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Lokales Pflastersteine und mit Scherben gefüllte Schneebälle
Leipzig Lokales Pflastersteine und mit Scherben gefüllte Schneebälle
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23:13 07.01.2010
Quelle: André Kempner

Das berichteten jetzt erstmals Augenzeugen der Krawallnacht gegenüber der LVZ. Sie widerlegen damit Äußerungen des Linkspolitikers André Berg. Der Stadtbezirksvorsitzende der Linken im Leipziger Süden hatte der Polizei vorgeworfen, durch brutales Vorgehen erst die Krawalle ausgelöst zu haben (die LVZ berichete).

Einer derer, die das Geschehen hautnah miterlebten, war Horst Dvoracek, der Leiter des Rewe-Marktes am Connewitzer Kreuz. "Ich bin seit fünf Jahren hier Marktleiter", sagt er, "doch so etwas habe ich noch nicht erlebt." Selbst vor zwei Jahren, als es schon einmal eine solche Schneeballschlacht auf dem Kreuz gab, sei es nicht so aggressiv zugegangen.

Bis 22 Uhr hatte sein Supermarkt am Sonnabend geöffnet. Gegen 21.30 Uhr hätten sich von den 200 jungen Leuten, die sich auf dem Kreuz mit Schneebällen bewarfen, zwischen 30 bis 40 Vermummte abgesetzt. Sie rannten die Karl-Liebknecht-Straße runter, direkt auf den Einkaufsmarkt zu, in dem sich zu der Zeit noch acht Verkäuferinnen und 50 bis 60 Kunden befanden. "Sie warfen mit Pflastersteinen, Flaschen und mit Glasscherben gefüllten Schneebällen auf den Markt", berichtet er. Dabei gingen drei große Schaufensterscheiben im Eingangsbereich zu Bruch, die letzte wurde erst gestern ausgewechselt.

Ein Sicherheitsangestellter, der nach den Worten von Dvoracek eigentlich engagiert wurde, um zu verhindern, dass Kunden von "aggressiven Bettlern" und Betrunkenen belästigt werden, soll mit einem Aufsteller verhindert haben, dass die gefährlichen Wurfgeschosse weiter in den Markt hinein flogen und dort Menschen verletzen. Es sollen dabei die Worte "Ihr Bullenfreunde, wir machen euch fertig" gefallen sein. Eine Anspielung möglicherweise darauf, dass in der Silvesternacht Objektschützer, die der Marktleiter geordert hatte, mit Polizeibeamten sprachen. Eine weitere Augenzeugin berichtete, wie ein Feuerwerkskörper im Eingangsbereich zündete. "Es war mit einem Mal alles vernebelt, man konnte nichts mehr sehen und wusste nicht, was noch kommt. Ich hatte wirklich Angst", sagt sie. Eine Verkäuferin wurde von Panik erfasst: "Ich hatte Muffensausen und bin nach hinten in den Aufenthaltsraum abgehauen."

"Ich habe die Verantwortung für meine Mitarbeiter und Kunden. Ich erwarte, dass Ordnungsamt und Politik endlich etwas unternehmen. Denn das hat hier nichts mehr mit Tolerenzüben zu tun", so der Marktleiter. "Wir haben es hier mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun", meint er, das gelöst werden müsse. Es könne nicht sein, dass alle die Augen davor verschließen. "Das Ordnungsamt verteilt hier zwar Knöllchen, aber mit Problemen wie diesen oder freilaufenden Hunden, die unsere Kunden belästigen, beschäftigt sie niemand."

Nach zehn Minuten war der Spuk am Sonnabend vorbei. Dann zogen die Randalierer ab. Die mittlerweile alarmierte Polizei traf ein, löste den Pulk auf und nahm die Personalien von fast 70 Personen auf.

Selbst gestern noch hielt die Stadträtin der Linken, Juliane Nagel, an der Provokationsthese ihres Parteifreundes Berg fest. "Einer Schneeballschlacht Randale-Charakter zu unterstellen, entbehrt nicht einer gewissen Absurdität", spottete sie. "Beide Ereignisse - sowohl die politische (gemeint ist eine Demo am 30. Dezember, d. Red.) als auch die unpolitische (Silversternacht am Kreuz, d. Red.) verliefen friedlich, genau wie die Schneeballschlacht am 2. Januar - bis die Polizei mit überzogenen Aktionen auf den Plan trat", so Nagel.

Klaus Staeubert

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