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Planer: Leipzigs Südvorstadt kann deutlich größer werden

Planer: Leipzigs Südvorstadt kann deutlich größer werden

Die Neubebauung der großen Brachflächen am Bayerischen Bahnhof wird konkret: Im Rathaus ist eine fünfseitige Rahmenvereinbarung fertig, mit der die Stadt Investoren ihre strategischen Entwicklungsziele für das 36 Hektar große Areal vorgibt.

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Die Südvorstadt (rechts) reicht dicht ans ehemalige Gleisvorfeld des Bayerischen Bahnhof (Mitte) heran - weil diese innenstadtnahen Brachflächen nicht mehr von der Bahn benötigt werden, sollen dort neue Wohnungen, Kitas und Schulen entstehen.

Quelle: Armin Kühne

Gebaut werden sollen Wohnungen für rund 10 000 Menschen. Auch mehrere Schulen und Kindertagesstätten sind erwünscht. Damit private Bauträger Planungssicherheit bekommen, soll das Papier auf der Ratsversammlung am 16. Juli beschlossen werden.

Die Rahmenvereinbarung legt fest, dass sich die Stadt die Bebauung der Fläche zwischen Portikus und der Richard-Lehmann-Straße als "Erweiterung der Südvorstadt" vorstellt. Damit sich das neue Areal optimal einfügt, wurde es in mehrere Teilgebiete zerlegt. Priorität soll zunächst die Fläche am Portikus haben.

Rund um den Portikus (A)

Architekten sollen dort die Bebauung des alten Bahnhofsensembles aufgreifen und sie als städtebauliche Kubatur wiederherstellen - abgestimmt auf die heutigen Gebäudeformen und -höhen am Bayrischen Platz. Neben Wohnhäusern sei auch Einzelhandel denkbar, heißt es. Der Durchgang durch den Portikus müsse aber für jedermann möglich bleiben.

Die alten Lagergebäude und Brachen an der östlichen Seite der Kohlenstraße sollen mehrgeschossigen Wohnhäusern und Stadtvillen weichen - letztere sollen einzeilig an einem neuen Stadtpark angeordnet werden. Der Nord-Kopf dieser Teilfläche eigne sich ideal als Auftakt-Projekt für die Gesamtbebauung, heißt es. Integriert und zeitnah umgesetzt werden könne dort auch der Bau einer neuen Kindertagesstätte.

Neben der Distillery (B)

Als hochwertigste Teilfläche des Großprojekts gilt aber das Areal zwischen der Lößniger Straße und dem neu entstandenen Bahn-Trog. Erschlossen wird dieses Gebiet durch eine Zufahrt an der Kurt-Eisner-Straße, die bereits beim Bau der Semmelweisbrücke angelegt wurde. Der an der Kurt-Eisner-Straße 108 ansässige Techno-Club Distillery soll erhalten werden, aber ringsum sind zahlreiche neue Wohnungen sowie eine Grundschule und ein 600 Quadratmeter großer Lebensmittelladen geplant - letzterer möglichst dicht an der S-Bahn-Station "MDR". Südlich der Kurt-Eisner-Straße sind ebenfalls neue Häuser vorgesehen - wegen der markanten Lage an der Semmelweisbrücke und am S-Bahn-Haltepunkt können sich die Planer dort ein Hochhaus vorstellen.

Media City wächst (C)

Der Erweiterung der Media City vorbehalten bleiben soll die Fläche zwischen der Media City im Westen und dem Bahn-Trog im Osten. In Verlängerung der Steinstraße soll ein neuer Rad-/Fußweg entstehen und so die Media City und den MDR direkt mit dem S-Bahn-Haltepunkt "MDR" verbinden. Dadurch entstehe auch eine attraktive Verbindung für Fußgänger und Radfahrer aus der Südvorstadt in Richtung Alte Messe, heißt es. Die dafür notwendige Brücke könne eventuell mit Fördergeldern für den Nahverkehr errichtet werden.

Schulen am Dösner Weg (D)

Am Dösner Weg sollen eine neue Oberschule und ein weiteres Gymnasium entstehen. Der benachbarte S-Bahn-Haltepunkt "MDR" mache sie für ein großes Einzugsgebiet interessant, heißt es. Die Grünfläche zwischen dem Kohlrabizirkus und dem Sportplatz soll einbezogen und bei Bedarf südlich der Tarostraße eine weitere Kindertagesstätte errichtet werden. Den denkmalgeschützten Lokschuppen wollen die Planer erhalten und in den neuen Schulstandort integrieren. Vor allem Wohnungen sind auf dem schmalen Areal zwischen dem Reclam-Gymnasium und dem Bahn-Trog vorgesehen.

"Die Schulstandorte werden sicher nicht von heute auf morgen entstehen", meint Reinhard Wölpert vom Stadtplanungsamt. "Aber spätestens in fünf, sechs Jahren wird der Bedarf dafür vorhanden sein."

Das riesige Bauareal lockt schon private Investoren an. Einige Teilflächen hat sich die BBH Entwicklungs GmbH gesichert - eine Tochter der privaten Leipziger Stadtbau AG. Sie will auch die Kita an der Kohlenstraße so schnell wie möglich bauen.

Neuer Radschnellweg (E)

Zentrales Element der Rahmenvereinbarung ist auch ein in der Nord-Süd-Achse über das Areal verlaufender Hauptweg, der zu einem Radschnellweg von der Innenstadt in den Leipziger Südraum ausgebaut werden soll. "Kein weiteres Areal innerhalb der Stadt bietet bessere Potenziale, um mitten in der Stadt effektiv neue, barrierearme Wege dieser Art abseits des Straßenverkehrs zu schaffen", schreiben die Planer in ihrem Papier. Auch die neue Station des City-Tunnels soll für den neuen Stadtteil und die Bewohner in der Nachbarschaft besser erreichbar werden: Weil es bislang nur Wege aus Richtung der Straße des 18. Oktober gibt, wurde auf Drängen der Stadt eine zusätzliche Anbindung der Tunnelstation aus Richtung Kohlenstraße durchgesetzt. Dafür laufen zurzeit bereits die letzten Abstimmungsrunden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.07.2014

Andreas Tappert

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