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Pläne für Leipzigs Nordtangente werden wieder aktuell

WM-Projekt von 2006 Pläne für Leipzigs Nordtangente werden wieder aktuell

Trotz heftigem Gegenwind von Grünen und Öko-Verbänden beschäftigt sich die Stadtverwaltung zunehmend mehr mit dem Gedanken, wieder neue Straßen zu bauen. Der Grund: Die Zahl der Autos in der Stadt wächst ebenso schnell wie die Bevölkerung. Nun rückt auch der Plan einer Nordtangente wieder in den Fokus von Leipzigs Verkehrsplanern.

Für die Nordtangente wurden zahlreiche Varianten untersucht: Mal mit einem Autotunnel unter der Gerberstraße, dann wieder ohne. Mal mit einer Führung durch die vorhandene Berliner Straße, mal auf einer Neubautrasse entlang der Bahnanlagen. Jetzt soll noch einmal neu nachgedacht werden.
 

Quelle: André Kempner, Grafik: Patrik Moye

Leipzig.  Im Rathaus kündigt sich Großes an: Der Bau einer Nordtangente, die die Berliner Straße mit der Uferstraße verbinden soll, rückt wieder in den Fokus von Leipzigs Verkehrsplanern. Sie plädieren jetzt in einer Vorlage für den Stadtrat offiziell dafür, den Bau der neuen Entlastungsstraße zu „betrachten“. Dies soll im Rahmen einer neuen „Mobilitätsstrategie 2030“ erfolgen, die in Grundzügen schon im Rathaus vorliegt, aber noch unter Verschluss gehalten wird. Dem Vernehmen nach gibt es für diese Strategie sechs Szenarien, die unterschiedliche Entwicklungen der Verkehrsinfrastruktur bis 2030 beinhalten. Ursprünglich sollte dieses Papier schon am 25. September die Dienstberatung von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) passieren. Dies wurde aber auf den 17. Oktober verschoben.

Die Nordtangente sollte ursprünglich zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gebaut werden, wurde aber mehrfach verschoben – vor allem wegen der Baukosten, aber auch weil der verkehrliche Nutzen umstritten war. Denn: Die Tangente soll nicht nur die Verbindung von der Emil-Fuchs- über die Ufer- bis zur Berliner Straße deutlich leistungsfähiger machen, sondern auch die angrenzenden Gebiete von Autoströmen entlasten.

Erreicht werden sollte dies durch den Bau einer neuen Straße, die nahe der Kreuzung Erich-Weinert-Straße nach Süden über die Parthe geführt wird und dann am südlichen Flussufer entlang an die Gerberstraße anbinden sollte. Alternativ war vorgesehen, die Kreuzung der Berliner Straße mit der Gerberstraße auf sechs Spuren auszubauen, um das Abbiegen zu erleichtern und so die Räumzeiten der Kreuzung deutlich zu verkürzen. Herzstück dieses alternativen Planes war der Neubau der Brücke, auf der die Gerberstraße über die Parthe führt. Die neue Konstruktion sollte deutlich stärker nach Süden ausgerichtet werden, damit der Verkehr von der Berliner Straße auf die Südseite der Parthe geleitet und von dort über – oder unter – der Gerberstraße direkt zur Uferstraße und von dort weiter in Richtung Emil-Fuchs-Straße geführt werden kann. Erklärtes Ziel der Verkehrsplaner war damals, mit diesem rund 30 Millionen Euro teuren Umbauprojekt das Waldstraßenviertel – und dort insbesondere die innere Jahnallee – vom Verkehr zu entlasten sowie das Sportforum sowie den Zoo besser anzubinden. Aktuell wollen die Verkehrsplaner mit dem Projekt vor allem den stark frequentierten Platz vor dem Hauptbahnhof vom Verkehr entlasten, damit dort der Haltestellenkomplex der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) erweitert werden kann. Wie berichtet, benötigen die LVB dort dringend ein Straßenbahngleis in jede Richtung mehr, um ihr steigendes Fahrgastaufkommen bewältigen zu können. Vor dem Hauptbahnhof ist dies nur auf Kosten von Autospuren möglich und erfordert die Verlagerung möglichst großer Teile des Autoverkehrs auf andere Trassen – zum Beispiel auf die angedachte Nordtangente.

