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Lokales Paulinum: Architekt van Egeraat spricht Klartext
Leipzig Lokales Paulinum: Architekt van Egeraat spricht Klartext
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00:18 12.12.2016
Buchvorstellung: Direktor Jens Belcher vom Universitätsarchiv, Architekt van Egeraat und Journalist Thomas Mayer (von links). Quelle: Foto: Armin Kühne
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Leipzig

Im Umfeld des Paulinums am Augus-
tusplatz vollziehen sich immer noch merkwürdige Dinge: Während der Bauherr Freistaat auf LVZ-Anfrage erklärt, der „finale Meilenstein für den nun anstehenden Abschluss des Projekts“ sei erreicht; hält sich Architekt Erik van Egeraat mit solchen Einschätzungen zurück. Doch ohne seine Zustimmung kann das Paulinum – das bereits sechs Jahre Bauverzug hat – nicht fertiggestellt werden. Dass es Meinungsverschiedenheiten gibt, war am Donnerstagabend im Leipziger Universitätsarchiv zu erleben. Dorthin war van Egeraat zur Vorstellung des Buches „Die Universitätskirche und das Paulinum“ eingeladen worden. In dem Werk sind Artikel enthalten, die der frühere Chefreporter der LVZ Thomas Mayer von 1992 bis 2015 schrieb.

Kurz vor der Buchvorstellung hatte das sächsische Finanzministerium auf LVZ-Anfrage erklärt, dass im Paulinum endlich die letzten Arbeiten – die Errichtung der hängenden Säulen – angelaufen sind. „Die Serienproduktion der gläsernen Säulenbekleidung hat begonnen“, so Pressesprecher Stephan Gößl. „Für die Montage der Elemente erfolgt derzeit die Einrüstung des Raumes und die Vorbereitungsarbeiten an Konstruktion und Beleuchtung. Der Freistaat Sachsen ist zuversichtlich, dass die Elemente der Säulenverglasung im Andachtsraum im Februar 2017 montiert werden.“ Allerdings: Der Freistaat könne noch immer keinen Fertigstellungstermin nennen.

Uni-Rektorin Beate Schücking hatte sich jüngst beim Festakt zum Dies academicus präziser festgelegt: Der nächste Universitätsgeburtstag im Dezember 2017 werde im Paulinum gefeiert, hatte Schücking erklärt. Sie gehe davon aus, dass der Kirche-Aula-Bau im kommenden Jahr gegen Ende des Sommersemesters seiner Bestimmung übergeben wird. Was Schücking nicht sagte: Hinter den Kulissen gibt es offenbar starke politische Bestrebungen, dass die Einweihung des Gebäudes nunmehr im Rahmen des 500. Reformationsjubiläums über die Bühne geht.

Auch van Egeraat kannte diese Darstellung, als er am Donnerstagabend vor rund hunderte geladenen Gästen im Universitätsarchiv seine Sicht der Dinge darlegte. Dabei wollte er sich ausdrücklich nicht auf diese Darstellung festlegen. „Ich habe mir vor einem Jahr im Paulinum eine Mustersäule angeschaut – doch jetzt, ein Jahr später, ist immer noch keine Säule fertig“, sagte er. Seine Zeichnungen für das Paulinum hätten sich „zwölf Jahre nicht verändert, doch wir reden immer noch bei jedem Detail, ob es so sein muss“. Van Egeraat: „Die haben gedacht, sie können mit mir spielen.“

Gleichzeitig machte er deutlich, dass die hängenden Säulen für ihn besonders wichtig sind. Diese Elemente müssten „sehr elegant und zurückhaltend“ ausgeführt werden, sonst sähe das Paulinum am Ende im Inneren „wie eine Disco“ aus. „Ich versuche, dieses Gebäude perfekt zu bauen“, erklärte er

Auf die explodierenden Baukosten angesprochen, schilderte van Egeraat eine Begebenheit aus der Planungsphase. „Ich habe gesagt, dass Paulinum kostet 65 Millionen Euro, doch die SIB-Leute sagten, es seien nur 30 Millionen Euro nötig.“ Dies sei Realitätsverweigerung gewesen, ein „nicht wissen wollen“. Auch er könne nicht fassen, dass der Bau noch nicht fertig ist. „Die Leipziger sollten die Tür öffnen und einfach reingehen“, riet er.

Genau dies fordert Leipzigs Paulinerverein schon lange. „So wie die Dinge jetzt aussehen, verzögert sich die Fertigstellung des Paulinums auf den Sankt Nimmerleinstag“, erklärte Vereinsvorsitzender Ulrich Stötzner, der den Auftritt von van Eckeraat im Universitätsarchiv miterlebte. „Das Paulinum muss zur Nutzung freigegeben werden, denn dafür ist alles vorhanden. Die Säulen haben funktionell keine Bedeutung. Wenn sie fehlen, ist das nur ein Schönheitsfehler, der mit der Zeit behoben werden kann.“

Von Andreas Tappert, Mario Beck

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