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Platzmangel in Leipziger Kitas: Tagesmutter mehr als eine Notlösung

Platzmangel in Leipziger Kitas: Tagesmutter mehr als eine Notlösung

Wo kein Kita-Platz zu haben ist, kann sie die Alternative sein: die Tagesmutter. Rund 570 solcher Betreuungsformen gibt es (darunter auch manch Tagesvater) an der Pleiße.

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Hängen an ihrer "Lolita" (von links): Linus, Martha, Philipp und sein kleiner Bruder Lulu sowie Sophie.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ein Abstecher zu Lolita Mai in den Marienbrunner Triftweg, in ihre Kinderstube "Krümelchen", legt nahe - die schlechteste Lösung ist das nicht.

Marienbrunn früh um Neune: Alle Kinder an Bord. Die ersten seit 7 Uhr. Inzwischen ist ein obstreiches Frühstück verdrückt. Jetzt wuselt's im wohltemperierten Spielzimmer. Martha und Sophie haben ihre liebe Not mit Puppenbaby Susi. Philipp wuchtet das große Feuerwehrauto und warnt: "Das ist laut!". Sein Bruder Ludwig, genannt Lulu - er fand bereits mit acht Wochen bei Mai Aufnahme und ist mit nunmehr sieben Monaten ihr jüngster Zögling - hatte noch eine Mütze Schlaf genommen, "kräht" nun aus dem benachbarten Schlafraum. Nur Linus, der Fünfte im Bunde, macht einen auf Typ "ruhiger Beamter" und studiert zurückgezogen ein Bilderbuch. Noch ein halbes Stündchen, dann werden alle wetterfest angezogen und draußen im Hinterhof, im dortigen "Krümelchen-Garten", mit ihrer "Lolita" eine (Frischluft-)Runde Ball spielen. Die 49-Jährige ist ein bisschen stolz: "Unser Krankenstand liegt bei Null!", erzählt die staatlich anerkannte Erzieherin, die viele Jahre im Krippenbereich tätig war, ehe sie sich 2007 unter den Fittichen des Jugendamtes als Tagesmutter niederließ.

Die Eltern ihrer aktuellen Rasselbande - zwischen sieben und 33 Monate alt - kommen jeden Morgen aus dem Waldstraßenviertel, aus Stötteritz, der Südvorstadt und Schönefeld zu ihr. Mais Einrichtung kommt wie ein Kindergarten im Kleinen daher. Ausgelegt eben nur für fünf Steppkes und von daher auch ziemlich familiär. Es wird gespielt, gemalt, gebastelt; mit viel pädagogischem Geschick von "Lolita" erzogen und gefördert. Bilder im Flur erzählen von Weihnachtsfeiern, Faschingsfesten und Sommerpartys. Teils mit Eltern und Großeltern. Zweimal im Jahr ist Elternabend. Die Tagesmutti selbst fährt auch mal zur Weiterbildung. "Eigentlich alles ganz adäquat wie in einer Kita", sagt Mai. "Sicher, ein jeder muss selbst entscheiden, welche Betreuungsform für sein Kind am besten ist und jede Tagesmutter macht es gewiss auch etwas anders. Doch Unterschiede gibt es auch zwischen Kindertagesstätten."

Bei ihr jedenfalls übersteigt die Nachfrage das Platzangebot. Und wenn neulich medial verbreitet wurde, die Tagespflege ende mit dem vollendeten 3. Lebensjahr, dann sei die Kita angesagt, möchte sie gern korrigieren: "Ich habe Kinder schon öfter länger behalten, weil die Eltern im Anschluss einfach keinen Kita-Platz hatten. Das widerspricht auch weder dem sächsischen Kita-Gesetz, noch fehlt bei weitem nicht allen Tagesmüttern die entsprechende Ausbildung. Als staatlich anerkannte Erzieherin - wie es viele Tagesmütter sind - ist man für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ausgebildet."

Wichtig ist ihr auch noch anzumerken, dass solch eine Verlängerung der Betreuungszeit "nur auf Wunsch der Eltern zustande kommt und nicht auf Bitten oder gar Verlangen des Jugendamtes". "Die ersten von mir in der Tagespflege betreuten Mädchen und Jungen sind bereits eingeschult und teils noch vorhandene Kontakte zeigen mir, dass sie trotz Tagespflege über das dritte Lebensjahr hinaus den Schulanforderungen voll gerecht werden", so Mai. Nicht zuletzt sei auch in den Kitas nicht immer ein "altersgerechter" Übergang vom Krippen- in den Kindergartenbereich gegeben.

Mit den Eltern schließt sie übrigens einen Vertrag, der die Betreuung regelt. Die Knirpse werden um 16 Uhr im "Krümelchen" abgeholt. Die kleine Martha bleibt eine Stunde länger, weil Mama und Papa beruflich sehr eingespannt sind. "Anfangs hatten wir uns einen Kita-Platz gewünscht", sagt Marthas Vater Getu Abraham, der an der Uni als Veterinärmediziner arbeitet. "Aber dann wurden wir vom Verbund kommunaler Kinder- und Jugendhilfe an Frau Mai vermittelt, und sind jetzt darüber sehr glücklich! Die Chemie stimmt, und fachlich ist sie ja wirklich sehr kompetent."

Etwaige Zusatzkosten kommen - zumindest bei der von der Stadt verpflichteten - Tagespflege auf Eltern übrigens nicht zu, erklärt Mai. "Sie zahlen die übliche Kita-Gebühr ans Jugendamt, das wiederum bezahlt mich." Die Zusammenarbeit mit dem Tagespflegemanagement des Verbandes empfindet sie als "äußerst positiv". "Die Kommunikation klappt sehr gut. Bei fachlichen Fragen erhält man da nicht zuletzt jederzeit Unterstützung!"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.02.2014

Angelika Raulien

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