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Lokales Professor Dietger Niederwieser: den Krebs überlisten
Leipzig Lokales Professor Dietger Niederwieser: den Krebs überlisten
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00:18 14.04.2017
Chefarzt Dietger Niederwieser in der José-Carreras-Klinik vor einer Skulptur des Südtiroler Bildhauers Guido Sotriffer mit seinem von der Leukämie geheilten Patienten Konrad Unger (links) Quelle: Thomas Mayer
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Die Chancen, erfolgreich gegen die Leukämie und andere bösartige Tumore vorzugehen, steigen laut Niederwieser Jahr für Jahr: „Immer öfter können wir den Krebs überlisten und für den Patienten bessere und weniger belastende Therapien entwerfen. Das geschieht vor allem durch Bestimmung der nach einer Behandlung im Körper verbliebenen Krebszellen. Die Methoden sind so gut geworden, dass wir bereits eine böse Zelle auf 10 000 000 Zellen erkennen und die Notwendigkeit einer weiteren oder zusätzlichen Therapie genau festlegen können.“ Zudem könne man das Erbmaterial des Patienten bis ins Detail bestimmen, ein Ansprechen auf die Therapie voraussagen oder gezielt Medikamente einsetzen. Bei Patienten, die nicht auf Chemotherapie ansprechen, können, so Niederwieser, „scharfgemachte Killerzellen eingesetzt werden“. Bei verschiedenen Erkrankungen kann heute Erbmaterial neutralisiert oder repariert werden. Niederwieser: „Die Zeiten des ,je mehr, umso besser‘ sind vorbei. Auch der Einsatz der von den Patienten manchmal gefürchteten Chemotherapie kann bei entsprechenden Krankheitsbildern reduziert werden. So wird bei der Chronischen Myeloischen Leukämie statt Chemotherapie längst mit Tabletten therapiert, was das Lebensniveau der Patienten deutlich verbessert.“

Ein junger Mann, der vom medizinischen Fortschritt profitiert, heißt Konrad Unger. Er ist heute 28 Jahre alt und Autoverkäufer von Beruf. Unger erinnert sich: „Ich hatte immer Kopf- und Rückenschmerzen, war bei allen möglichen Ärzten, ohne dass die zu einer klaren Diagnose kamen. Als es mir wieder mal besonders schlecht ging, habe ich mich in der Notaufnahme der Uniklinik gemeldet. Das war am 27. Februar 2014. Nach einigen Untersuchungen sagte man mir: Sie haben Leukämie. Das war ein Schock, aber auch die Aufforderung zum Kampf gegen das Schicksal. Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Zur Seite standen Unger in den vergangenen Monaten nicht nur die Leipziger Ärzte und Schwestern, sondern ebenso seine damalige Freundin und jetzige Ehefrau Nancy. Auch hatte Unger das Glück, dass mit seinem Bruder schnell ein Stammzellenspender gefunden war. Niederwieser spricht von einem „sehr guten Patienten“. Das bei ihm ermittelte Philadelphia-Chromosom ermöglichte die weitere Leukämie-Behandlung mit der Tablette Imatinib. „Ich fühle mich geheilt“, sagt der Patient und bekommt die „frohe Botschaft“ vom Chefarzt bestätigt. Mittlerweile arbeitet Unger wieder in seinem Job und sieht das Leben „mit ganz anderen Augen“.

Zurück zur Ehrenpromotion für Niederwieser. Seinem Fachvortrag stellte er eine gemeinsame Basis der Städte Leipzig und Warschau voran. Hier wirkte Johann Sebastian Bach, von dort stammt Frédéric Chopin. Dort kann man sich mit Marie Curie schmücken, hier mit Paul Ehrlich. Der Mediziner promovierte einst an der Leipziger Universität, wurde zur Berühmtheit in der Medizin an der Berliner Charité – was derzeit nachzuvollziehen ist mit der TV-Serie über das legendäre Krankenhaus – und bekam 1908 den Nobelpreis für Medizin. Ehrlich gilt unter anderem als Erfinder der Chemotherapie. „Aktuelle Entwicklungen wie die Gen-Therapie machen es möglich, wieder neue Wege zu beschreiten“, weiß Niederwieser. Und fühlt sich im Sinne seines Vorbildes Donald Thomas handelnd. Der gab ihm mit auf den Weg: „Du musst den Patienten helfen, aber auch die Medizin voranbringen.“

Von Thomas Mayer

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