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Lokales „Pleiße so niedrig wie seit 25 Jahren nicht“
Leipzig Lokales „Pleiße so niedrig wie seit 25 Jahren nicht“
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22:00 24.07.2018
Im Pleißemühlgraben vorm Bundesverwaltungsgericht wird das Wasser knapp.
Leipzig

Die Dürre trocknet nicht nur die Felder und Wiesen aus. Auch Leipzigs Flüsse leiden, die Pleiße besonders. Die Talsperrenmeisterei befürchtet inzwischen gar ein Fischsterben, auch der Pleißemühlgraben in der Stadt könne trocken fallen und zu stinken beginnen.

„Wir haben einfach kein Wasser mehr zum Steuern“, erklärt Axel Bobbe von der für Leipzig zuständigen Talsperrenmeisterei Elbaue, Mulde, Untere Weiße Elster. Sie betreibt den Gewässerknoten Leipzig mit seinen vielfältigen Flussarmen, Mühlgräben und Wehren. Seit Mai sei die Pleiße vom Speicherbecken Borna aus mit 0,5 Kubikmetern pro Sekunde gestützt worden. In bisherigen Sommern hätten die drei Millionen Kubikmeter Stauraum dort auch genügt, um einen Mindestfluss von zwei Kubikmetern pro Sekunde auf der Pleiße in Leipzig zu halten. „Aber jetzt ist der Stauraum so gut wie leer“, erklärt Bobbe. Aus der Talsperre Schömbach an der Landesgrenze zu Thüringen seien in den letzten Wochen über die Wyhra ebenfalls Wassermassen in die Pleiße geleitet worden. „Damit ist es nun auch zu Ende“, weiß Bobbe. Ergebnis: Am Pegel Böhlen wurde gestern die Pleiße mit nur noch 1,7 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. „Das ist so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr“, erläutert Bobbe die Zahl. Normal seien 6,8 Kubikmeter, selbst bei Niedrigwasser habe es im Schnitt immer noch drei Kubikmeter pro Sekunde gegeben.

Zwei Kubikmeter pro Sekunde für Schleuse nötig

Problem daran: Ein Durchfluss von zwei Kubikmetern werde benötigt, um das Connewitzer Wehr betreiben zu können, erklärt er. Dort regelt ein mit Wasser gefüllter Schlauch die Menge Wasser, die über das Wehr nach Leipzig abfließt. Das Material sei aber nicht uv-beständig, müsse unter Wasser geschützt liegen, weswegen beim Bau auf den Mindestdurchfluss gedrängt worden sei, erinnert er sich.

Im Pleißemühlgraben vorm Bundesverwaltungsgericht wird das Wasser knapp. Quelle: Andre Kempner

In Leipzig hatte das Amt für Stadtgrün und Gewässer bereits am Montag verfügt, die Schleuse Cospuden wegen des Niedrigwassers bis auf Weiteres außer Betrieb zu nehmen. Von Hand könnten die Boote aber weiter umgetragen werden, erläutert Angela Zabojnik von der Stadt. Der Floßgraben sei noch schiffbar.

Sauerstoffgehalt im Fluss sinkt

Wegen des Niedrigwassers sei die Strömungsgeschwindigkeit langsam, das flache Wasser erwärme sich, der Sauerstoffgehalt könne sich extrem verringern, erläutert Wasserexperte Bobbe die Folgen. „Wir laufen Gefahr, dass ein Fischsterben einsetzt“, meint er. „Das ist nicht utopisch.“ Ebenfalls könne der Pleißemühlgraben, dessen Wasser vor dem Wehr Connewitz abgezweigt wird, flach fallen. Aktuell werde der noch mit 200 Litern pro Sekunde gespeist, üblich seien sonst 1000 bis 1500 Liter je Sekunde. Wenn das geschehe, werde das vom Geruch her aber Folgen für die ganze Stadt haben, befürchtet Bobbe. Der Graben ist stark bewachsen.

Zum Teil ist die aktuelle Wasserknappheit in Leipzig mit seinen vielen Seen rundherum auch hausgemacht. „Wir hatten gehofft, Wasser aus dem Cospudener See zuspeißen zu können“, sagt der Talsperrenleiter. Der See wird aber von den Bergbausanierern der LMBV geregelt. Und die waren 2016 einer Aufforderung der Landesdirektion gefolgt und hatten im Frühsommer 20 Zentimeter Wasser abfließen lassen. Der Pegel bewege sich seitdem im unteren Bereich, von dort sei nichts zu erwarten, so Bobbe. Auch am Zwenkauer See hätten die Hafenbetreiber schon über einen zu niedrigen Wasserstand geklagt. „Bleiben noch der Störmthaler und der Markkleeberger See, die auch beide genug Wasser hätten“, so Bobbe. Aber im freien Gefälle könne das nicht abgelassen werden, es müsse am Auslass von der LMBV in die Kleine Pleiße gepumpt werden, was Kosten verursache, erklärt er das Dilemma.

Von Jörg ter Vehn

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