Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Politiker rechnen mit Lichtfest ab – nächste Feier ohne Meier?
Leipzig Lokales Politiker rechnen mit Lichtfest ab – nächste Feier ohne Meier?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:17 13.10.2018
Lichtfest-Intendant Jürgen Meier ist umstritten. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Kritik an Leipzigs Lichtfest wird immer lauter. Die Veranstaltung zum Gedenken an die Friedliche Revolution sei „inhaltslos“ geworden und das Fest „in einer Krise“, erklärte am Freitag der Bürgerrechtler Uwe Schwabe. Die Leipziger CDU spricht sogar von dem Versuch, „einer historischen Stunde eine linksideologische Umdeutung zu verpassen“. Das Lichtfest dürfe nicht länger in erster Linie eine künstlerische Inszenierung sein, forderten die Christdemokraten. Stattdessen müsse vorrangig thematisiert werden, warum die Menschen damals auf die Straße gingen. „Ein tanzendes Ehepaar Honecker, Nixon und auch der Hambacher Forst haben mit der Erinnerung an 1989 nichts zu tun“, sagte CDU-Kreisvorsitzender Robert Clemen mit Blick auf die Darbietungen am Dienstag. „Es ist aus geschichtlicher Sicht wichtig, dass wir an die Montagsdemonstrationen erinnern und an den Mut der Leipziger. Aber wenn wir etwas nicht brauchen, dann sind es Erklärungen von Kulturschaffenden, die auf der anderen Seite der Mauer sozialisiert wurden. Worum es 1989 gegangen ist, wissen die Menschen, die das SED-Unrecht überwunden haben, immer noch am besten.“

„Kein künstlerischer Leiter mehr nötig“

Diese Kritik richtet sich vor allem an Jürgen Meier, den künstlerischen Leiter des Lichtfestes. Der aus dem Westen stammende Intendant habe das Lichtfest „zu einer Kessel-Buntes-Show allgemeiner politischer Themen gemacht“, heißt es in der CDU. Deshalb sei es richtig, dass der Stadtrat bereits beschlossen hat, dass die demokratisch gewählten Vertreter des Stadtparlaments künftig mehr inhaltliche Verantwortung übernehmen (die LVZ berichtete). „Wenn das Lichtfest keine künstlerische Inszenierung mehr ist, dann braucht es auch keinen künstlerischen Leiter“, sagte Michael Weickert, Sprecher des CDU-Kreisverbandes.

Auch von der AfD kommt Kritik. „Was die Leute einst auf die Straße trieb, waren die fehlende Demokratie, totalitäre Bevormundung und der Stasi-Unrechtsstaat“, erklärte dort Kreisvorsitzender Siegbert Droese. „Alles Themen, denen man sich auch heute noch stellen kann und muss – wenn man denn will.“ Auch für ihn steht fest: „In Leipzig haben links-grüne Akteure die Deutungshoheit über ’89 übernommen.“

„Das hat nicht stattgefunden“

„Diesen Vorwurf weise ich weit von mir, das hat nicht stattgefunden“, widersprach am Freitag Intendant Meier. „Das ist eine parteipolitische Sicht, die kann man auf ein künstlerisches Projekt nicht anwenden.“ Es sei normal, „dass künstlerische Aussagen anecken und nicht von allen geteilt werden“, aber das sorge für eine tiefere Auseinandersetzung. „Wir wollen nicht die Friedliche Revolution erklären, sondern Impulse dafür geben, sich mit diesem spannenden Thema zu beschäftigen. Für die Erklärung gibt es Institutionen wie das Zeitgeschichtliche Forum und das stadtgeschichtliche Museum, die das sehr gut machen.“

Meier sieht sich auch weiter in der Verantwortung für das Lichtfest. „Der Stadtrat hat ein Gremium mandatiert, das entscheiden muss, wie das Lichtfest 2019 gestaltet wird“, erklärte er. „Wer das macht, muss dieses Gremium entscheiden.“ Das müsse bald geschehen, weil ein Projekt dieser Größenordnung einen organisatorischen und künstlerischen Vorlauf benötige.

Von Andreas Tappert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Neuroorthopädischen Zentrum Leipzig - Nach Querschnittslähmung: Patient läuft wieder

Mut ist die beste Therapie. Das dies stimmt, macht derzeit ein Patient aus Sachsen-Anhalt in Leipzig vor: Der querschnittsgelähmte lässt sich mit einem neue hochmodernen Gerät therapieren – und macht unerwartete Fortschritte. Inzwischen arbeitet er sogar wieder.

13.10.2018

Diesen Sonntag können die Leipziger wieder beweisen, wie fit sie sind: Beim 5. Leipziger Halbmarathon geht es durch den Südosten der Stadt. Bei uns gibt es alles Infos zum geänderten Streckenverlauf und zu den Verkehrseinschränkungen.

14.10.2018
Lokales Memoiren von Multitalent Peter Degner - „Ich bin kein Mann fürs Gemüsebeet“

Hildegard Knef war ihm eine enge Vertraute, Ray Charles überredete er zu einem seiner letzten Liveauftritte. Und auch Michail Gorbatschow folgte seiner Einladung nach Leipzig. Peter Degner (64) – Grabredner, Entertainer, Eventmanager, hat seine Erinnerungen geschrieben, die Mitte Oktober unter dem Titel „… und ich dreh mich noch mal um“ erscheinen. Die LVZ druckt vorab exklusiv Auszüge. Heute: Teil 2.

12.10.2018