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Lokales Prager Botschaftsdrama beim Lichtfest Leipzig: Erste Bilder aus der Videoperformance
Leipzig Lokales Prager Botschaftsdrama beim Lichtfest Leipzig: Erste Bilder aus der Videoperformance
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17:19 19.07.2013
Hans-Dietrich Genscher sprach am 30. September 1989 den erlösenden Satz in Prag. Quelle: Jürgen Meier
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Leipzig

Jürgen Meier, künstlerischer Leiter des Lichtfests, zeichnete die Ausreise über die Bahnstrecke Prag-Dresden-Hof nach: Er setzte sich in den Zug und filmte. Gemixt werden die Bilder mit Aufnahmen eines US-Filmteams vom Prager Frühling 1968. LVZ-Online zeigt exklusiv erste Bilder aus der Video-Installation.

Leipzig. Die Teilnahme von Bundespräsident Joachim Gauck am diesjährigen Leipziger Lichtfest ist offenbar bestätigt worden. Wie aus einer Mitteilung der Stadt vom Freitag hervorgeht, wird das deutsche Staatsoberhaupt direkt von einem zweitätigen Aufenthalt im polnischen Krakau in die Messestadt kommen.

„Hier sind die doch alle durchgekommen“, sagt ein älteres Ehepaar mit rheinischem Akzent, das mit Jürgen Meier im Abteil sitzt. „Die Geschehnisse sind noch immer sehr präsent und berühren tief“, schildert Meier. Bei seinem Kamera-Blick aus dem Zugfenster hat er „eine wunderbare Kulisse“ vor Augen: das Elbsandsteingebirge, das Vogtland, das gemütliche Fränkische. Und dann landen die Reisenden in Hof, „westdeutsche Provinz“, konstatiert Meier nüchtern. Zonenrandgebiet eben, ein wenig benachteiligt, ein Hauch von 1950er Jahren. Bilder dieser Reise werden zum Lichtfest in der Großprojektion auf der Fassade der Leipziger Oper auftauchen.

Kein Blick für die Idylle

Für die Idylle werden die Reisenden im Herbst 1989 keinen Blick gehabt haben. Meier weiß aus Gesprächen: Die Unterhändler in der Prager Botschaft brauchten viel Überredungskunst, damit die Menschen nach der Bewilligung der Ausreise in einen Zug stiegen, der abermals durch die damalige DDR fuhr. Meiers Kronzeugin ist eine Potsdamerin, die damals als eine der ersten 50 Ausreisewilligen die westdeutsche Botschaft in Prag mit besetzte. Über sie eröffnete sich ihm die Widersprüchlichkeit der Wartezeit in dieser „freiwilligen Gefangenschaft“.

Jürger Meier, künstlerischer Leiter des Leipziger Lichtfests. Quelle: Andreas Doering

„Für die Montagsdemonstrationen hatte jeder seinen persönlichen Grund. Die Besetzung der Botschaft hatte eher etwas von einer Massenhysterie“, erklärt Meier. Euphorische Stimmung „wie auf einem Fußballplatz“ lag nur einen Herzschlag entfernt von der Beklemmung des vermeintlich endgültigen Abschieds von der Heimat, oft auch von Freunden und Familie. „Mit den Theaterszenen vor der Videoperformance greifen wir diesen Konflikt auf und zeigen eine Familie, in der die Kinder gehen wollen, und die Eltern bleiben“, erklärt Meier.

Panzer statt Hippietreffen in Prag

Szenen aus dem Prager Frühling spielen eine Rolle in der Videoinstallation zum Leipziger Lichtfest 2013. Quelle: Animation Jürgen Meier Material www.archive.org

Dass sich nur wenige Wochen nach dem Botschafts-Drama Grenzen und DDR in Auflösung befanden, steigerte die Dramatik nur. „Viele, die in Prag waren, sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Aber es gab eine Entfremdung, und oft sind Familien darüber zerbrochen“, beschreibt der Lichtfest-Künstler. Nichts davon lasse sich nachempfinden, und die Videoperformance wahre die Distanz. Der Bahnhof „als Ort, an dem man nicht bleiben möchte, von dem aus man aufbrechen will“, wird Sinnbild für die Zeit des Übergangs und Schienen legen sich vor alle authentischen Bilder.

Die reichen schließlich bis in die Zeit des Prager Frühlings zurück: Ein amerikanisches Filmteam hatte es auf ein Hippietreffen, Modeschauen und Alltag abgesehen. Doch dann marschierten im August 1968 die Truppen des Warschauer Pakts ein. Plötzlich hatten die Amerikaner Panzer und Gewalt gegen Zivilisten vor dem Objektiv.

Prag 1968 wird historisch und in der Videoinstallation zu einer Art Vorbereitung für die Friedliche Revolution. Die Lichtfest-Besucher werden sich am 9. Oktober auch filmisch in Leipzig wiederfinden. Mit Bildern von einem Bahnhof, der sich gewandelt hat, „zu einem Erlebnis- und Einkaufszentrum“, sagt Meier. Vielleicht auch zum Tor zu einem Ort, an dem man bleiben will.

Evelyn ter Vehn

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