang reserviert. „Wenn ein Fahrzeug länger auf dem Platz steht, so ist das ablesbar.“ Per Funk werden die Daten übertragen, Kontrolleure ahnden die Verstöße. Beim Überschreiten der Parkzeit droht eine 30-Euro-Vertragsstrafe.

Parkplatz-Missbrauch vorbeugen

Supermarkt-Betreiber wollen mit diesem System dem Missbrauch begegnen. Fahrer sollen die Stellflächen nicht über Stunden oder Tage blockieren können, sodass für Kunden nicht mehr ausreichend Platz vorhanden ist. Ruhmer hebt zudem hervor, dass das „System unbestechlich“ sei und zur Rechtssicherheit auch für Kunden beitrage – weil es im Gegensatz zur herkömmlichen Parkscheibe eine sekundengenaue Ablesung ermöglicht.

Die Basistechnologie dafür stammt vom Nürnberger Start-up-Unternehmen „Smart City System“ (SCS). Das Credo von Chef Thorge Harms und seinen Mitstreitern bei ihrem Start Anfang 2017 war, mit einem Mosaikstein zur intelligenten Stadt („Smart City“) beizutragen.

Auslöser der Idee: die verzweifelte Suche der Studenten an der Universität in Erlangen-Nürnberg nach einem Parkplatz in Uni-Nähe. Im Team entwickelten sie die Magnetsensoren. Erleichtert werden soll damit die Suche nach freien Plätzen, man soll sie zielgerichtet ansteuern können. Studien gehen davon aus, dass bis zu 30 Prozent des Stadtverkehrs nur dadurch entsteht, dass genervte Autofahrer Parkplätze suchen. Und damit Lärm und Dreck verursachen.

„Der Ausbau geht weiter“

Zunächst startete die Nürnberger Firma SCS im Laufe des Jahres 2017 mehrere Pilotprojekte in verschiedenen Städten, darunter auch in Leipzig und Dresden. „In Leipzig ist K + S am innovativsten“, sagt Thorge Harms. Das Unternehmen werde einen Parkplatz nach dem anderen damit ausstatten, kündigt er an. Nach Angaben von „K+S“-Sprecher Ruhmer gibt es die Sensoren bereits auf mehreren Parkplätzen verschiedener Supermarktketten. „Der Ausbau geht weiter.“ Die Firma sei von Leipzig aus gestartet, habe ihren Aktionsradius ausgeweitet und sei jetzt bundesweit aktiv.

Das Parkraum-Management gilt als relativ junge Branche. „Solche Anwendungen werden Konjunktur haben“, prophezeit Ruhmer. Dazu gehöre auch, dass Fahrer aufgrund einer App nur noch ihr Smartphone zücken und dann auf einen freien Parkplatz navigiert werden können. „Die Anbindung an eine App erfolgt in Kürze“, teilt der Sprecher mit.

„Smart City System“ in 20 Städten

In Dresden arbeitet SCS auch bezüglich des Anzeigens freier Parkplätze in Navigationsprogrammen und Apps eng mit VW zusammen. Laut Firmenchef Harms ist das Jungunternehmen mittlerweile in 20 Städten in Deutschland aktiv; in Sachsen könnte außer Dresden und Leipzig in Kürze noch Zwickau hinzukommen. Pro Stück kostet ein Sensor „unter 100 Euro“, sagt er. Noch ein wenig nach Zukunftsmusik klingt, dass sich etwa ein Fußballfan am Stadion über Display einen freien Parkplatz anzeigen und zuweisen lassen kann – natürlich gegen eine Gebühr. „Technisch sind wir so weit, praktisch ist es derzeit noch nicht möglich“, erläutert Harms.

Bisher konnten Autofahrer sich über Apps bereits informieren, wo es am Wunschort überhaupt Parkplätze gibt. Mehrere Anbieter geben etwa einen Überblick über die Parkhäuser in Deutschland. In einigen Städten ist es auch möglich, per App Parkplätze zu bezahlen. „Nun tüfteln mehrere Anbieter an verlässlichen Vorhersagen, wo es freie Parkplätze gibt“, erklärt Katharina Lux von der Frankfurt University of Applied Sciences, die zum Thema forscht. Der Markt sei stark umkämpft.

Kritiker mit Bedenken

Doch es gibt auch Kritiker: „Ich glaube nicht, dass sich das flächendeckend durchsetzt“, sagt Reinhard Koettnitz, Leiter des Straßen- und Tiefbauamts Dresden. Die Anschaffung der Sensoren sei teuer, nach einer bestimmten Laufzeit müssten sie ersetzt werden. Hinzu komme, dass sie im Freien der Witterung ausgesetzt sind. Schließlich ließe sich kaum steuern, wie viele Autofahrer die als frei angezeigten Parkplätze anfahren. In der Folge könne dadurch eher mehr Parksuchverkehr entstehen.

Sensor oder GPS-Daten?

Auch Wissenschaftlerin Lux hat Bedenken und ist gespannt auf den Ausgang des Modellprojekts in Dresden. Im Dresdner Umland sollen Autofahrer künftig kostenlos per App checken können, wo es freie Parkplätze gibt. Vorerst rund 800 Parkplätze auf Park-and-Ride (P+R)-Parkplätzen will der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) bis Ende 2019 mit Sensoren ausstatten, die in Echtzeit Daten an den VVO übertragen. Der wiederum macht die Informationen über seine Auskunfts-App für Kunden sichtbar. „Mit der Funktion bieten wir eine grobe Orientierung, wo es freie Parkplätze gibt“, sagte Christian Schlemper, Sprecher des Verkehrsverbunds Oberelbe (VVO).

Lux glaubt, dass sich künftig eher eine von GPS-Daten unterstützte Parkplatzsuche durchsetzen wird.

Von Sabine Kreuz (mit dpa)

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