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Lokales Podiumsdiskussion in Leipzig über Buch- und Schallplattenschmuggel in der DDR
Leipzig Lokales Podiumsdiskussion in Leipzig über Buch- und Schallplattenschmuggel in der DDR
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08:37 15.09.2016
Tobias Bieheim  Quelle: Foto: Wolfgang Zeyen
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Leipzig.

 „Es gab einige Tauschbörsen für Westmusik in größeren Städten. Ein wenig absurd war es schon, wenn man die aufgebauten Tische gesehen hat, die Schallplatten darauf und das viele Geld, das den Besitzer wechselte“, erzählte Egbert Pietsch, Gründer und Herausgeber des Stadtmagazins Kreuzer, im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Diese behandelte das Thema Bücher- und Schallplattenschmuggel in der DDR. Aufhänger dafür war die Abschlussarbeit von Buchwissenschaftler Tobias Bieheim mit dem Titel „Heiße Ware und schwarzes Gold“.

Pietsch war zu DDR-Zeiten im Platten-Tauschhandel aktiv, bis zu 130 Ostmark kostete eine der schwarzen Scheiben. Erlaubt war dies nicht, erwischt wurden sie aber nur selten. „Drucksachen waren die heißere Ware, riskant waren vor allem journalistische Magazine wie der Spiegel“, sagte Pietsch.

„Es gibt fast keine Veröffentlichungen zum Schmuggel, vieles von meiner Abschlussarbeit habe ich durch Zeitzeugen-Interviews herausgefunden“, erklärte Bieheim. Er wollte verschiedene Thesen beweisen oder widerlegen. Beispielsweise, dass die Verbreitung und Beschaffung der heißen Ware in einer Grauzone der Gesetze lag, das Beschlagnahmen ein willkürlicher Akt gewesen sei.

Die Diskussionsteilnehmer konnten dies bestätigen. „Es gab keine klaren Regularien, was legal und was illegal war. Was dem Zoll nicht gefiel, kam nicht an“, erzählte Eiko Kühnert, der die Ausstellung „Über Politik eine Platte machen“ organisierte.

Vieles wurde daher versteckt verschickt. Er selbst habe mal ein Westpaket mit einer besonderen Füllung erhalten. Zusammengeknüllte Seiten eines Buches des Karikaturisten Bosc waren dafür verwendet worden. „Ich sammelte alles zusammen und brachte die Seiten zu einer Buchbinderin“, sagte Kühnert. Ob das Füllmaterial mit Absicht so gewählt wurde oder nicht, habe er nie herausgefunden.

Anne Hahn, die ihre eigene Fluchtgeschichte im Buch „Gegenüber von China“ aufschrieb, merkte erst in der Abendschule, dass ihr Westliteratur fehlte. „Meine älteren Mitschüler redeten über Bücher, von denen ich nie gehört hatte“, erzählte Hahn. Sie bekam die berüchtigten Bücher ausgeliehen, beispielsweise George Orwells 1984. „Aber immer nur für zwei oder drei Tage. Danach musste ich es wieder zurückgeben. Ich durfte niemanden sehen lassen, dass ich das lese“, so Hahn.

In der DDR gab es natürlich Schallplatten und Bücher, teilweise auch aus dem Westen. Theoretisch musste sich niemand etwas Geschmuggeltes kaufen, aber „wer vom Pop-Rock-Virus befallen war, der war schnell durch damit“, sagte Eiko Kühnert über das schwarze Gold. Außerdem waren nicht nur Westkünstler gefragt – ostdeutsche Musiker versuchten auch, im Westen Bekanntheit zu erlangen.

Anne Hahn erzählte in dem Zusammenhang von Otze Ehrlich. Der Musiker wollte mit seiner Band Schleimkeim großen Erfolg im Westen feiern. Er schaffte es, sein Tape rüberzuschmuggeln und erhielt eine der im Westen gepressten Platten. Der große Erfolg blieb aber aus. Stattdessen wurde er verhaftet. „Aber es konnte ihm nichts zur Last gelegt werden, die Texte waren nicht direkt auf die DDR zugeschnitten“, sagte Hahn.

Von Andrea Schulze

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