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Lokales Paunsdorfer spricht über seine Erfahrung am Uni-Klinikum: "Der Keim grenzt einen aus"
Leipzig Lokales Paunsdorfer spricht über seine Erfahrung am Uni-Klinikum: "Der Keim grenzt einen aus"
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23:59 14.05.2013

"Das avisierte Programm war interessant, aber vor allem wollte ich Fragen stellen, die mich umtreiben", so der 71-jährige Paunsdorfer, der eine Spenderniere im Körper und einen langen Leidensweg hinter sich hat, bei dem sich auch der KPC-Keim bei ihm einnistete. Jenes multiresistente Darmbakterium, das, wenn es in die Blutbahn gerät, eine verheerende Wirkung entfalten kann.

Klaus Heinrich, der am Leipziger Uni-Klinikum eine Spenderniere bekam, hat einen langen Leidensweg hinter sich. Bei der Behandlung nistete sich bei dem Paunsdorfer auch der KPC-Keim ein - gerade auf dem Höhepunkt des deutschlandweit größten KPC-Ausbruchs, der vor einem Jahr bekannt wurde. Ausgegrenzt fühlt sich Heinrich bis heute.

Beim Patientenseminar wollte er sich zu Wort melden und "den Finger in die Wunde legen", sich erkundigen, was wann warum schief gelaufen war am UKL, das seit Juli 2010 mit einem KPC-Problem zu kämpfen hatte, aber erst im Februar 2011 das Gesundheitsamt und Ende Mai 2012 - nach entsprechenden Medienanfragen - die Öffentlichkeit unterrichtete. Rund 60 Infektionsfälle waren bis dahin intern bereits aktenkundig, etwa die Hälfte der von dem Keim Befallenen, die an schwersten Grunderkrankungen litten, waren verstorben.

In jenem Mai vor einem Jahr, als publik wurde, dass am UKL der bislang deutschlandweit größte KPC-Ausbruch stattgefunden hatte, lag Heinrich zum wiederholten Mal im Uni-Klinikum und wurde dort mit der bitteren Botschaft konfrontiert, dass er mit dem Bakterium infiziert ist. "Ich bin in ein Isolierzimmer verlegt worden, große Erklärungen gab es nicht." Es habe nur geheißen, der Keim sei bei ihm schwer behandelbar, weil er ja Medikamente gegen die Abstoßung des neuen Organs bekomme - und die noch zur Verfügung stehenden Antibiotika gegen KPC die Niere schädigen könnten. Die neuerliche Gefahr habe er gar nicht erfassen können - "ich hatte ja schon Wahnsinnsmonate hinter mir".

Im Dezember 2010 wurde am UKL sein linkes Knie operiert, ein Jahr später sollte er eine Spenderniere bekommen, doch das Organ passte nicht. Im Januar 2012 erfolgte dann die Transplantation, danach war sein rechtes Bein gefühllos. Bei der anschließenden Kur setzten starke Bauchschmerzen ein, zurück am UKL, so erzählt es Heinrich, wurde ein Abszess am Lendenmuskel diagnostiziert, die Entzündung griff um sich. Folge: Sein Dickdarm wurde chirurgisch getrennt, ein künstlicher Darmausgang gelegt - was blieb, war eine große Bauchnarbe, die sich ausbreitete statt zu heilen. Erst nach einem Ausschälen der Wunde setzte die Besserung ein.

Was die an ihm praktizierte Heilkunst angeht, darüber will er nicht urteilen, "ich war sowieso durch die Narkosen und die verabreichten Pharmaka lange in einem Dämmerzustand". Heinrich humpelt, das rechte Bein spielt nicht mehr mit, die Wiederherstellung des natürlichen Darmausganges steht noch aus und der KPC-Keim macht ihm zu schaffen - "der grenzt einen aus". Ein "Keimling" wie er bekomme wegen möglicher Ansteckungsgefahr allenthalben einen Sonderstatus - beim Zahnarzt, bei seinen Terminen in der UKL-Transplantationsambulanz oder denen in der Orthopädie des Klinikums, wo dann, so Heinrich, "nach einem Raum gesucht wird, wo ich als Keimträger Platz nehmen kann".

Er hofft, dass die eingesetzte externe Kommission nun Licht in das KPC-Geschehen am UKL bringt. Wie berichtet, sollen deren Untersuchungsergebnisse demnächst vorliegen. An denen ist auch die Staatsanwaltschaft interessiert. Von Amts wegen betreibt sie seit Mitte 2012 Vorermittlungen zu den KPC-Fällen am UKL, dessen Vorstand und Aufsichtsrat Transparenz bei der Aufklärung der Vorgänge versprochen hatten.

Bei einem im März dieses Jahres vorgelegten Zwischenbericht konnte noch keine Entwarnung gegeben werden, denn trotz verschärfter Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen trat der Keim weiter auf - zuletzt allerdings nur noch sporadisch. "Als Betroffener würde ich gerne Einblick in den Abschlussbericht der Kommission nehmen, wenn er beim Klinikum eingetroffen ist", meint Heinrich: "Aufklärung tut Not, die ist man uns schuldig."

Dem Patientenseminar ist er dann doch ferngeblieben, nachdem ihm die Veranstalter vorab telefonisch geraten hatten, er solle den Kontakt mit den anderen Teilnehmern meiden, die vorhandene Desinfektionsmöglichkeit nutzen und sich in die letzte Reihe setzen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.05.2013

Beck, Mario

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