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Lokales Politisches Quartett diskutiert über neue Sachbücher
Leipzig Lokales Politisches Quartett diskutiert über neue Sachbücher
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18:28 25.10.2017
Jan Emendörfer, Andrea Kern, Claudia Euen und Dirk Panther (v.l.) diskutieren im Grünen Salon der Schaubühne Lindenfels über politische Sachbücher. Quelle: Armin Kühne
Leipzig

Neue Rechte, Digitalisierung, deutsche Leitkultur und Wählerwanderung von links nach rechts im Arbeitermilieu. So unterschiedlich die Themen am Dienstagabend beim politischen Quartett, so verschieden waren die Stellungnahmen der wortgewandten Leser auf dem Podium. Sticheleien zwischen den „alten Recken“ Jan Emendörfer, LVZ-Chefredakteur, und Dirk Panter, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, waren zu erwarten. Aber auch die neuen Gesichter des Quartetts gaben sich schlagfertig: Andrea Kern, Philosophie-Professorin der Universität Leipzig, und Claudia Euen, freie Journalistin. Bei der Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Schaubühne Lindenfels diskutierten die vier Teilnehmer leidenschaftlich über neue politische Sachbücher. Beim rasanten Meinungs-Ping-Pong auf hohem intellektuellen Niveau fieberte das Publikum im übervollen Grünen Salon mit.

„Altbacken und schleimig“ sei die Art des Autors Raed Saleh, eine „neue Leitkultur“ in „Ich deutsch“ zu beschreiben, wirft Euen provokant in die Runde. Panter bezeichnet dessen „Problembeschreibung“ hingegen als „ordentlichen Debattenbeitrag“. Saleh ist in Palästina geboren, wuchs in Berlin auf und ist Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Landtag. In seinem Buch skizziert er „neue Spielregeln für unser Land“. Emendörfer bezweifelt allerdings, dass das „Loblied auf unsere Verfassung“ bei jungen Leuten gehört wird. Aufgebracht wehrt sich Kern gegen die „pädagogische“ Leser-Ansprache: „So geht Erziehung nicht mit mir.“ Panter bemerkt: „Es ist schön, Ihnen bei dieser Aufregung zuzusehen.“ Unterhaltsam sind die Wortgefechte auch für die Zuschauer.

Bei Gerald Hörhans Buch „Der stille Raub“, das die digitale Revolution unter die Lupe nimmt, ist sich das Quartett immerhin in einem Aspekt einig: „Der Autor ist total unsympathisch“, so Kern. Der Unternehmer stellt die These auf, dass der digitale Wandel die Mittelschicht abschafft. Ein „gruseliges“ Szenario, findet Emendörfer. „Der beschreibt eigentlich unseren Untergang.“ Panter fügt an: „Der stille Raub“ sei eines der schlechtesten Bücher, die im politischen Quartett je diskutiert wurden. Das Buch eigne sich allemal zum „Anfeuern“ oder für „schlechte Träume“.

Weniger fatal fällt das Urteil über Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“ aus. Euen findet die international beachtete Studie über den Rechtsruck im Arbeitermilieu in Frankreich „sehr interessant und lesenswert“. In der Autobiografie, die „gleichzeitig eine soziologische Studie sein soll“ sieht Kern jedoch ein „gescheitertes literarisches Werk“.

Einig sind sich die vier Köpfe aus Politik, Medien und Wissenschaft über die Analyse rechtspopulistischer Bewegungen in Volker Weiß’ „Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes“. Das Buch war für den Preis der diesjährigen Leipziger Buchmesse nominiert. Eine wahre „Fleißarbeit“ sei diese Analyse, findet Emendörfer. „Gerade als Sachsen sollten wir da mal reingucken.“ Die dargestellten Entwicklungen seien „hochgradig beunruhigend“, findet Kern. „Die autoritäre Revolte“ sei eine augenöffnende Lektüre, fasst Panter zusammen.

Nach knapp zwei Stunden kurzweiliger Diskussionen findet das Quartett ein Buch, das es den Zuschauern einstimmig empfehlen kann. Und die Freude an der klugen Debatte weckt die Lust auf politische Bücher.

Von Theresa Held

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