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Lokales Paulinerverein will Paulinum in Leipzig für die Öffentlichkeit öffnen
Leipzig Lokales Paulinerverein will Paulinum in Leipzig für die Öffentlichkeit öffnen
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13:17 23.02.2016
Das Interesse am Nachfolger-Bau der alten Paulinerkirche ist in der Leipziger Bevölkerung groß – hier am Tag der offenen Tür im Dezember vergangenen Jahres.  Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig.

 Die Pauliner begründen ihre Forderung nach einer Öffnung des Gebäudes für die Allgemeinheit vor allem mit den immer höher werdenden Kosten. „Der Bauverzug beträgt jetzt sechs Jahre und wird Ende 2016 sieben Jahre betragen“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Und jeder einzelne Tag kostet Geld.“ Dies sei den Steuerzahlern nicht mehr zu vermitteln. „Unser Verein und die Stiftung Universitätskirche St. Pauli sammeln seit Jahren Spenden für die Ausstattung der neuen Universitätskirche. Da geht es in der Regel um kleine Beträge. Und hier werden Steuergelder in Größenordnungen ausgegeben, die nicht sein müssten.“

Er spricht auch von einem „inzwischen kaum reparablen Imageschaden“, der beim Bau des Paulinums für den Bauherrn und für die Universität entstanden ist. „Die Bauverzögerung ist nicht mehr vermittelbar. Die Begründung mit den absurden Glassäulen versteht nun wirklich niemand mehr. Es ist eigentlich ein Skandal und eine Blamage“, so Stötzner.

Die Kosten, die den Paulinern ein Dorn im Auge sind, betreffen unter anderem die Abschreibung des Bauwerks. „Die Lebensdauer moderner Betonbauten wie des Paulinums wird mit durchschnittlich 60 Jahren angesetzt“, rechnet Stötzner vor. „Damit wären jetzt schon zehn Prozent des Bauwerks abgeschrieben, ohne dass es genutzt werden konnte.“ Bei geschätzten Baukosten von 100 Millionen Euro wären bereits zehn Millionen Euro abgeschrieben.

Hinzu kämen die Kosten, die der Universität Leipzig entstehen, weil sie das Bauwerk nicht nutzen kann. „Für Veranstaltungen der Universität – zum Beispiel Gottesdienste, Konzerte, Kongresseröffnungen – müssen andere Räume angemietet werden, unter anderem in der Nikolaikirche, in der Peterskirche, in der Thomaskirche, im Gewandhaus oder in der Kongresshalle“, rechnet er weiter vor. „Außerdem entgehen der Universität Mieteinnahmen von Fremdveranstaltungen wie Konzerten – zum Beispiel beim Bachfest, bei Kongressen, dem Kirchentag oder dem Reformationsjubiläum.“ Auch Einnahmen von Eigenveranstaltungen der Universität gingen verloren – zum Beispiel bei Vorträgen oder wissenschaftlichen Disputationen.

„In der Universitätskirche stehen zwei neue Orgeln“, führt Stötzner ebenfalls an. „Diese müssen auch gespielt werden.“ Wenn das Paulinum noch in diesem Jahr für die Öffentlichkeit freigegeben würde, könnte dort das nächste Weihnachtsoratorium aufgeführt werden. Darüber hinaus würde so Planungssicherheit für die Universitätsmusik geschaffen, die mindestens zwei Jahre im Voraus planen müsse. „Mit der Aufstellung der restaurierten Kanzel und unter Verzicht auf die Verglasung der Säulen könnten Universitätskirche und Aula am 2. Dezember fertiggestellt sein und eröffnet werden“, so Stötzner.

Der Freistaat, der Bauherr des Paulinums ist, hält davon nichts. „Das Gebäude ist so gut wie fertig, deshalb entstehen uns jetzt keine weiteren Baukosten“, sagt Stephan Gößl, Sprecher des federführenden sächsischen Finanzministeriums. Wie teuer das Paulinum durch die bisherige sechsjährige Bauverzögerung geworden ist, kann er auch nach eintägiger Recherche in seinem Ministerium nicht herausbekommen. Nach unbestätigten Berichten könnten die Baukosten des Paulinums von ursprünglich 47 Millionen Euro auf rund 100 Millionen Euro angewachsen sein. Gößl kündigte an, dass er die genauen Zahlen in dieser Woche nachreichen will.

Der Paulinerverein vermutet, dass die Architektenkosten mit jedem Jahr Bauverzug weiter steigen. Das sächsische Finanzministerium wollte sich gestern auf LVZ-Anfrage dazu nicht äußern. „Die Auskünfte über Honorare unterliegen der Verschwiegenheitspflicht“, so Sprecher Gößl.

Wie berichtet, gibt es seit Monaten erhebliche Probleme mit der Produktion der benötigten Glaselemente für die Verkleidung der Säulen des Paulinums. Die Meinungen über die Zuverlässigkeit des beauftragen deutschen Herstellers gehen auseinander: Während Experten des Freistaates in dessen Produktionstechnologie Fortschritte entdecken können, ist Architekt Erick van Egeraat offenbar vom Gegenteil überzeugt: Zur jüngsten Bemusterung von Prototypen beim Hersteller ist er gar nicht erst angereist, und auch ein Mitarbeiter von ihm hatte kurzfristig abgesagt. Öffentlich hat sich der Holländer festgelegt: In einem LVZ-Interview erklärte er, der mit der Produktion beauftragte deutsche Hersteller beherrsche die notwendige Technologie offenbar nicht. Deshalb habe er eine Firma in Polen vorgeschlagen, so von Egeraat .

Trotzdem hält der Freistaat nichts von der Zwischennutzung des Paulinums, die der Paulinerverein jetzt fordert. Man sei zuversichtlich, dass die Säulenbekleidung im Laufe dieses Jahres montiert wird, heißt es zur Begründung. „Die Montage der Scheiben benötigt einen Arbeitsfreiraum, von daher ist es nicht angezeigt, den Raum für eine Zwischennutzung freizugeben“, so Gößl.

Die Universität Leipzig war gestern auf Anfrage nicht bereit, ihre finanziellen Einbußen durch die sich immer weiter verzögernde Übergabe des Paulinums zu beziffern. Rektorin Beate Schücking erklärte aber, sie hoffe auf eine Fertigstellung des Paulinums noch in diesem Jahr. „Noch ist das möglich“, sagte sie. „Ich persönlich sehe der Beendigung des Einbaus insbesondere der Jehmlich-Orgel als größtem universitären Projekt mit freudiger Erwartung entgegen, das werden wir 2016 auf jeden Fall erreichen. Jede weitere Verzögerung beim Einbau der Glasverkleidungen wäre sehr bedauerlich.“

Von Andreas Tappert

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