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Platz im Leipziger Tierheim wird knapp: Wohin mit den Boas?

Riesenschlangen Platz im Leipziger Tierheim wird knapp: Wohin mit den Boas?

Das Leipziger Tierheim hat ein Reptilienproblem – und es wächst, im wahrsten Sinne des Wortes: 17 junge Boas, die das Tierheim alle auf einmal im Spätsommer bekam, werden immer größer, der Platz reicht nicht. Der deutsche Tierschutzbund hat Hilfe zugesagt, doch das gestaltet sich schwierig.

Wohin mit 17 jungen Boa Constrictor Imperator? (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Wohin mit 17 jungen Boa Constrictor Imperator? Diese Frage stellt sich Leipzigs Tierheimchef Michael Sperlich seit dem Spätsommer täglich. Vor einem halben Jahr bekam das Leipziger Tierheim mit einem Mal die 18 jungen Schlangen und das Muttertier. Eines der Jungen starb wenig später, die verbleibenden Reptilien wachsen seitdem und das „beängstigend schnell“, so Sperlich.

Mittlerweile sind die Schlangen zwischen 70 und 75 Zentimetern lang. So groß, dass sie eigentlich nicht mehr zusammen in einem großen Terrarium gehalten werden können, sondern einzeln untergebracht werden müssten. Doch das Leipziger Reptilenproblem ist vor allem ein Platzproblem. „Den gesamten Sonntag habe ich damit verbracht, Räume und Pläne auszumessen“, so der Tierheimchef. Das Ergebnis: 10 neue Terrarien sind bestellt und unterwegs. Doch bis die ankommen, werden wohl noch vier Wochen vergehen.

Deutscher Tierschutzbund will helfen

Dabei ist es gerade jetzt so wichtig, die Schlangen schnell zu trennen. Der Deutsche Tierschutzbund hat seine Hilfe angeboten, nicht nur in dringend benötigter finanzieller Art, sondern vor allem auch darin, einige Schlangen zu übernehmen. In Weidefeld in Schleswig-Holstein betreibt der Deutsche Tierschutzbund eine Reptilienstation. Dorthin könnten die Boas abgegeben werden, wenn sie denn gesund sind.

Doch darin liegt das große Problem: Solange die Tiere gemeinsam in einem Terrarium leben, können nur Gruppentests auf Viren durchgeführt werden, jedoch keine Einzeltests. Und in der Gruppe fielen einige Tests positiv aus. Nur welche und wie viele Tiere betroffen sind, ist nicht klar. Erst, wenn die Tiere einzeln untergebracht und einzeln getestet werden können, gibt es Gewissheit, welche Tiere nach Schleswig-Holstein gehen können.

Verschiedene Standards verkomplizieren die Tests

Nicht nur die Unterbringung steht dem Verlegen der Tiere noch im Weg. Auch unterschiedliche Tests auf verschiedene Viren verkomplizieren die Lage. So ist es der Reptilienstation in Weidefeld wichtig, dass die Schlangen frei von Nidoviren sind. Ein Virus, das erst seit vergangenem Jahr identifiziert werden kann und bisher nicht auf der Test-Liste des Tierheims und der Reptilienklinik der Universität, wo die Tiere behandelt werden, stand. Der Virus steht in Verdacht, tödlich verlaufende Lungenentzündungen bei Boas auslösen zu können.

„Es ist natürlich wichtig, dass andere Tiere nicht in Gefahr gebracht werden“, so Michael Sperlich, „wir wollen unsere Schlangen nicht um jeden Preis loswerden.“ Dennoch: Die neuen Anforderungen fordern neue Tests. „Die Schlangen sind da natürlich auch nicht so erpicht drauf, sich so ein Stäbchen in den Rachen schieben zu lassen, für einen Abstrich“, klagt Sperlich.

Tiere sind trotzdem vermittelbar

Und wie geht es weiter? Wenn die Tests abgeschlossen sind, hofft der Leipziger Tierheimchef, dass der Deutsche Tierschutzbund seine Zusage einhält und die Viren-freien Tiere aufnimmt. „Noch besser wäre es natürlich, wenn auch Schlangen mit Viren übernommen würden“, sagt Sperlich. Denn viele Schlangen würden Erreger in sich tragen, doch was genau diese im Einzelnen ausmachen würden, sei gar nicht immer klar. So hätten viele Tiere bestimmte Viren, doch wenn es nicht so einer Mutation komme, seien diese harmlos, so Sperlich weiter.

Deswegen betont er: Die Tiere können trotzdem vermittelt werden – wenn sich nur jemand findet, der sie haben will. Auch bei anderen Exoten hat das Tierheim regelmäßig Vermittlungsprobleme. Da ist der Tierheimchef froh, dass wenigstens die 16 Landschildkröten zurzeit im Kühlschrank überwintern. Das werde dann erst wieder im Frühjahr eine Herausforderung. Eine Erfolgsmeldung hat er dann aber doch: Nach viereinhalb Jahren konnte er endlich das Ara-Paar vermitteln.

Paula Drope

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