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Lokales Pflegeheim fordert 14.000 Wasserkosten Euro zurück
Leipzig Lokales Pflegeheim fordert 14.000 Wasserkosten Euro zurück
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00:32 19.06.2015
Bei Wasserzählern in Leipzig soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Das Landeseichamt Sachsen-Anhalt hat in einem Zählwerk der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) „Unregelmäßigkeiten“ festgestellt, die Rollensprünge – also unkontrollierte Umdrehungen der Zahlenrolle – ausgelöst haben könnten. Das Pflegeheim Johann Hinrich Wichern aus der Seeburgstraße 11 fordert jetzt 14.000 Euro zu viel bezahltes Wassergeld zurück.

Ausgelöst wurde der Streit im Oktober 2011 durch den Einbau eines größeren Wasserzählers, der dem Pflegeheim jährliche Mehrkosten von rund 1650 Euro verursachte. Die Heimbetreiber schalteten deshalb den Leipziger Rechtsanwalt Ralph Kluttig ein, der den Leipziger Sachverständigen Georg Hofmann zu Rate zog. Beide nahmen nebenbei auch die Verbrauchswerte unter die Lupe und stellten Ungereimtheiten fest: Verbrauchte das Heim im gesamten Jahr 2011 exakt 4542 Kubikmeter Wasser, so waren es im Jahr 2012 bei gleicher Auslastung 7115 Kubikmeter Wasser. Auch im Jahr 2013 war ein deutlich über der Norm liegender Wasserverbrauch registriert worden.

Bei der fachgerechten Überprüfung des Wasserzählers half Kluttig der Leipziger Sachverständige, der bei der Aufklärung von Rollensprüngen schon bundesweit Schlagzeilen gemacht hat. „Bei Rollensprüngen wird im Zählwerk eines Wasserzählers zum Beispiel beim kontrollierten Drehen einer Zahlenrolle die Nachbarrolle einfach mitgezogen“, schildert Hofmann den Fehler. Dies könne unter anderem bei Erschütterungen im Umfeld geschehen, zum Beispiel bei Bauarbeiten. Außerdem könnten Luftblasen in dem mit Wasser gefüllten Zählwerk ein Störfaktor sein, wenn diese vibrieren würden. Seitdem ein Hersteller solcher Zählwerke eingeräumt hat, dass in den Jahren 2010 und 2011 Produktionsfehler auftraten, die zu Rollensprüngen führen können, reagieren in Deutschland immer mehr Wasseranbieter. Die Wasserwerke Arnsberg (NRW) lassen deshalb zum Beispiel auf eigene Kosten 350 Zähler austauschen.

Kluttig und Hofmann ließen in Halle den Zähler des Pflegeheims überprüfen. Im amtlichen Prüfprotokoll heißt es, es seien „Unregelmäßigkeiten beim Zählwerk (Rollenzählwerk) festgestellt“ worden. Die dritte Zahlrolle weise „Prägungs- beziehungsweise Fehlproduktionsspuren auf“. Und „das Axialspiel zwischen dem Rollenzählwerk entspricht nicht den Angaben des Rollenzählwerkherstellers“. Die Möglichkeit „einer unkontrollierten Umdrehung der Zahlrolle (,Rollensprung‘)“ sei „nicht ausgeschlossen“.

Für Rechtsanwalt Kluttig steht fest, dass der exorbitant hohe Wasserverbrauch dem fehlerhaften Zählwerk geschuldet ist. „Die KWL haben Gesprächsbereitschaft signalisiert“, berichtet er. Die erste Gesprächsrunde steht noch aus.

Die KWL wollen sich nicht zu dem Vorgang äußern. „Wir gehen weiterhin nicht von systematischen Unregelmäßigkeiten aus“, erklärte Sprecher Marc Backhaus vom Stadtkonzern LVV. „Bei unnatürlichen Verbräuchen in Einzelfällen sind die KWL mit Kunden im individuellem Gespräch und führen Befundprüfungen durch. Darüber hinaus werden wir Einzelfälle nicht öffentlich kommentieren.“

Der Sachverständige Georg Hofmann glaubt, dass noch viele störanfällige Wasserzähler aus den Jahren 2010 und 2011 installiert sind. Die Prüfungen durch staatlich anerkannte Prüfstellen seien nicht hinreichend sicher, sagt er. Denn dabei werde das Hauptaugenmerk auf die messtechnische Prüfung gelegt, das tatsächlich Problem – das Zählwerk – nur visuell begutachtet.

Hofmann empfiehlt deshalb, bei Verdacht auf einen Rollensprung zunächst eine Plausibilitätsprüfung vor Ort am installierten Wasserzähler vorzunehmen. Dabei wird zum Beispiel untersucht, ob der Zähler nur beim Zapfen von Wasser aktiv wird oder es ein Leck in einer Leitung gibt. „Zähler können auch vor Ort von einer staatlich anerkannten Prüfstelle geprüft werden“, betont er. Dies sei in vielen Fällen zu empfehlen.
Andreas Tappert

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