Darüber hinaus ist die Nordtangente Bestandteil des in großen Teilen bereits fertigen sogenannten Leipziger Tangentenvierecks. Dessen Osttangente verläuft von der Theresien- bis zur Prager Straße, die Westtangente über die Marschnerstraße, die Südtangente über die Kurt-Eisner- und Semmelweisstraße. Ziel der Verkehrsplaner ist es, die Masse des Autoverkehrs auf Ringe wie dieses Tangentenviereck zu konzentrieren, dadurch Straßen in Wohngebieten zu entlasten und den Autoverkehr flüssiger zu machen. Neben dem leistungsfähigen Tangentenviereck im Nahbereich der City wurden dafür ein Mittlerer Ring an der äußeren Stadtgrenze und der Autobahnring konzipiert.

Im Rathaus wird betont, dass jetzt auch die übrigen fehlenden Teilstücke des Tangentenvierecks und des Mittleren Rings betrachtet und ihre Fertigstellung öffentlich diskutiert werden sollen – entschieden ist allerdings noch nichts. Die Szenarien für Leipzigs „Mobilitätsstrategie 2030“ untersuchen vor allem den Ausbau des Nahverkehrs auf dem Promenadenring, den Ausbau des innenstadtnahen ÖPNV-Bestandsnetzes, den Neubau von Tangenten, periphere Netzerweiterungen für den Nahverkehr sowie komplexe Straßenbauvorhaben mit Nahverkehrskomponenten. Das für Leipzig passende Szenario soll unter Beteiligung der Öffentlichkeit abgeleitet und im ersten Quartal 2018 durch die Ratsversammlung beschlossen werden, heißt es in der aktuellen Ratsvorlage. Parallel werde bis Ende 2017 der bereits seit Monaten überfällige neue Nahverkehrsplan vorgelegt und öffentlich diskutiert. Beschlossen werden soll dieses Papier im zweiten Quartal 2018.

Die FDP begrüßt die Ankündigung der Verwaltung, den von den Liberalen vorgeschlagenen Bau der Nordtangente zu untersuchen. Die beabsichtigte Verschärfung des Luftreinhalteplans (die LVZ berichtete) zeige, dass die Stadt leistungsfähige Straßen benötige, um den Verkehr darauf zu konzentrieren, so Stadtrat Sven Morlok (FDP). Nur so könnten Wohnviertel mit zu hohen Schadstoffkonzentrationen in der Luft wirksam entlastet werden.

Gleichzeitig greift den Liberalen der Ansatz der Stadtverwaltung zu kurz. Es reiche nicht aus, den notwendigen Bau der Nordtangente im Rahmen der „Mobilitätsstrategie 2030“ zu betrachten, erklärte Morlok. „In den Ratsbeschluss für die Nordtangente müssen konkrete zeitliche Vorgaben für die Stadtverwaltung aufgenommen werden“, fordert er. „Es muss genau festgelegt werden, bis wann die Kostenschätzung für die Nordtangente auf dem Tisch liegen soll. Die jetzt von der Stadtverwaltung gewählte Formulierung klingt, als ob das Projekt in die Zukunft verschoben werden soll.“ Wie berichtet, will die FDP eine zügige Erstellung der Baupläne, weil die Planungsphase erfahrungsgemäß „acht bis zehn Jahre“ dauert und der Verkehr im Gleichklang mit Leipzigs Bevölkerung wächst. „Die LVB kommen spätestens im Jahr 2025 an ihre Kapazitätsgrenze, deshalb müssen wir diese strategischen Beschlüsse jetzt fassen“, sagt Morlok.

Von Andreas Tappert

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