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Piratin-Stadträtin sammelt Ideen für einen Leipziger Abriss-Atlas

Schlechte Architektur im Visier Piratin-Stadträtin sammelt Ideen für einen Leipziger Abriss-Atlas

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, auch bei Architektur. Bauwerke sollten aber ins Stadtbild passen, findet die Leipziger Piraten-Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann. Investoren scherten sich selten um die öffentliche Meinung. Deshalb fragt Gabelmann die Leipziger jetzt direkt: Was verschandelt die Stadt?

Längst nicht alles in diesem Häusermeer passt zu Leipzig. Piraten-Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann fragt jetzt: Was kann weg

Quelle: LVZ

Leipzig. Ob Bildermuseum, Höfe am Brühl oder die neue Propsteikirche: Immer wieder lösen Bauprojekte leidenschaftliche Architektur-Debatten aus. Was ist schön, was hässlich? Was passt zu Leipzig? Was wird unwiderruflich ein Fremdkörper im Stadtbild bleiben? Am Ende, befindet Ute Elisabeth Gabelmann, setzen sich meist die Investoren durch. Nach Ansicht der Stadträtin der Piratenpartei müsse die Öffentlichkeit bei der Gestaltung der Stadt jedoch viel stärker Gehör finden. Aus diesem Grund startet sie jetzt eine etwas unkonventionelle Aktion mit der virtuellen Abrissbirne. Sie fragt die Leipziger kurz und knapp: Was kann weg?

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des statistischen Landesamtes in Leipzig Baugenehmigungen für 907 Gebäude erteilt. Das Investitionsvolumen dafür beläuft sich auf 437 Millionen Euro. Was dabei herauskommen wird, ahnt Gabelmann schon. Sie sitzt im Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau und damit an der Quelle.„Bauen wird immer uniformer“, stellt sie fest. „Man sieht nur noch glatte Fassaden.“ Dabei würden die Menschen eher verzierte Außenwände mögen. Warum sonst sollten sie so stolz gerade auf ihre Gründerzeithäuser sein?

„Wir steuern auf eine Investorenarchitektur zu, bei der es nicht mehr um die öffentliche Meinung geht“, befürchtet Gabelmann und warnt: „Wir verkaufen damit unser Stadtbild.“ Mit dem Stadtforum haben Bürger, Vereine und Initiativen zwar eine Plattform geschaffen, die sich für einen behutsamen und nachhaltigen Stadtumbau engagiert, von Behörden und politischen Gremien angehört wird und sich in Debatten wie um das Freiheits- und Einheitsdenkmal, die Alte Messe oder die Brühlbebauung aktiv eingeschaltet hat. Das Engagement hat aus Sicht von Gabelmann nur ein entscheidendes Manko: „Das Stadtforum ist nicht verpflichtend.“

In der Bundeshauptstadt brachte vor zwei Jahren eine Gruppe von Architekten und Journalisten den „Abriss-Atlas Berlin“ heraus. In ihrer Abrechnung mit gleichförmiger und konsumgetriebener Architektur listen die Autoren 50 Gebäude auf, auf die Berlin gut und gerne verzichten könne. Sie provozierten damit eine Debatte über Verantwortung und Ästhetik im städtischen Raum. Ähnliches erhofft sich Gabelmann für Leipzig. „Ich bin weder Bauingenieur noch Architekt“, sagt sie über sich. „Ich habe einfach ein Faible und ein Auge für Architektur und Stadtgestaltung.“ Sie sammelt alte Leipziger Ansichten, wünscht sich, dass in der ganzen Stadt Infotafeln mit alten Bildern stehen, damit diese tiefer ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, aber auch der Bauherren rücken.

„Wenn Investoren kein Gefühl für die Stadt haben und hier nur ihre Kohle machen wollen, dann brauchen wir sie in Leipzig nicht“, sagt die Piratin. Bauherren berauschten sich gerne an Architekturpreisen. Aber was sind diese wert, wenn ihre Gebäude die Menschen nicht erreichen und überzeugen?

Den gerade abgeschlossenen Abriss des Telegrafenamtes bedauert Gabelmann. Die Kuben des Geisteswissenschaftlichen Zentrums der Uni findet sie gruselig. „Das tut richtig weh. Da hat früher mal das Gewandhaus gestanden.“ Egal ob es sich um die Entwürfe für die neuen Wohnviertel am Lindenauer Hafen, den künftigen Busterminal am Hauptbahnhof oder die LWB-Zentrale am Wintergartenhochhaus handelt: „Sie sehen sich alle so verflucht ähnlich, sind nicht typisch für die Stadt“, sagt die Stadträtin. Dabei gibt es ihrer Ansicht nach durchaus Beispiele für eine gelungene Symbiose von alter und neuer Bausubstanz. Das Triashaus am Ring etwa. „Formschön, markant, mit hohem Wiedererkennungseffekt“, lobt sie. Ebenso das Ärztezentrum in der Lampestraße und das Dänische Bettenlager, das in einen alten Straßenbahnschuppen in Probstheida integriert wurde: „Das ist gelungen.“

Welches Gebäude verschandelt Leipzig? Aber auch: Was sollte erhalten bleiben? Ihre Vorschläge mit kurzer Begründung können Sie an Ute Elisabeth Gabelmann unter dem Stichwort „Kann weg“ schicken: Neues Rathaus, Geschäftsstelle der SPD-Fraktion, Zimmer 1.06 Martin-Luther-Ring 4-6, 04109 Leipzig. Schneller geht es per Email an: kannweg@piratenlily.net

Von Klaus Staeubert

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