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Patienten-Ansturm in Leipzig: Das Klinikum St. Georg erweitert 2016 die Notaufnahme

Kapazitätsgrenze erreicht Patienten-Ansturm in Leipzig: Das Klinikum St. Georg erweitert 2016 die Notaufnahme

51 000 Patienten suchten voriges Jahr die Notaufnahme des Krankenhauses St. Georg auf. Sie ist damit nach dem Uni-Klinikum Dresden die zweitgrößte Notaufnahme in Sachsen. „Wir haben die Kapazitätsgrenze erreicht“, sagt Geschäftsführerin Iris Minde und kündigt für 2016 eine Erweiterung an.

Im Erdgeschoss des Hauses 20 in Eutritzsch befindet sich die Zentrale Notaufnahme des Klinikums St. Georg. Sie verfügt über zwei Hubschrauberlandeplätze auf dem Dach.

Quelle: St. Georg

Leipzig. 51 000 Patienten suchten voriges Jahr die Notaufnahme des kommunalen Krankenhauses St. Georg auf. Sie ist damit nach dem Uni-Klinikum Dresden die zweitgrößte Notaufnahme in Sachsen. „Wir haben die Kapazitätsgrenze erreicht“, sagt Geschäftsführerin Iris Minde (53) und kündigt für 2016 eine Erweiterung an.

Die Zentrale Notaufnahme des „Georg“ befindet sich im Erdgeschoss des Hauses 20 auf dem weitläufigen Krankenhausgelände in Eutritzsch. Auf der Etage sind ebenfalls die Gastroenterologie und Radiologie untergebracht. „Wir werden die Bereiche im Bestandsgebäude umorganisieren“, erläutert Minde. Das heißt, das großzügige Atrium soll für den Ausbau teils mit genutzt werden.

Aus ärztlicher Sicht ist dieser Schritt überfällig. „Unsere Notaufnahme ist für diesen Patienten-Ansturm nicht gebaut worden“, erklärt Chefärztin Stefanie Hanschke (56). „Wir haben mit 14 000 Patienten im Jahr angefangen und sind in Tausenderschritten gewachsen.“ Durchschnittlich 130 Menschen suchen hier jeden Tag Hilfe. An Spitzentagen wie am Freitag nach dem Himmelfahrtstag waren es auch schon 177.

Allein in diesem Jahr kamen in den ersten vier Monaten 1500 Patienten mehr als im Vorjahreszeitraun. Eine Herausforderung für die 14 Ärzte, Chirurgen und Internisten sowie 28 Pflegekräfte. Für dieses Jahr erwartet Hanschke einen Anstieg um 4500 Patienten gegenüber 2014. Das wäre ein neuerlicher Rekord.

Die Ursachen sind vielschichtig. Das rasante Bevölkerungswachstum gehört zweifellos dazu. Auch versuchen Patienten ihr Glück in der Klinik, um bei niedergelassenen Ärzten lange Wartezeiten, etwa für teure Computer- oder Kernspintomografien, zu umgehen. Nahezu jeder dritte Patient ist kein klassischer Notfallpatient, könnte sich auch beim Hausarzt Hilfe holen. Die Kliniken sind in der Zwickmühle. „Die Krankenhäuser sehen sich in der Leistungspflicht für jeden, der Hilfe in den Notaufnahmen sucht und geraten dadurch in eine Kostenfalle“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum.

„Eine halbe Stunde pro Patient sind keine Seltenheit“, berichtet Chefärztin Hanschke. Dafür zahlen die gesetzlichen Krankenkassen knapp 30 Euro. Im Schnitt kostet jeder Notaufnahme-Patient die Klinik jedoch 130 Euro. „Wir bleiben auf 100 Euro sitzen“, rechnet Klinik-Chefin Minde vor. Noch lässt sich die Lücke betriebsintern kompensieren. Doch die Reserven sind weg. Deshalb schlagen derzeit bundesweit Krankenhäuser Alarm. Der Hartmannbund forderte erst in dieser Woche die Einführung einer Notfall-Gebühr (die LVZ berichtete).

factbox

Sachsens größte Notaufnahmen:

Universitätsklinikum Dresden 52 213

Klinikum St. Georg Leipzig 51 000

Klinikum Chemnitz 50 256

Städtisches Klinikum Dresden 41 000

Universitätsklinikum Leipzig 34 058
 
*im Jahr 2014/Quelle: Kliniken

Till Treutler (40), Leitender Oberarzt in der Notaufnahme, macht auf ein weiteres Thema aufmerksam, das Mediziner und Pfleger tangiert. Immer öfter erscheinen alkoholisierte Patienten und Drogenkonsumenten. „Wir haben täglich mehrere Patienten, die unter Crystal-Einwirkung stehen“, berichtet Treutler. Die synthetische Modedroge Methamphetamin stimuliert das Nervensystem, putscht auf. „Solche Leute sind nicht einzuschätzen“, sagt er, „ein Gewaltausbruch kann sich bei ihnen binnen Minuten entwickeln.“ Dass dem medizinischen Personal dann der Wachschutz zu Hilfe eilen muss, ist längst keine Seltenheit mehr.

„Die Notaufnahmen werden in ihrer Bedeutung noch steigen“, ist Stefanie Hanschke überzeugt. Zum einen, weil im ländlichen Raum die flächendeckende medizinische Versorgung verschwindet und die Menschen dann direkt in die Kliniken gehen. Ein anderer Grund ist die demografische Entwicklung. Die Menschen leben immer länger, die Zahl ihrer Erkrankungen steigt. Schon heute, das ergab eine Bevölkerungsanalyse des Klinikums, lebten im Leipziger Norden besonders viele ältere, multimorbide Menschen. Die Folge: „Der Pflegeaufwand wird größer“, sagt die Chefärztin, „die Arztkontakte werden länger.“ Darauf will sich das „Georg“ auch mit der Erweiterung seiner Notaufnahme einstellen.

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