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Prävention gegen Komatrinken: Leipziger Pilotprojekt „HaLT“ vor unsicherer Zukunft

Prävention gegen Komatrinken: Leipziger Pilotprojekt „HaLT“ vor unsicherer Zukunft

Orientierungslos, lähmende Schmerzen im Kopf, angeschlossen an Schläuche und Kabel, eine Windel am Gesäß – so finden sich jährlich Dutzende Jugendliche im Leipziger Universitätsklinikum wieder.

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Viele Jugendliche kennen beim Alkohol keine Grenze.

Quelle: dpa

Leipzig. Die Diagnose lautet Alkoholvergiftung. Durchschnittlich sind die Betroffenen gerade einmal 15 Jahre alt und machen zum ersten Mal solch eine Erfahrung. „Wenn die Kinder und Jugendlichen aufwachen, sind sie schon sehr verunsichert“, erzählt Susanne Petschauer und ergänzt: „Sie sind dann meist sehr dankbar für die Hilfe, die wir ihnen anbieten“. Petschauer ist Mitarbeiterin der Initiative „Hart am Limit“ (HaLT) und steht den Betroffenen beratend zur Seite. Seit August 2010 haben sie und ihre Kollegen mehr als 80 Fälle im Uniklinikum betreut. Zum Jahresende läuft die Finanzierung der Initiative aus.

„HaLT ist ein Suchtpräventionsprojekt, das es bundesweit in 140 Städten gibt“, berichtet Manuela Hübner vom Gesundheitsamt der Stadt. Ursprünglich stammt der Name aus einem spezialisierten Zentrum für Suchtkranke im baden-württembergischen Lörrach. Von dort aus wurde das Konzept in die Republik getragen. Neben der stationären Beratung beinhaltet „HaLT“ auch präventive Maßnahmen gegen Alkoholmissbrauch wie etwa Plakatkampagnen oder die Schulung von Sozialarbeitern. In Leipzig wird das Projekt zwar von der Kommune koordiniert, die Honorare der vier Mitarbeiter zahlt allerdings bisher die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK). „Beim Start des Pilotprojekts wurde ein Budget festgelegt“, erklärte Hübner, die keine genauen Zahlen nennen wollte. In ein paar Tagen sei das Geld nun aufgebraucht, die Finanzierung danach nicht mehr gesichert. Deshalb bemüht sich Hübner nun um Alternativen: „Wir arbeiten derzeit an verschiedenen Optionen, wie das Projekt vielleicht verlängert werden kann.“

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Susanne Petschauer ist eine von vier Mitarbeitern beim "HaLT"-Projekt. Darüber hinaus arbeitet sie auch für die Initiative „Drahtseil“ am Zentrum für Integration e.V. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Die Erfolge der Arbeit sind zumindest nicht von der Hand zu weisen, die Rückfallquote auch Dank der intensiver Beratung äußerst gering. Bis auf einen waren bisher alle Klienten Erstfälle, berichtet Susanne Petschauer. Vor allem die Unmittelbarkeit des Moments im Krankenhaus, der den Betroffenen und den Angehörigen die Gefahren des Alkoholmissbrauchs buchstäblich vor Augen führt, trage dazu bei. „Für die Kinder ist es manchmal schon bewegend genug zu sehen, dass extra für sie ein Mensch ins Krankenhaus kommt, um zu helfen“, sagt Koordinatorin Manuela Hübner.

Susanne Petschauer und ihre „HaLT“-Kollegen werden meist am Morgen nach der Einlieferung angerufen und stoßen dann bestenfalls dazu, wenn auch die Eltern schon am Krankenbett sitzen. „Denn das Gespräch richtet sich an beide“, betont Petschauer. „Wir hören uns erst einmal die Geschichte und die Geschehnisse an und fragen nach, wie es zur Alkoholintoxikation gekommen ist, wer die Rettungskräfte gerufen hat, was der Anlass des Trinkens war, mit wem, wie viel und was getrunken wurde.“ Viele der Jugendlichen hätten allerdings keine Erinnerung mehr an den vergangenen Abend und könnten somit gar nicht einschätzen, wie viel sie getrunken haben. Durchschnittlich wird bei den Jugendlichen ein Blutalkoholwert von 1,5 Promille festgestellt, in einem Fall seien auch schon 2,8 Promille gemessen worden.

Die „HaLT“-Mitarbeiter befragen die Eltern zu heimischen Regeln für Alkoholgebrauch und ob es familiäre Vorbelastungen gibt. „Manchmal greifen wir auch deeskalierend ein, können weiterführende Hilfen oder Beratung anbieten“, sagt Petschauer. Ziel ddes Gesprächs am Krankenhausbett sei die spätere Teilnahme an einem sogenannten Risikocheck. „Das ist eine Gruppenveranstaltung, zur Aufarbeitung und Reflektion des Erlebten. Hier soll das Risikobewusstsein im Umgang mit Alkohol thematisiert und die Selbst- und Fremdverantwortung gestärkt werden“, berichtet die „HaLT“-Mitarbeiterin.

Laut einer vom Sächsischen Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz in Auftrag gegebenen Studie haben sich die Behandlungsfälle wegen Alkoholvergiftungen bei den Zehn- bis 20-Jährigen im Freistaat in der vergangenen Dekade fast verdreifacht. Die Dunkelziffer könne sogar noch höher liegen, hieß es am Montag aus dem Ministerium.

Matthias Puppe

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