Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Pläne für riesigen Hornbach-Baumarkt in Leipzig stehen
Leipzig Lokales Pläne für riesigen Hornbach-Baumarkt in Leipzig stehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:03 06.07.2018
Der Hornbach-Baumarkt soll hinter dem historischen Säulen-Portal der Messehalle 17 entstehen. Rechts daneben sind ein Gartenfachmarkt (verbunden durch einen gläsernen Übergang) sowie ein Baustoffe-Zentrum samt „Drive In“ geplant. Die Verkaufsflächen betragen insgesamt 15 000 Quadratmeter. Quelle: Entwurf: KuBuS Architekten
Anzeige
Leipzig

Mit 15 000 Quadratmetern Verkaufsflächen dürfte es der größte Bau- und Gartenfachmarkt in Leipzig werden. Die Pläne für den neuen Hornbach auf der Alten Messe sind weitgehend fertig.

5,5 Hektar – immerhin ein Zehntel des ganzen Messeareals – hat der Branchenriese aus Rheinland-Pfalz für sein Vorhaben erworben. Verkäufer ist die stadteigene Entwicklungsgesellschaft LEVG, die dadurch bald schuldenfrei werden dürfte. Allerdings fließt der Kaufpreis erst, wenn Baurecht besteht. Bei einem Bodenrichtwert von 170 Euro pro Quadratmeter dürfte es um etwa neun Millionen Euro gehen. Davon muss man aber noch hohe Beträge abziehen, welche die LEVG zum Herrichten der Flächen aufwenden wird.

Messehalle 21 wird abgerissen

Zunächst sollen die winkelförmige, frühere Messehalle 21 (nahe der Richard-Lehmann-Straße, nach der Wende saß dort lange BMW) und vier Flügel hinter dem denkmalgeschützten „Eventpalast“ (Halle 16) an der Puschstraße abgerissen werden. Einen Teil dieser Flügel nutzt bislang das Straßentheater Titanick – als Werkstatt und Probenräume. Es sucht seit Monaten mit Hilfe der Stadt nach einer neuen Bleibe. Nach LVZ-Informationen ist aktuell ein Umzug nach Wahren im Gespräch, die Entscheidung aber offen.

Herzstück des neuen Bauensembles wird die historische Halle 17: Sie entstand 1920/21 aus Bauteilen von drei Flugzeughallen aus dem Ersten Weltkrieg. Es war die allererste Ausstellungshalle auf dem Areal, die mit dem Ziel errichtet wurde, dort eine Technische Messe anzusiedeln. Zuletzt diente das Gebäude im Jahr 2016 als Notunterkunft für Flüchtlinge.

Zwölf Säulen kennzeichnen das Portal-Gebäude. Es wurde 1937/38 vor die Messehalle 17 gestellt, um nebenan einen Platz für Großveranstaltungen zu schaffen Quelle: Bertram Bölkow

Laut dem nun vorliegenden Entwurf für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan sollen auch große Teile der Halle 17 weichen, bevor sie in einen Baumarkt mit 8000 Quadratmetern Verkaufsfläche verwandelt wird. Bestehen bleiben nur das historische Mittelschiff – genauer gesagt dessen Stahlkonstruktion – und ein 1937/38 hinzugekommenes Säulenportal. Dies erstreckt sich mit seinen 13 Meter hohen Pfeilern über die ganze Hallenbreite von 128 Metern. Architekt Curt Schiemichen hatte das repräsentative Portal einst entworfen, um damit einen nebenan geplanten Platz für Großveranstaltungen einzurahmen. Dieser Platz entstand aber nie.

Riesiger Parkplatz vor historischem Portal

Der spektakuläre Kopfbau ist daher bis heute fast nur von der Ottostraße aus gut zu sehen, die hinter der BMW-Niederlassung entlangführt.

Die Stahlkonstruktion des Mittelschiffes der Halle 17 bleibt erhalten. Sie wird in den Baumarkt integriert. Die Seitenschiffe darf der Investor hingegen abreißen und ersetzen Quelle: Bertram Bölkow

Künftig wird das Portal die Nutzer eines riesigen Parkplatzes begrüßen. Er reicht fast bis zur Richard-Lehmann-Straße, erhält 422 Auto-Stellplätze sowie 51 Rad-Bügel, auch Bäume und Büsche. Die deutlich flacheren Seitenschiffe der Halle 17 hätte der Denkmalschutz ebenfalls gern im Original bewahrt. Ein statisches Gutachten ergab jedoch, dass „die Seitenschiffe die geplanten Lasten für die erforderlichen technischen Anlagen nicht tragen können“, steht in dem Planentwurf. Deshalb sei der Weg für ihren Abriss – und Neubauten in ähnlicher Kubatur an gleicher Stelle – freigemacht worden. Das erinnert an die Geschichte des Porta-Möbelhauses auf der anderen Seite des Geländes: Dort wurde ebenfalls nur ein Portal (der Messehalle 2) erhalten und die Nachbar-Hallen von Architekt Schiemichen durch Neubauten ersetzt.

