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Lokales Parkplatznot – Stötteritzer wehren sich gegen neue Fahrradstraße
Leipzig Lokales Parkplatznot – Stötteritzer wehren sich gegen neue Fahrradstraße
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00:39 21.04.2018
Anwohner Jürgen Rauschenbach kämpft um die Parkplätze im Viertel an der Naunhofer Straße. Er hat dafür 2000 Flyer verteilt und findet große Unterstützung. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Die Initiatoren des Projekts „Aktiv mobil in Stötteritz“ rieben sich am Donnerstag verdutzt die Augen: Ihr großer Versammlungsraum in der Franz-Mehring-Schule – in dem sie über Verkehrsberuhigung diskutieren wollten – war mit doppelt so vielen Interessenten wie beim letzten Mal bis auf den letzten Platz gefüllt. Doch schnell war klar, dass mindestens die Hälfte der Anwesenden gekommen war, um die angedachte Umgestaltung der Naunhofer Straße zwischen Holzhäuser Straße und Herzzentrum in eine Fahrradstraße zu stoppen. Dieser Plan sei „völlig realitätsfremd“ und führe zu einer „Parkplatzvernichtung“, hieß es. Es bestehe keine Notwendigkeit für so eine gravierende Veränderung. „Wir vermuten, es geht hier nur um das Ausschöpfen von Fördermitteln.“

„Lasst alles wie es ist“

Moderator Fritjof Mothes vom Planungsbüro Stadtlabor – das für die Stadtverwaltung das Modellprojekt moderiert – hatte alle Mühe, die Gemüter zu schlichten. Schließlich sprangen ihm auch Mitstreiter zur Seite, die seit vier Jahren mitdiskutieren, wo in Stötteritz Verkehrsberuhigungen und Lärmminderungen möglich sind. Sie forderten mehr „Redekultur“ ein – aber es half nicht viel. Der Frust der aufgebrachten Menge brach sich immer wieder Bahn. „Kümmert euch lieber um Bordsteinabsenkungen – oder lasst am besten alles so wie es ist“, hieß es.

Auch Jürgen Rauschenbach meldete sich zu Wort. Der 79-jährige Diplom-Ökonom hatte aus Frust über den Plan 2000 Flyer drucken und verteilen lassen. Die Botschaft: Die dafür vorgesehene Umwandlung der südlichen Fahrbahn der Naunhofer Straße zu einer Marktstraße oder zu einem „Shared Space“-Bereich führe zum Wegfall zahlreicher Parkplätze auf beiden Seiten des Fahrbahnabschnitts. Dies sei auch die Folge, wenn ein geplanter Fahrradstreifen beidseitig der Kommandant-Prendel-Allee angelegt werde – wegen des zu geringen Fahrbahnquerschnitts würden Parkplätze auf der Ostseite der Allee wegfallen.

„Es gibt ein Chaos“

Um dies zu verhindern, haben Rauchschenbach & Co. inzwischen bei Facebook ein Informationsportal über die geplante „Aktivachse“ und die Neugestaltung eines Stadtplatzes auf der jetzigen „Affeninsel“ zwischen Gletschersteinstraße und Kommandant-Prendel-Allee eingerichtet. Für Mitstreiter wurde auch die E-Mail-Adresse kein-halten-in-stoetteritz@web.de geschaffen.

Diese Initiative will erreichen, dass die „Affeninsel“ nicht umgestaltet wird und die beiden Fahrbahnen weiter so laufen wie bisher. „Sonst können sich dort keine Lkw mehr begegnen“, sagt Rentner Rauschenbach. „Das wird zu schmal, wenn die Parkplätze erhalten werden.“ Auch die Fahrradstreifen in der Kommandant-Prendel-Allee sollen nicht eingerichtet werden und die Parkplätze erhalten bleiben. Ein Hauptanliegen ist ebenso der Erhalt aller Parkplätze und Lieferzonen in der Naunhofer Straße. „Die Leute wissen nicht wohin mit ihren Autos – es gibt ein Chaos, wenn diese Plätze wegfallen“, warnt Rauschenbach. Gefordert werden auch die Aufwertung und Umgestaltung des Gregoryplatzes und des Ambrosius-Barth-Platzes. „Die Planer haben die Öffentlichkeit viel zu wenig informiert. Wenn sie wirklich die Bürger hören wollten, hätten sie den Stötteritzern Postwurfsendungen zugestellt oder selber Flyer gedruckt wie wir. So geht das nicht.“

„Händler und Anlieger werden eingeladen“

Die Akteure von „Aktiv mobil in Stötteritz“ betonen, dass es in ihren öffentlichen Workshops bisher immer gut gelungen ist, für alle Teilnehmer akzeptable Varianten für die Gestaltung des Bereichs an der sogenannten Affeninsel zu entwickeln. „Auch das sensible Thema Autostellplätze wurde dabei natürlich intensiv diskutiert“, so Mothes. „Ein wie im Faltblatt behaupteter Wegfall von Stellplätzen war und ist dabei nicht geplant. Vorgeschlagen wurde stattdessen, die Stellplätze der südlichen Fahrbahn künftig senkrecht anzuordnen. Dabei bliebe die Gesamtzahl der Parkplätze konstant.“

Es sei „bedauerlich, dass die Wogen wegen der Fehlinformation im Faltblatt zu Beginn der Veranstaltung so hoch schlugen“, erklärte der Moderator. „Eine kurze Nachfrage beim Projektteam hätte zur schnellen Aufklärung beigetragen.“ Die in der Veranstaltung eingebrachten Hinweise und Ideen, die im Anschluss auch in Modellen erarbeitet wurden, würden in der weiteren Planung berücksichtigt. Zu den künftigen Treffen werden die umliegenden Händler und Anlieger eingeladen.

Von Andreas Tappert

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