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Plakate und Aufkleber an der HGB-Pforte: Ist das Kunst oder kann das weg?

Leipziger Kunsthochschule Plakate und Aufkleber an der HGB-Pforte: Ist das Kunst oder kann das weg?

Seit mehr als 120 Jahren haben in der Wächterstraße 11 die schönen Künste ein Zuhause. Das denkmalgeschützte Ensemble in prachtvoller Nachbarschaft von Bibliotheca Albertina, Bundesverwaltungsgericht oder Roßbachpalais hat nach Ansicht von Kay Tangermann aber einen Makel.

Der Eingang zur Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Wächterstraße – die beschmierten Türen sorgen gerade für Diskussionen.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig . Seit mehr als 120 Jahren haben in der Wächterstraße 11 die schönen Künste ein Zuhause. Um 1894 wurde der Komplex errichtet, der bis heute seinem ursprünglichen Zweck dient und nun die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) beherbergt. Das denkmalgeschützte Ensemble in prachtvoller Nachbarschaft von Bibliotheca Albertina, Bundesverwaltungsgericht oder Roßbachpalais hat nach Ansicht von Kay Tangermann aber einen Makel.

Der Streitpunkt: „Wer den Eingang der HGB betreten will, ist peinlich berührt. Warum dulden die Damen und Herren des Lehrkörpers diese Verschandelung des denkmalwürdigen Hochschulgebäudes?“, fragte Tangermann, Chef einer Werbeagentur, im August bei den Denkmalschützern im Rathaus an. Statt einer Antwort folgte Schweigen. Am Zustand des Eingangs änderte sich bis heute (fast) nichts: Die riesigen hölzernen Doppeltüren sind innen und außen mit Farben, Buchstaben, Zeichen, Kritzeleien verschmiert. Die Denkmalschutz-Plakette zierte bis vergangene Woche ein respekt- wie würdelose Aufkleber „SCHEISSMAL“. Der ist jetzt aber weg.

Der Bestürzte: Dem Neu-Leipziger Tangermann ist der hässliche Eingang ein Dorn im Auge. Den Hanseaten, der sich in den Studienort seines Sohnes verliebte und vor anderthalb Jahren in Stötteritz eine Jugendstil-Villa kaufte und bezog, schmerzt der respektlose Umgang mit dem altehrwürdigen Gebäude, das er erstmals zur Jahresausstellung der Hochschule betreten hatte. „Ich wohnte kaum in meinem Haus, da schrieb der Denkmalschutz bereits, dass ich jegliche Änderungswünsche sofort anzuzeigen hätte. Gut so“, sagt der 65-Jährige. „Doch bei diesem Anwesen scheint niemanden zu stören, wie es sich präsentiert. Die Stadt reagierte erst nach Wochen auf meine Nachfrage. Passiert war derweil nichts“, empört sich der Ex-Hamburger.

Die Verständnisvollen: Zwei Studenten, die sich an der Pforte auf einen Disput einlassen, ihre Namen aber lieber für sich behalten, können die Aufregung nicht recht teilen. Nein, eine Installation seien Kritzeleien und Aufkleber natürlich nicht, stellt ein Malerei-Student im dritten Studienjahr klar. Und, dem Jenaer gefalle das auch nicht. „Aber es sieht hier schon immer so aus. Das ist leider so, gehört irgendwie dazu. Nicht nur an diesem Haus.“ Eine Kommilitonin ergänzt: Nein, das sei kein Angriff aufs Haus und außerdem nicht tragisch, das habe vielmehr mit Freiheit zu tun, die sich genommen werde. „Es ist eben ein Freiraum, den die Schule bietet und der ausgelebt wird.“ Der Vorschlag, die Schmiererei zu entfernen, stieß bei ihr auf wenig Gegenliebe. „Da müssten doch wohl erst die Studierenden gefragt werden“, konterte die angehende Künstlerin.

Die Nutzer: Grundsätzlich sei ihr Ansprechpartner für die Immobilie der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), der den Freistaat Sachsen als Hauseigentümer vertrete, informierte HGB-Sprecherin Meike Giebeler auf LVZ-Anfrage. „Aber natürlich interessiert uns nicht nur das Leben innerhalb des Hauses, sondern auch das Gebäude an sich. Eine gesamte Abteilung ist hier mit der Haus-Pflege beschäftigt – keine leichte Aufgabe für eine öffentlich zugängliche Institution. Entsprechende Anzeigen liefen ins Leere oder wurden nicht mal mehr aufgenommen, da Tatverdächtige nicht zu ermitteln waren.“ Für die Beseitigung von Tags, Graffiti und ähnlichem sei das SIB verantwortlich, doch fehlten dort die nötigen Gelder. „SIB und Denkmalschutzamt ist dieses Problem bekannt und wir sind gemeinsam an einer Lösung interessiert.“

Die Bewahrer: „Der von Herrn Tangermann aufgezeigte Sachverhalt an der HGB ist dem Denkmalschutz wohlbekannt“, ließ Kathrin Rödiger, amtierende Leiterin des Amtes für Bauordnung und Denkmalpflege, auf die LVZ-Anfrage wissen. Graffitibemalungen und anderweitige Schmierereien seien aber nicht nur ein Thema an der HGB, sondern leider an vielen Orten im Stadtgebiet und stellen insofern ein gesamtgesellschaftliches Problem dar, das weder vom Nutzer noch von der Denkmalbehörde allein gelöst werden könne. „Die Stadt geht mit ihrer Denkmalbehörde auf den Eigentümer und Besitzer zu und versucht, eine nachhaltige Lösung der Problemlage herbeizuführen. Wohl wissend, dass dies auch Eigentümer und Besitzer wollen, Dritte aber darauf keine Rücksicht nehmen. Technisch ist die Aufbringung eines Graffitischutzes denkbar. Löst aber das Problem nicht, erleichtert nur dessen Beseitigung“, hieß es aus dem Rathaus.

Das Treffen: Heute kommen Vertreter des Denkmalschutzes der Stadt, Mitarbeiterinnen vom SIB Bereich Bau und Liegenschaftsverwaltung sowie der Sachgebietsleiter Organisation/Innere Dienste der HGB zum Besichtigungstermin vor Ort.

Von Cornelia Lachmann

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