Neue Straße neben Honda-Autohaus

Östlich des Hornbach-Baumarktes soll ein Gartenfachmarkt auf 5000 Quadratmetern anschließen. Gemäß der Empfehlungen aus dem Leipziger Gestaltungsforum für Architektur wird der Gartenfachmarkt als Neubau kenntlich gemacht, indem er ein Stück vom Baumarkt abgerückt und farblich anders gestaltet wird. Gleiches gilt für den 2000 Quadratmeter großen Baustoffe-Bereich, in den Kunden mit ihren Transportern hineinfahren können („Drive In“). Dieses Gebäude wird etwas vorgerückt. Dadurch sieht das ganze Ensemble aus der Luft wie ein L aus. Als Zufahrt zu dem L wird eine neue Straße gebaut, die einige Meter Höhenunterschied überwindet und östlich des Honda-Autohauses die Richard-Lehmann-Straße erreicht – dort ist eine zusätzliche Ampel-Kreuzung vorgesehen.

An der Ostseite der Halle 17 kommen mit kleinem Abstand ein Gartenfachmarkt und ein Baustoffe-Handel samt „Drive In“ hinzu. Quelle: KuBuS Architekten

6200 Quadratmeter Ausgleichsflächen am Rande der 5,5 Hektar sollen der Blauflügeligen Ödlandschrecke und Blauflügeligen Sandschrecke als neuer Lebensraum dienen. Insgesamt nimmt der Versiegelungsgrad auf dem Areal durch die Umgestaltung um sieben Prozent ab, wird im Planentwurf betont. Das Sortiment des Baumarkts werde teilweise beschränkt, um Einzelhändler in der City zu schützen. So dürfen für „Lampen-Leuchten-Elektro“ oder „Aquaristik-Tierbedarf“ nur je 400 Quadratmeter genutzt werden.

Kein dringender Bedarf für neue Baumärkte

Hornbach gehört mit einem Milliarden-Umsatz zu den größten Baumarkt-Ketten Europas. In Leipzig gibt es schon lange eine Niederlassung an der Dübener Landstraße im Norden. Der neue Standort schließe „eine Versorgungslücke im Raum Mitte/Süd“, schreiben die Planer.

Früher klang das ganz anders. Noch 2012 hatte sich der damalige Baubürgermeister Martin zur Nedden (SPD) gegen Hornbach auf der Alten Messe ausgesprochen und das damit begründet, dass es in Leipzig bereits 13 große Baumärkte mit 115 000 Quadratmetern Verkaufsflächen gebe. Dies liege weit über dem Bundesschnitt, sagte er: „Von einem dringenden Bedarf für zusätzliche Baumärkte kann in Leipzig also keine Rede sein.“

Von Jens Rometsch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Leipziger Immobilien- und Finanzunternehmen Publity AG war 2015 an der Frankfurter Börse höchst erfolgreich gestartet. Neuerdings klingen die Nachrichten nicht mehr ganz so gut. Am 1. August soll sich entscheiden, ob der Geschäftssitz von Leipzig nach Frankfurt/Main verlegt wird.

06.07.2018

Die Deutsche Bahn (DB) investiert in die Sanierung und Modernisierung des halleschen Hauptbahnhofs samt neuem Güterbahnhof bis Ende 2019 rund 750 Millionen Euro. Für eine Überdachung des Bahnsteigs 12/13 hat es jedoch nicht gereicht.

06.07.2018
Lokales 900 Kilometer vom Gardasee bis nach Sachsen - Leipziger radeln für Nierenkranke

Eine Radfahrer-Gruppe um den Leipziger Medizinstudenten Raik Siebenhüner geht am nächsten Sonntag einen sportlich-karitativen Kraftakt an: Für jeden von über 900 Kilometer gefahrenen Kilometer vom Gardasee bis nach Leipzig sammeln sie Spenden, die jungen nierenkranken Patienten zu Gute kommen.

12.07.2018
Anzeige