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Podiumsdiskussion: Zwei Jahre nach Hooligan-Überfall auf Connewitz

Aufarbeitung in Leipzig Podiumsdiskussion: Zwei Jahre nach Hooligan-Überfall auf Connewitz

Am 11. Januar jährt sich der Überfall von Hooligans und Rechtsextremen auf Connewitz zum zweiten Mal. In 208 Fällen laufen noch Ermittlungen. Eine Podiumsdiskussion beleuchtet, welche Folgen die haarsträubende Nacht für den Stadtteil hat.

Die Polizei setzte nach dem Überfall auf den Leipziger Stadtteil Connewitz am 11. Januar 2016 mehr als 200 Randalierer fest.
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  215 Rechtsextreme und Hooligans zogen eine Spur der Verwüstung durch Connewitz, versetzten Anwohner in Angst und Schrecken: Am 11. Januar jährt der Überfall auf den Szene-Stadtteil zum zweiten Mal. Die Aufklärung stockt, denn in 208 Fällen laufen die Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs noch. An diesem Mittwoch lädt das ehrenamtliche, linke Dokumentationsprojekt „Chronik L.E.“ zu einer Podiumsdiskussion mit Betroffenen ein.

Wer waren die mutmaßlichen Täter? Wie steht es um die juristische Aufarbeitung des Überfalls? Welche Folgen hat der Angriff für das Viertel und die Betroffenen? Diese Fragen sollen bei der Veranstaltung im UT Connewitz mit Betroffenen und Beobachtern diskutiert werden, kündigt Steven Hummel, Sprecher von „Chronik L.E.“ an. Aus Sicht des Projekts ist die Aufarbeitung des Neonazi-Überfalls am Rande der Jahrestag-Legida-Demonstration in Leipzig bisher gescheitert.

Die Polizei hatte nach dem Angriff 215 Verdächtige festgesetzt. Wie das Justizministerium unter Sebastian Gemkow (CDU) auf eine Kleine Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Juliane Nagel antwortete, laufen die Ermittlungen in 208 Fällen, einer davon liegt dem Generalbundesanwalt vor.

Nagel: Bundesweite Vernetzungen

Am Dienstag äußerte sich die Linken-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel, die auch als Gesprächspartnerin auf dem Podium erwartet wird. Die Ermittlungen müssten zügig weitergeführt werden und bald eine Anklage folgen, forderte sie. Der Angriff in Connewitz habe außerdem gezeigt, „über welchen konspirativen Organisationsfähigkeiten und bundesweiten Vernetzungen“ die hiesige Neonaziszene und ihr Umfeld verfügten. Es sei essentiell, mehr über die „Ideengeber und Drahtzieher des Angriffs“ zu erfahren, sagte sie.

Als weitere Gesprächspartner auf dem Podium kündigen die Veranstalter auch Vertreter des Kiez-Sportvereins Roter Stern an. Die Journalistin und Autorin Heike Kleffner moderiert die Veranstaltung. Kleffner schreibt seit den 1990er-Jahren über das Thema Neonazis und rechte Gewalt. Kleffner ist unter anderem Mitherausgeberin des Buchs „Generation Hoyerswerda. Das Netzwerk militanter Neonazis in Brandenburg“.

Spendenaktion als Zeichen

Am 11. Januar 2016 waren mehr als 200 Hooligans und Rechtsradikale durch die Wolfgang-Heinze-Straße gestürmt und hatten 23 Geschäfte und Lokale zerstört. Der Schaden ging in den sechsstelligen Bereich. Sören Pellmann, Leipziger Bundestagsabgeordneter der Linkspartei, erinnert an die Spendenaktion im Nachgang der Randale: Damals hatten die Amadeo-Antonio-Stiftung, Roter Stern Leipzig, UT Connewitz und andere rund 40.000 Euro für die Beseitigung der materiellen Schäden gesammelt. Pellmann wertete die Aktion aber auch als wichtiges Zeichen mit der Botschaft: „Wir lassen uns nicht einschüchtern! Connewitz bleibt bunt!“

Die Podiumsdiskussion im UT Connewitz beginnt am Mittwoch, 10. Januar, um 19 Uhr.

Von lyn

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