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Lokales Philippuskirche in Lindenau wird komplett saniert
Leipzig Lokales Philippuskirche in Lindenau wird komplett saniert
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00:34 07.05.2018
Ein Teil der Deckenbemalung ist schon fertig: Die Philippuskirche hat nicht nur ein Hotel im alten Pfarrhaus bekommen, sondern wird jetzt auch komplett saniert. Quelle: Foto: Jens Rometsch
Leipzig

Der 3. Mai ist nach altkirchlicher Tradition der Tag des Apostels Philippus, einer der zwölf Jünger Jesu, der auch Namensgeber der Philippuskirche in Lindenau ist. Gestern war der 3. Mai. Und er wurde – mit einer großen Überraschung – zum Freudentag für alle, die sich in den letzten Jahren für eine Wiederbelebung des 1910 geweihten Bauensembles an der Aurelienstraße eingesetzt hatten.

Zweites Pfarrensemble stand nach Vereinigung leer

Bekanntlich reicht die Vereinigung der evangelischen Kirchgemeinden von Lindenau und Plagwitz zurück bis ins Jahr 1999. Bald darauf beschlossen die Mitglieder, ab 2002 die Plagwitzer Heilandskirche samt dortiger Kita zum Mittelpunkt ihrer Gemeindearbeit zu machen. Danach sah es lange Zeit düster aus für das fast verwaiste und stark sanierungsbedürftige Philippusensemble mit seinem 62,50 Meter hohen Kirchturm. Doch 2011 kam neue Hoffnung auf: Mit der aus der Gemeinde geborenen Idee für ein „Projekt Philippus“ sowie dem Engagement des Leipziger Berufsbildungswerks (BBW), das im Folgejahr das Grundstück für einen symbolischen Euro erwarb.

Behinderte und Nichtbehinderte arbeiten gemeinsam

An diese Geschichte erinnerte BBW-Hauptgeschäftsführer Tobias Schmidt gestern – bevor er einen riesigen Holzschlüssel an die neuen Nutzer des früheren Pfarrhauses sowie des angrenzenden Gemeindesaals übergab. Wie berichtet, geht in diesen Bereichen nun Leipzigs erstes Integrationshotel an den Start. 4,5 Millionen Euro hat das BBW in die denkmalgerechte Sanierung und den Umbau gesteckt, wobei sich die Lotterie „Aktion Mensch“ mit 250 000 Euro beteiligte. Die Hotel-Leiterin Marlene Schweiger, der Küchenchef Henri Riedel und Pfarrer Volker Klein übernahmen den Schlüssel und standen dabei zugleich symbolisch für die drei Säulen, die das „Projekt Philippus“ tragen sollen: Beherbergung, Bewirtung, Botschaft. „Diese Besonderheit ist uns am wichtigsten“, sagte Schmidt. Sieben der 15 Mitarbeiter in der BBW-Tochterfirma Philippus Leipzig gGmbH seien Behinderte. Künftig würden sie gemeinsam in dem barrierefreien Garnihotel (nur Frühstück) mit 29 Zimmern für das Wohl der Gäste sorgen, zudem als Cateringdienst die Bewirtung zahlreicher Veranstaltungen auf dem Gelände am Karl-Heine-Kanal, außer Haus und in einer Cafeteria an der Markranstädter Straße übernehmen.

Kirche wird bis zum 3. Mai 2019 komplett saniert

Dass die Botschaftssäule noch weit mehr umfasst, wurde bei anschließenden Führungen durch das Hotel und die nach wie vor geweihte Kirche unterstrichen. Viele Gäste stellten überrascht fest, dass das im Jugendstil errichtete Gotteshaus zu einer riesigen Baustelle geworden ist. „Die Deckenbemalung über der Orgelempore ist bereits fertig saniert“, erklärte Architektin Christiane Domke. Nur zwei kleine Stellen hätten die Restauratoren der Leipziger Fachfirma DPS auf Wunsch des Denkmalschutzes in dem bislang viel dunkleren, weil verschmutzten Farbton belassen. „Ob der Kronleuchter, die über 90 Messinglampen, Elektroanlage, Heizung, Lüftung, Brandschutz oder neue Toiletten in der Etage unter dem Foyer – wir gehen jetzt gleich alle Probleme auf einmal an“, sagte Pfarrer Klein. Dies helfe Kosten zu sparen. Der Löwenanteil der etwa zwei Millionen Euro seien Fördermittel, Spenden, Eigenleistungen der BBW-Gruppe und ehrenamtlicher Unterstützer. „In genau einem Jahr – am 3. Mai 2019 – soll alles geschafft sein. Und die Kirche mit einem Kulturfest für die ganzjährige Veranstaltungsnutzung freigegeben werden.“ Dann ist wieder Philippustag. Trotzdem gebe es auf der Baustelle weiter Andachten und Konzerte, so Klein.

Von Jens Rometsch

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