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Lokales Polen-Engagement der Leipziger Stadtwerke gerät in Gefahr
Leipzig Lokales Polen-Engagement der Leipziger Stadtwerke gerät in Gefahr
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13:20 11.03.2018
Die Firmenzentrale der Leipziger Stadtwerke-Tochter GPEC in Danzig. Quelle: Wojtek Jakubowsi
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Leipzig

In Polen rückt jetzt ein Thema immer stärker in den Fokus, das auch Leipzig stark betreffen könnte. Der größte polnische Energiekonzern PGE hatte vor drei Monaten angekündigt, sein Fernwärmenetz zeitnah deutlich zu erweitern.

Staatskonzern kauft Heizkraftwerk in Danzig

Beginnen will das staatseigene Unternehmen mit Zukäufen in den Regionen, in denen es bereits große Heizkraftwerke mit Kraftwärmekopplung besitzt, erklärte PGE-Manager Ryszard Wasilek im Beisein des stellvertretenden Energieministers. Spätestens da dürfte im Leipziger Stadtkonzern eine Alarmglocke geschrillt haben. Erst 2017 konnte die PGE für eine Milliarde Euro alle polnischen Firmen des französischen Energieriesen EdF erwerben – darunter ein Heizkraftwerk in Danzig. Von dort bezieht eine der wichtigsten Tochterfirmen der Leipziger Stadtwerke ihre Heizwärme – und leitet sie an die Haushalte der Ostsee-Metropole weiter.

Mehr Fernwärmekunden als in Leipzig

Nur wenigen Messestädtern dürfte es überhaupt bewusst sein, dass ein Teil des hiesigen Wohlstands vom Polen-Engagement der Stadtwerke abhängt. In Pommern beliefert das kommunale Unternehmen längst weit mehr Menschen mit Fernwärme als zu Hause an der Pleiße.

Vor 15 Jahren noch ein Verlustbringer

Vor 15 Jahren war dem früheren Stadtwerke-Boss Wolfgang Wille der Einstieg bei der damals noch notleidenden Gdanskie Przedsiebiorstwo Energetyki Cieplnej (GPEC) gelungen. Leipzig zahlte seinerzeit 42 Millionen Euro für die Anteilsmehrheit an diesem ebenfalls kommunalen Unternehmen. Die Stadt Danzig hält seither nur noch eine Minderheit (gegenwärtig über 17 Prozent). Aus dem Verlustbringer von einst wurde bald eine hervorragend aufgestellte Gruppe, die ihr Netz in den letzten Jahren deutlich vergrößern konnte. Aktuell versorgt GPEC mit über 460 Mitarbeitern mehr als 400 000 Wärmekunden, kümmert sich unter anderem noch um die Nutzung lokaler Gasquellen sowie zwei kleine Wasserkraft-Anlagen.

Zehn Millionen Euro Gewinn pro Jahr

Die 750 Kilometer langen Heiznetze des Danziger Unternehmens finden sich mittlerweile auch in vier weiteren Städten: im benachbarten Seebad Sopot, Tczew, Starogard Gdanski und Pelplin. Für 2017 wurde wieder ein Rekord-Gewinn verbucht: umgerechnet 14,4 Millionen Euro. Seit Jahren fließen etwa zehn Millionen Euro Gewinnanteil von der Danziger Bucht an die Leipziger Stadtwerke, denen fast 83 Prozent der GPEC gehören. Mit diesem Geld wird vor allem der Betrieb von Bussen und Straßenbahnen in der Messestadt subventioniert.

Französische EdF zieht sich aus Polen zurück

Durch den Deal mit den Franzosen kontrolliert der Staatskonzern PGE jetzt mehr als die Hälfte der Strom- und Heizwärme-Erzeugung in Polen. Bei den Wärme-Verteilnetzen ist der Energieriese, der auch ein Atomkraftwerk plant, hingegen eher noch ein Zwerg. Dieser Bereich soll in den nächsten fünf Jahren jedoch kräftig wachsen, so Manager Wasilek. Wenn Erzeugung und Verteilung der Wärme in einer Hand liegen, bringe das Vorteile für Versorgungssicherheit und Klimaschutz.

Krakow, Stettin, Danzig, Sopot und Gdynia im Fokus

Ähnlich wie in Deutschland überwacht auch in Polen eine staatliche Behörde die Preise, welche die Netzbetreiber von den Endkunden verlangen dürfen. Laut polnischen Medien hat es PGE vor allem auf Netze in Krakow, Stettin und im Bereich des Dreistadt-Ballungsraums an der Küste abgesehen: also Danzig, Sopot und der Hafenstadt Gdynia. Zwar bestätigte PGE diese Adressen bisher nicht, doch in allen genannten Städten (außer Sopot) kaufte der Riese jüngst Heizkraftwerke. Die Verteilnetze in diesen Städten gehören verschiedenen Eigentümern. Meist sind die Kommunen beteiligt, in Stettin hält die Mehrheit der deutsche E.ON-Konzern.

Bisher liegt kein konkretes Kaufangebot vor

„Wir sind Gerüchte darüber gewohnt, dass man uns verkauft oder wir jemanden kaufen. Wir beschäftigen uns nicht mit Gerüchten, sondern mit der Arbeit“, teilten jetzt die GPEC-Geschäftsführer Anna Jakob und Marcin Lewandowski auf LVZ-Nachfrage mit. „Ein konkretes Angebot liegt uns derzeit jedoch nicht vor.“ In Danzig sind die Leipziger überwiegend gut gelitten. Das zeigt sich schon daran, dass Stadtpräsident Paweł Adamowicz nach wie vor Aufsichtsratschef der GPEC ist. Sollte sich Leipzig tatsächlich eines Tages von den dortigen Firmenanteilen trennen wollen, hätte Danzig ein Vorkaufsrecht.

Von Jens Rometsch

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