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Lokales Pendel-Stress für Leipziger Familie
Leipzig Lokales Pendel-Stress für Leipziger Familie
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00:23 10.04.2018
Familie Neubauer hat einen extrem langen Kita-Weg in Leipzig. Isabell (28) ,und Mike Neubauer (30) mit Tochter Pauline (14Mon.) auf dem Weg zur Kita. Quelle: Foto: Andre Kempner
Leipzig

Von Reudnitz nach Neulindenau, anschließend mitten in die Innenstadt – für Isabell Neubauer gehört die Strecke jeden Morgen zum Alltag. Gemeinsam mit ihrem Mann Mike und der 14 Monate alten Tochter Pauline wohnt sie in Reudnitz. Die Kindertagesstätte liegt im etwa zehn Kilometer entfernten Neulindenau, unweit des Straßenbahnhofes. Ist das Kind dort abgeliefert, fährt sie weitere fünf Kilometer zu ihrer Arbeitsstelle am Goerdelerring. Für die 28-Jährige bedeutet das jeden Morgen eine Stunde reine Fahrzeit – wenn es gut läuft, Verkehr und Wetter mitspielen. Nach der Arbeit das gleiche Spiel nur in die andere Richtung. „Jeden Tag bin ich somit zwei Stunden unterwegs, um mein Kind in die Kita zu bringen beziehungsweise abzuholen und selbst auf Arbeit zu fahren und wieder zurück“, erklärt Isabell Neubauer. Spitzenwert bisher: Eine Stunde und zwanzig Minuten von zuhause über die Kita auf Arbeit.

Dabei könnte sich die junge Familie eigentlich glücklich schätzen. Denn immerhin haben sie einen der begehrten Kita-Plätze ergattert – wenn auch nur aufgrund einer erfolgreichen Klage. „Bis zum 15. Januar brauchten wir den Kita-Platz für Pauline. Erst vier Tage vorher haben wir schließlich das Angebot der Stadt bekommen“, erklärt Mike Neubauer. Über die ungünstige Lage musste die Familie hinweg sehen, denn es gab keine Alternative. „Ich bin neu in einen Job gestartet, da hätte ich nicht kurzfristig noch weitere Monate Elternzeit dranhängen können“, ergänzt die junge Mutter. Die Familie beißt in den sauren Apfel. Seit dem 1. Februar besucht die kleine Pauline nun die Kindertagesstätte in Neulindenau.

Längere Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Doch schnell wird klar: Die täglichen Fahrtwege zerren an den Nerven. „Nicht nur ich bin gestresst, sondern auch meine Tochter.“ Eigentlich nutzt die Familie die öffentlichen Verkehrsmittel. Doch dann wären die Strecken noch weiter, die Fahrtzeit noch länger. Isabell Neubauer weicht auf das Auto aus. Notgedrungen. „Damit stellt sich die Stadt doch selbst ein Bein. Sie wollen den Verkehr in der Stadt eindämmen, schicken ihre Familien aber jeden Tag auf eine lange Reise“, ärgert sich die 28-Jährige.

Weil es so nicht weitergehen kann, wird die Familie aktiv. „Wir haben 13 Kindertagesstätten angeschrieben, um nachzufragen, ob es wechselwillige Familien gibt.“ Isabell Neubauer ist sich sicher: „Wir sind mit Sicherheit nicht die Einzigen. Vielleicht geht es einer anderen Familie ja auch so.“

Portal für wechselwillige Familien

Ein Portal oder eine Anlaufstelle, wo sich genau solche Familien hinwenden können, gibt es offiziell in Leipzig. Doch an der Kommunikation und Umsetzung hapert es. Auf dem stadteigenen Portal www.meinkitaplatz-leipzig.de kann man den Wechselwunsch angeben. Doch andere Eltern bekommen davon nichts mit. Lediglich die Kita wird informiert. Dort endet der Vorgang meistens. „Was es braucht, ist eine Anlaufstelle, wo sich Eltern untereinander austauschen können“, betont Isabell Neubauer. „Zum Teil bieten Eltern auf eBay-Kleinanzeigen ihren Kita-Platz an. Das kann doch keine Lösung sein.“

Die Neubauers hoffen, dass eine andere betroffene Familie aufmerksam wird. Eine, die ebenfalls lange Wege auf sich nehmen muss. „Am liebsten wäre uns eine Einrichtung in Reudnitz oder in Richtung Zentrum.“

Umzug ist keine Alternative

Als Alternative kommt nur eine Tagesmutter in Frage. Einige haben sie sich schon angesehen. „Das wäre aber wieder nur eine Lösung von eineinhalb Jahren. Dann geht die Suche nach einem Kindergartenplatz von vorn los“, sagt Isabell Neubauer. Sogar über einen Umzug hat die Familie bereits nachgedacht. „Das kann doch aber auch nicht sein, dass wir umziehen müssen, um in die Nähe einer Kita zu kommen.“

Gibt es Familien in Leipzig, denen es ähnlich geht und für die ein Tausch mit den Neubauers in Frage kommen könnte? Isabell Neubauer würde sich über eine Kontaktaufnahme per E-Mail unter isabell.neubauer@gmx.de freuen. „Vielleicht lässt sich so das alltägliche Leben von zwei Familien entspannter gestalten“, hofft die 28-Jährige.

Von Stephanie Helm

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