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Pfarrer Christian Führer: Mahner für Demokratie und Menschlichkeit

Pfarrer Christian Führer: Mahner für Demokratie und Menschlichkeit

Pfarrer Christian Führer gilt wie kaum ein anderer als eine Symbolfigur für die Leipziger Montagsdemonstrationen, die schließlich entscheidend mit zum Zusammenbruch der DDR geführt hatten.

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"Offen für alle": Pfarrer Christian Führer vor seiner Nikolaikirche.

Quelle: dpa

Leipzig. Der Mann mit Bürstenschnitt, Jeansweste und dem verschmitzten Blick war kein Mann lauter Töne. Aber beharrlich setzte er sich für ein demokratisches Miteinander ein. Er gehörte, ähnlich wie der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer oder der Berliner Rainer Eppelmann zu jenen Kirchenleuten, die sich in der DDR mit viel Mut für Freiheit, Demokratie und Frieden engagierten.

Die Nikolaikirche wurde Ausgangspunkt der legendären Leipziger Montagsdemonstrationen. Nach dem montäglichen Friedensgebet versammelten sich die Menschen, um zu demonstrieren. Am 9. Oktober 1989 gingen in der Leipziger Innenstadt etwa 70.000 Menschen auf die Straße – ihr Ruf: „Wir sind das Volk“. Führer gehörte zu denen, die sich an die Spitze stellten und immer wieder zu Gewaltlosigkeit aufriefen. „Der Erfolg der friedlichen Revolution ist überwältigend. Alles was auf den Transparenten gefordert wurde, ist erfüllt“, hatte Führer einmal in einem Interview gesagt.

Nach dem Fall der Mauer zog er sich nicht allein auf sein Kirchenamt zurück. Er blieb in Leipzig aktiv. Als beispielsweise im Jahr 2006 im Irak zwei Monteure entführt wurden, erinnerte er in den Friedensgebeten an deren Schicksal. Es gab Mahnwachen, an denen Hunderte Leipziger teilnahmen, und ein glückliches Ende.

2008 ging Pfarrer Führer in Rente, aber nicht in den Ruhestand. 20 Jahre nach dem Mauerfall gründete er zusammen mit anderen Kirchenleuten und Friedensaktivisten die Stiftung „Friedliche Revolution“, deren Ziel es ist, die Erfahrungen und Werte aus dem Herbst 1989 ins Heute zu tragen.

Zu den vielen, die den Stafettenstab aufgenommen haben, gehört der Frontmann der Gruppe „Die Prinzen“, Sebastian Krumbiegel. Er engagiert sich an vorderster Front gegen Rechtsextremismus und rechte Gewalt. Über Führer sagt er, „ich habe ihn als politisch und menschlich wachen Menschen geschätzt.“ Es sei nicht richtig, Führer auf die friedliche Revolution zu reduzieren, er sei auch danach für Veränderungen eingetreten. „Nicht nur wir Leipziger haben ihm viel zu verdanken.“

Mit seiner Kritik am Kapitalismus hielt Führer nicht hinter dem Berg. Das derzeitige Wirtschaftssystem sei nicht zukunftsfähig. Es schüre die Gier und die Jagd nach immer mehr und bringe die Menschen an den Rand des Abgrunds, hatte der evangelische Theologe wiederholt beklagt. Nach seinen Vorstellungen müssten Mitmenschlichkeit, Glaube, Liebe und Hoffnung die Leitgedanken werden.

dpa

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