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Lokales Primark-Chef Krogmann: „Wir sparen nicht an der Qualität“
Leipzig Lokales Primark-Chef Krogmann: „Wir sparen nicht an der Qualität“
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10:29 19.02.2016
Primark-Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann (60). Quelle: André Kempner
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Leipzig

Am 7. April eröffnet an der Leipziger Hainspitze die 20. Primark-Filiale Deutschlands und die zweite nach Dresden in Sachsen. Auf knapp 6000 Quadratmetern und vier Etagen gibt’s dann auch in der Messestadt Mode zu Schnäppchenpreisen. Das Unternehmen, das rund 350 Arbeitsplätze an der Pleiße schafft, steht wegen seiner Produktionsstätten in Entwicklungsländern und der vermeintlich mangelhaften Qualität der Produkte regelmäßig in der Kritik. Wolfgang Krogmann ist Geschäftsführer für Deutschland und Österreich.

Herr Krogmann, warum ist Leipzig ein geeigneter Standort?

Leipzig ist eine der größten Städte Deutschlands und verfügt  über eine hohe Einwohnerzahl. Die Stadt wächst stetig und zieht viele Studenten und junge Leute an. Das ist ein großer Teil unserer Zielgruppe. Und es gibt eine gesunde Handelsstruktur. Deshalb denken wir, dass wir hier sehr gut reinpassen.

Leipzig bewirbt sich als Fair-Trade-Hauptstadt, es wird viel für fairen Handel getan, auf Nachhaltigkeit Wert gelegt ...

Das tun wir auch! Ich bin froh, dass Sie das ansprechen. Das gibt mir die Gelegenheit, auf unsere ethischen Werte näher einzugehen. Wir haben keine eigenen Fabriken, wollen aber sicherstellen, dass da, wo für uns produziert wird, die Arbeitsbedingungen und die Arbeitssicherheit in vollem Umfang gewährleistet werden. Diesen Umfang haben wir in einem Verhaltenskodex definiert. Letztes Jahr gab es über 2400 Überprüfungen von Primark-Mitarbeitern, die in den Fabriken waren, aber auch von regierungsunabhängigen Organisationen. Alle Teile müssen außerdem in dem Unternehmen hergestellt werden, das wir beauftragt haben. Subunternehmen sind absolut verboten. Der Arbeitgeber muss die Bedingungen der internationalen Arbeitergewerkschaft erfüllen können.

Was sind die Konsequenzen, wenn ein Produzent sich nicht an die Verhaltensrichtlinien hält?

Da wir an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind, haben die Unternehmen die Chance, die Mängel zu beheben. Das klappt in der Regel auch. Aber wenn es nicht anders geht, trennen wir uns auch von Partnern.

Trotz allem ist im Jahr 2013 eine Fabrik in Bangladesch eingestürzt, in der auch für Primark produziert wurde. Es sind mehr als 1000 Menschen gestorben. Was haben Sie daraus gelernt?

Das war ein ganz tragisches Ereignis, das uns dazu bewogen hat, viele Dinge noch einmal auf den Prüfstand zu stellen und unsere Maßnahmen zu erweitern. Wir haben jetzt einen Ingenieur, der in jeder Fabrik, die wir beauftragen, die Statik und die Gebäude-Sicherheit überprüft. Wir legen viel Wert darauf, dass das Thema Sicherheit und Fluchtwege in den Firmen trainiert wird, damit so ein Unglück sich nicht wiederholt. Wir arbeiten mit unseren Partnern ständig daran, dass sich die Arbeitsbedingungen positiv verändern. Wir sind zudem im ständigen Kontakt mit Gewerkschaften und Nicht-Regierungsorganisationen vor Ort. Das ist ein Prozess, das geht alles nicht von heute auf morgen.

Dem Unternehmen wird öfter vorgeworfen, durch den Einsatz von Chemikalien die Gesundheit von Mitarbeitern und Kunden zu gefährden. Ist das gerechtfertigt?

Verschiedene Behörden haben bei uns in den Stores die Qualität der Luft gemessen und überprüft, ob es Geruchsentwicklungen gibt. Und keine Überprüfung hat ergeben, dass wir etwas falsch machen. Im Gegenteil: Uns wurde bestätigt, dass wir sehr gute Belüftungsanlagen haben und die Bedingungen für unsere Mitarbeiter sehr gut sind.

Wie sieht es mit der Qualität der Produkte aus? Wie lange hält ein Shirt, das drei Euro kostet?

Wir arbeiten mit unseren Lieferanten permanent daran, unsere Produkte zu verbessern. Wir sparen nicht an der Qualität, sondern vor allem an den Kosten für die Verwaltung und Werbung. Davon kann sich jeder überzeugen. Durch pflegliche Behandlung kann man die Sachen lange tragen.

Interview: Nathalie Helene Rippich

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