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Lokales Pläne für Asylbewerberheim in Wodanstraße gekippt
Leipzig Lokales Pläne für Asylbewerberheim in Wodanstraße gekippt
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22:57 30.11.2009
Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) Quelle: André Kempner
Leipzig

Doch die Pläne für den Containerbau kurz vor der Autobahn sind nun gekippt.

Auf Anfrage der LVZ bestätigte Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) gestern das Aus für das neue Asylbewerberheim in der Wodanstraße 17a. „Nach dem Ratsbeschluss hatten wir per Ausschreibung einen Betreiber gesucht. Aber die Angebote, die wir im Ergebnis erhielten, waren zu teuer“, sagte er. „Das, was wir in der Wodanstraße umsetzen wollten, lässt sich nicht finanzieren.“ Folglich prüfe die Verwaltung nun, ob das Asylbewerberheim in der Grünauer Liliensteinstraße 15a „so wie bisher“ fortgeführt werden kann. Dort gibt es 109 Plätze. Hingegen bleibe es dabei, dass die Torgauer Straße 290 geschlossen werden müsse, erläuterte Fabian. „Hierfür suchen wir nun nach Alternativen.“ In der Torgauer Straße leben etwa 175 Flüchtlinge.

Bei den Kritikern löste die Neuigkeit große Freude aus. „Endlich ist bewiesen, was wir schon immer gesagt haben: Eine Massenunterkunft ist nicht wirtschaftlicher als eine dezentrale Unterbringung“, erklärte Stadträtin Katharina Krefft (Grüne). Schon aus menschlichen Gründen sei die Wodanstraße als Standort für ein Großheim „untragbar“ gewesen. „Die Lage am äußersten Stadtrand gleich neben der Autobahn spricht nicht für Integration. Die Platzverhältnisse wären sehr beengt gewesen, was zwangsläufig zu Problemen im Alltag führt.“ Gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat wollten sich die Grünen nun für „mehr dezentrale Unterkünfte“ einsetzen. 63 Prozent der 770 Asylbewerber in Leipzig würden bereits in Wohnungen leben – ohne nennenswerte Konflikte mit der Nachbarschaft.

Stadträtin Juliane Nagel (Linke) engagierte sich ebenfalls seit Monaten zu diesem Thema: im Initiativkreis Integration für Asylbewerber. „Unser zentrales Anliegen ist erfüllt – die Unterkunft in der Wodanstraße wird nicht gebaut“, frohlockte sie. Da in Leipzig tausende Wohnungen leer stünden, solle der Stadtrat nun eine Grundsatzentscheidung für dezentrale Unterbringungen fällen. „Dafür suchen wir gerade das Gespräch mit allen Fraktionen. Bei diesem Modell entfallen Sicherheits- und zentrale Betreiberdienste, deshalb würden die Zuwendungen des Freistaates Sachsen auch die Kosten einer Wohnung decken.“ Der Zuschuss des Landes für Verpflegung, Kleidung und Unterkunft betrage lediglich 4500 Euro pro Kopf und Jahr. Die Liliensteinstraße könne übergangsweise erhalten bleiben, so Nagel. Besser wäre, ein neues Heim mit bis zu 100 Plätzen in zentraler Lage zu bauen – vor allem für die neu ankommenden Asylsuchenden.

Auch in der Theklaer Erla-Siedlung, zu der die Wodanstraße gehört, herrschte gestern Erleichterung. „Wir hatten Angst vor Kriminalität“, berichtete Thomas Winkler, der in der Siedlung 340 Unterschriften gegen den Containerbau gesammelt hatte. „Zum Glück ist das Projekt nun vom Tisch.“ Beobachtungen von Anwohnern, die in der Wodanstraße schon Bautrupps gesichtet haben, erklärte Peter Böhmer vom Sozialamt so: „Da wird gerade ein Fußweg hergerichtet. Mit den Plänen für das Asylbewerberheim hatte diese Maßnahme aber nichts zu tun.“

Krefft und Nagel kennen Gerüchte, die alten DDR-Wohnblöcke in der Torgauer Straße 290 müssten aufgegeben werden, weil die Stadt das Gelände an den Internet-Händler Amazon verkaufen wolle. Amazon betreibt in der Nachbarschaft ein Versandzentrum. Fabian und Böhmer verwiesen hierzu auf das Wirtschaftsdezernat. Dort durfte sich aber niemand äußern, da Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) Presseanfragen ausschließlich selbst beantworten will und noch bis nächste Woche im Urlaub weilt.   

Jens Rometsch

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