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Lokales Premiere für den Patientenanwalt in Leipzig - Internationaler Urologieworkshop
Leipzig Lokales Premiere für den Patientenanwalt in Leipzig - Internationaler Urologieworkshop
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23:59 15.06.2014
Als Patientenanwalt in Leipzig unterwegs: Volker Janitzky. Quelle: Volkmar Heinz
Leipzig

Ganz auf die Rechte jener 25 Patienten bedacht, deren Operationen live auf Großbildleinwände ins Konferenzzentrum des Krankenhauses übertragen worden waren. "Eine Sache, mit der wir in Deutschland noch ganz am Anfang stehen", sagt St.-Elisabeth-Chefarzt Jörg Raßler.

Live-OPs, so Raßler, seien besondere OPs. "Der Operateur steht doppelt unter Stress - zig Kollegen verfolgen ja jeden seiner Handgriffe. Die Patienten wiederum müssen zuvor auch damit einverstanden sein, dass sie von ausländischen Ärzten operiert werden, die ihr Know-how beim Kongress ja demonstrieren wollen. Nicht zuletzt füllt sich so ein Demo-OP-Saal dann auch mit Kameras, mit viel zusätzlicher Übertragungstechnik, was wiederum Anforderungen an die Hygiene stellt."

In den letzten Jahren waren Live-OPs, die weltweit längst zum guten Ton großer Medizintagungen gehören, daher auch zunehmend umstritten. Kritiker behaupten, dass die Übertragungssituation Operateure schon mal "wagemutig" machte; sie gern OP-Methoden zeigen wollten, die letztlich aber nicht für den Patienten da auf dem OP-Tisch vor ihnen angezeigt waren. Vorgekommen sei es rund um den Globus auch schon mal, dass Patienten gar nicht wussten, dass ihre OP so viele Zuschauer hat. "Zudem belegte eine globale Studie, dass bei solchen OPs vermehrt Komplikationen auftraten", erzählt Raßler. Eine japanische Fachgesellschaft habe gar Live-OPs vorübergehend verboten, nachdem bei einer solchen die Reanimation und letztlich der tödliche Ausgang mit übertragen worden waren. Das habe die Debatte letztlich befördert. "Es darf eben nie vergessen werden - im Vordergrund muss der Patient stehen", so Raßler. Internationale medizinische Gesellschaften, und, was seine Disziplin betrifft, speziell die der amerikanischen und europäischen Urologen, hätten schließlich gehandelt und Regeln für Live-OPs aufgestellt. In Europa gelten sie seit Oktober 2013. Ein wichtiges Element: Der Einsatz eines Patientenanwalts, der die OP vorab prüft, dann protokolliert und den Zustand des Patienten selbst noch nach der OP verfolgt. "So ein Anwalt muss eine fachliche, moralische Instanz sein und den Mut haben, auch mitten bei so einer Konferenz aufzustehen und ,Stopp' zu sagen, ,das ist jetzt nicht vereinbart gewesen'", betont Raßler. - "Insofern ist es für mich also eine Ehre, angefragt worden zu sein", merkt da Janitzky an. Der übrigens im aktuellen Fall auch drei Tage lang die Workshop-OPs auf den Leinwänden im Konferenzzentrum sowie in den benachbarten OP-Sälen überwachte und an keiner Stelle ein Veto einzulegen hatte. Für die dafür ausgesuchten Patienten sieht er überdies ein anderes, großes Plus: "Im Rahmen so einer Veranstaltung werden sie von Top-Spezialisten und mit modernsten Methoden operiert, die so verbreitet noch nicht sind", meint er.

Gesetzeskraft hätten die neuen Live-OP-Regeln indes noch nicht. Doch aufs Renommee bedachte Veranstalter würden zunehmend darauf setzen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.06.2014

Angelika Raulien

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