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Lokales Paulinum-Architekt Egeraat: „Die Mühen haben sich gelohnt“
Leipzig Lokales Paulinum-Architekt Egeraat: „Die Mühen haben sich gelohnt“
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05:00 23.08.2017
Der niederländische Architekt Erick van Egeraat. (Archivbild) Quelle: Armin Kühne
Leipzig

Das Paulinum – offiziell als „Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli“ bezeichnet – ist nach achtjährigem Verzug endlich fertig. Der Freistaat Sachsen als Bauherr der neugestalteten innerstädtischen Uni-Immobilie feiert dieses Ereignis am heutigen Mittwoch an Ort und Stelle mit einem Festakt für geladene Gäste. Am Donnerstag von 14 bis 18 Uhr dürfen sich dann die Leipziger für einige Stunden im Kirche-Aula-Bau umschauen. Die Pläne für das neue Herzstück der Alma mater gehen auf den niederländischen Architekten Erick van Egeraat zurück. Was der 61-Jährige über die Fertigstellung des markanten, längst stadtbildprägenden Gebäudes denkt, verrät er im Interview mit der Leipziger Volkszeitung.

LVZ: Im März 2004 gingen Sie aus dem Architekturwettbewerb für die Gestaltung der Universitätsbauten am Augustusplatz als Sieger hervor. mehr als 13 Jahre später ist der Bau vollendet. Was empfinden Sie?

Erick van Egeraat: Glück und Zufriedenheit. Die Mühen haben sich gelohnt. Der Bau ist zu 100 Prozent Erick van Egeraat, jedes Detail konnte realisiert werden. Sollte etwas nicht gelungen sein, so muss ich mir das selbst vorwerfen und kann die Verantwortung nicht weitergeben. Die Realisierung dauerte in der Tat lange, von meinen Ideen, ein Haus für viele Ansprüche zu bauen, bin ich dabei nie abgewichen.

Einblicke ins Paulinum der Universität Leipzig. Die Räumlichkeiten sollen am Mittwoch fertiggestellt werden. Es folgt eine feierliche Eröffnung.

Was war das Besondere an diesem Auftrag?

Die Tatsache, eine Aula und einen Andachtsraum zu bauen, also weltlichem und religiösem Leben eine Heimstatt unter einem Dach zu geben. Hinzu kam die historische Bedeutung des Bauwerks. Allem musste ich gerecht werden und die Diskussionen mit den verschiedenen Positionen zur Kenntnis nehmen. Im Ergebnis können, so glaube ich, alle Seiten mit dem Geschaffenen zufrieden sein. Die Universität hat eine hochwertige Aula bekommen, der Bau ist auch eine Kirche, der Erinnerung an die 1968 gesprengte Universitätskirche wird Rechnung getragen, die Stadt Leipzig kann in ihrer Mitte ein repräsentatives Bauwerk vorzeigen.

War es leicht, in Leipzig zu bauen?

Nein, das war es nicht. In Moskau konnte ich die höchsten Wohnhäuser Europas bauen – die die Skyline bestimmen, wenn man in die Stadt reinfährt. Das war viel einfacher, als in Leipzig das Paulinum zu errichten. In Moskau gab es um diese Häuser keine öffentliche Debatte, in Leipzig, wie wir wissen, aber schon. Hier hat sozusagen jeder mitdiskutiert, persönliche Emotionen wurden immer wieder vorgetragen, oft wurde hart gestritten. Doch wie schon gesagt: Ich denke, allen recht getan zu haben. Ich hatte gesagt, dass ich kein Restaurator bin, und hatte mir vorgenommen, dass dieses Haus an die alte Kirche erinnern wird. In ihrer Größe, in ihrer Höhe, in ihrer künstlerischen Ausgestaltung. Das hatte ich Leipzig versprochen.

Wie hat Sie der Bau beeinflusst, vielleicht sogar verändert?

Wie noch bei keinem anderen Bauvorhaben verbindet sich für mich mit dem Neubau der Universität in Leipzig ein sehr persönlicher Blick zurück. Ich weiß noch von den studentischen Revolten, vom Prager Frühling, von der Trennung von Ost und West, vom Fall der Mauer. Alles das ist ja auch Teil meines Lebens. Also bin ich dankbar, dass ich mit dem Paulinum und den weiteren zentralen Universitätsgebäuden Bauwerke errichten durfte, die Zeitgeschichte widerspiegeln.

Architekten wollen für die Ewigkeit schaffen. Taugt das Paulinum dafür?

Was ist schon ewig? Die Entscheidung der politisch Verantwortlichen, die Universität in der Mitte Leipzigs neu zu bauen und eben nicht auf der grünen Wiese, wie es in der Welt nur allzu oft passiert, war eine Entscheidung für die Zukunft. Zur Struktur dieser Stadt gehört im Zentrum schon seit mehr als 600 Jahren die Universität. Sie wird dort also noch eine sehr lange Zeit stehen und ein zentraler Teil der sich eindrucksvoll entwickelnden Stadt sein.

Interview: Thomas Mayer

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