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Peddigrohr auf nacktem Po: Leipzigern droht wegen Graffiti Prügelstrafe in Singapur

Peddigrohr auf nacktem Po: Leipzigern droht wegen Graffiti Prügelstrafe in Singapur

Hose runter, Augen zu: Als Forhad Mridha in Singapur die Prügelstrafe bekam, waren ihm die Augen verbunden. Darauf müssen sich auch zwei junge Männer aus Leipzig gefasst machen, die in dem strengen südostasiatischen Stadtstaat wegen Vandalismus angeklagt sind.

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Zwei Leipziger stehen in Singapur vor Gericht, weil sie eine U-Bahn mit Graffiti besprüht haben sollen.

Quelle: Screenshot

Singapur. An diesem Mittwoch (14. Januar) ist die nächste Anhörung in ihrem Fall.

„An der Prügelstrafe kommen sie nicht vorbei“, sagt ihr Anwalt Christopher Bridges der Deutschen Presse-Agentur. „Drei Stockschläge sind bei Vandalismus zwingend vorgeschrieben.“ Die beiden 21-Jährigen bestreiten nach seinen Angaben nicht, dass sie am 8. November 2014 in ein U-Bahn-Depot eindrangen und Waggons mit Graffiti besprühten. Sie verhandelten aber um Strafmilderung: Im Gegenzug für ein Schuldeingeständnis hätten sie darum gebeten, dass zwei Anklagepunkte wegen unerlaubten Betretens des Geländes fallen gelassen werden. Das würde die erwartete Haftstrafe um einige Monate reduzieren.

Was Mridha aus Bangladesch schildert, tut schon beim Zuhören fast weh: „Nach den Stockschlägen konnte ich nicht mehr laufen. Zwei Leute haben mich in einen Nebenraum getragen und mir Wasser gegeben. Medikamente gab es nicht. Eine Woche lang hat es höllisch weh getan.“ Mridha bekam im November vier Stockschläge, weil er im Land blieb, obwohl sein Visum abgelaufen war. Die Strafe wird im Changi-Gefängnis vollstreckt. Der Vollzugsbeamte schwingt nach den Vorschriften einen Stock aus Peddigrohr, 1,20 Meter lang, 1,2 Zentimeter dick. Er wird in Wasser eingeweicht, damit er flexibel ist und wie eine Peitsche niederschnellt. Der Verurteilte wird mit runtergelassener Hose auf ein Gestell gebunden. Die Nieren werden abgedeckt - damit kein bleibender Schaden entsteht, wenn der Vollzugsbeamte mal nicht genau die Pobacken trifft.

Drei Stockhiebe sind die leichteste Form der Prügelstrafe. Möglich sind bis zu 24 Schläge, bei schwereren Vergehen wie Rauschgifthandel oder Unruhestiftung. Die Regierung rechtfertigt ihre strengen Gesetze mit dem Erfolg: „Ja, wir haben drakonische Strafen: Prügelstrafe, lange Haftstrafen, Todesstrafe“, sagte Justizminister K. Shanmugam 2012 im Parlament. „Das Ergebnis: Wir sind eines der wenigen Länder, das etwa das Rauschgiftproblem ziemlich erfolgreich eingedämmt hat.“

Der Anwalt eines verurteilten Drogenkuriers hat im vergangenen Jahr Verfassungsklage eingereicht, als sein Klient zu 15 Stockhieben verurteilt wurde. Die Strafe sei „Folter und unmenschlich“. Das höchste Gericht hat sich dazu bislang noch nicht geäußert. „Wir sind für die Abschaffung der Prügelstrafe“, sagt Sinapan Samydorai von der Menschenrechtsorganisation Think Centre. „Aber der Singapurer Öffentlichkeit ist es eigentlich egal.“

Die Regierung veröffentlicht keine Statistiken über die Prügelstrafe. Zahlen finden sich aber im Menschenrechtsbericht der US-Regierung: 2013 hätten 2200 Menschen in Singapur Stockhiebe bekommen, gut die Hälfte davon Ausländer. Vor vier Jahren traf es einen Schweizer Banker. Der Mann war genau wie die beiden Deutschen in ein Depot eingedrungen und hatte Waggons besprüht. Er erhielt drei Stockschläge und sieben Monate Haft.

Die Angeklagten sind bei der Qual nicht allein: Mridha stand damals mit acht Leuten in einer Reihe, wie er berichtet. Er war der dritte und musste erst mitanschauen, wie zwei Mitgefangene geschlagen wurden. „Es ging um zehn Uhr morgens los“, sagt er.

Kirsten Han und Christiane Oelrich

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