Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Plagiatsvorwürfe gegen Haller bestätigt: Leipziger Jugendamtsleiter droht Verlust des Doktortitels
Leipzig Lokales Plagiatsvorwürfe gegen Haller bestätigt: Leipziger Jugendamtsleiter droht Verlust des Doktortitels
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:25 20.10.2011
Anzeige

Gutachter der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) sind offenbar zu dem Ergebnis gekommen, dass der promovierte Soziologe bei seiner Dissertation wissenschaftliche Standards grob missachtet hat. Haller hatte die Vorwürfe stets bestritten – nun droht ihm die Aberkennung seines Doktortitels. Aus Uni-Kreisen heißt es, er habe nun „das Heft des Handelns selbst in der Hand“.

An den Jugendamtsleiter ging am Donnerstag ein mehrseitiges Schreiben der MLU. Darin wird er von der Hochschule zu einer offiziellen Stellungnahme zu den strittigen Punkten seiner Arbeit über das Sanierungsgebiet Hemshof in Ludwigshafen aufgefordert. „Herr Dr. Haller hat die Gelegenheit, sich innerhalb der nächsten vier Wochen mündlich oder schriftlich zu äußern“, sagte Uni-Sprecher Carsten Heckmann auf Anfrage von LVZ-Online. Anschließend werde der Promotionsausschuss eine Empfehlung an den Fakultätsrat geben, der dann über mögliche Konsequenzen entscheidet.

Haller erklärte, er werde zu den Kritikpunkten Stellung beziehen. Zunächst allerdings ausschließlich im direkten Kontakt mit der Hochschule. "Erst danach und nachdem der Fakultätsrat eine Entscheidung getroffen hat, möchte ich mich gegenüber der Öffentlichkeit äußern", sagte der Jugendamtsleiter.

Haller hielt sich nicht an wissenschaftliche Zitierregeln

Mehrere Professoren der MLU hatten die 2003 an der philosophischen Fakultät eingereichte und von den damaligen Gutachtern mit „cum laude“ (mit Lob) bewertete Dissertation in den letzten Monaten untersucht. Auslöser waren im Juli laut gewordene, anonyme Vorwürfe gegen den studierten Soziologen. Er soll Passagen seiner Doktorarbeit teilweise aus fremden Schriften kopiert haben, ohne sie hinreichend zu kennzeichnen. Das Ergebnisse der nun erfolgten Plagiatsprüfung ist nach Informationen von LVZ-Online eindeutig: Haller hat abgeschrieben und sich dabei nicht an die erforderlichen Zitierregeln gehalten.

Der Jugendamtsleiter selbst, der sich derzeit auf Dienstreise in Berlin befindet, wollte sich am Donnerstag nicht zu dem Schreiben äußern, da er dieses noch nicht gelesen habe. Nachdem die Anschuldigungen gegen ihn im Sommer auf der Online-Plattform VroniPlag öffentlich wurden, hatte er zwar mögliche Mängel an seiner Arbeit eingeräumt, aber jede Schuld von sich gewiesen. „Ich bin damals nicht aufgeklärt worden, was wissenschaftliche Standards betrifft“, behauptete er.

Universität gibt Haller die Chance, die Vorwürfe zu entkräften

[image:phpjwDum920110725184014.jpg]

Der 56-Jährige hatte unter anderem darauf verwiesen, für seine Arbeit verschiedene Schriften verwendet zu haben, die er während seiner Tätigkeit in der Stadtverwaltung Ludwigshafen von 1983 bis 1994 mit verfasst hatte. Da darin jedoch keine Autoren genannt worden waren, habe er auf eine explizite Kenntlichmachung der Quellen verzichtet. In der Dissertation finden sich jedoch auch nahezu 1:1 übernommene Passagen über mehrere Seiten Länge aus Publikationen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) und anderen externen Quellen, wie VroniPlag enthüllte.

Dass der Jugendamtsleiter mit seiner Stellungnahme die Vorwürfe entkräften kann, ist nicht ausgeschlossen. „Seine Aussagen werden in jedem Fall in die endgültige Bewertung mit einfließen“, sagte Uni-Sprecher Heckmann. Möglich wäre jedoch auch, das Haller seinen Titel freiwillig zurückgibt. Eine Entscheidung über die Aberkennung wird nicht vor November erwartet.

Robert Nößler/chl

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit der Pflanzung einer Krim-Linde hat am Mittwoch in Leipzig die diesjährige Aktion „Baumstarke Stadt“ begonnen. Bis Ende April 2012 sollen dabei mehr als 300 weitere Bäume an Straßen, in öffentlichen Parks und auf kommunalen Friedhöfen gesetzt werden, teilte die Stadtverwaltung mit.

19.10.2011

[gallery:500-1227790579001-LVZ] Leipzig. Männer mit pädophiler Neigung können sich seit Mittwoch in Leipzig medizinisch behandeln lassen. Das Universitätsklinikum eröffnete eine Ambulanz für Patienten mit sexueller Vorliebe für Minderjährige.

17.07.2015

Die Leipziger Tourismus und Marketing GmbH (LTM) warnt gemeinsam mit der Stadt vor einem Schreiben der Firma MF Laris. Wie die Stadt am Mittwoch mitteilte, werde den Bürgern in dem Brief vermittelt, dass sie einen Computer gewonnen hätten und zu einer Stadtrundfahrt eingeladen seien.

19.10.2011
Anzeige