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Lokales „Profi-Eltern“ in Leipzig: Erziehungsstellen bieten familiären Halt für traumatisierte Kinder
Leipzig Lokales „Profi-Eltern“ in Leipzig: Erziehungsstellen bieten familiären Halt für traumatisierte Kinder
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16:53 20.09.2012
Erziehungsstellen bieten schwer traumatisierten Kindern in Leipzig ein neus Zuhause (Symbolfoto). Quelle: dpa
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Leipzig

V. der Begriff „Erziehungsstellen“. Dies sind Pflegefamilien, bei denen mindestens ein Elternteil eine sozialpädagogische oder psychologische Ausbildung vorweisen muss. In diesen Stellen werden seit elf Jahren schwer traumatisierte Schützlinge vermittelt, für die eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie keine Option mehr ist. Insgesamt 37 Leipziger Kinder befinden sich derzeit in einer solchen Betreuung.

Der Herbie-Verein ist Teil des Trägerverbundes, dessen Mitglieder die Vermittlung in Erziehungsstellen durchführen. Derzeit betreut der Verein zwölf Kinder in acht Familien, das jüngste vermittelte Kind kam im Alter von drei Jahren zu ihnen. „Es geht hauptsächlich darum,  ihnen eine schöne Kindheit zu ermöglichen“ sagte Gräser gegenüber LVZ-Online. „Hierfür braucht es geschulte Eltern und ein verlässliches familiäres Umfeld. Die Kleinen sollen wieder positive Erfahrungen mit Familie verknüpfen“. Viele soziale Fähigkeiten müssten die Kinder erst noch erlernen, schulische Leistungen seien dabei zunächst zweitrangig. Wie in der Kabel-1-Doku-Soap „Die strengsten Eltern der Welt“ gehe es in keiner der Familien zu.

"Die Betreuung eines traumatisierten Kindes ist eine schwere Aufgabe"

In der Regel tritt das Jugendamt zur Vermittlung dieser schweren Fälle an die Träger heran. Das Kind wird durch anonymisierte Informationen vorgestellt und eine geeignete Familie gesucht. „Dabei müssen sich die Eltern bewusst sein, welch schwere Aufgabe auf sie zukommt, denn die Kinder haben wegen ihrer problematischen Vorgeschichte einen erhöhten Betreuungsbedarf“, erklärte Gräser. Ihr Verhalten sei meist anormal, sie hätten Bindungsängste oder seien schwer misshandelt worden.

Gesetze und Urteile regeln den Kontakt zur Herkunftsfamilie. Manche Kinder haben unbegleiteten Kontakt, manche treffen sich unter Aufsicht von Pädagogen und auf neutralem Boden mit ihren Angehörigen. Bei einigen ist wegen ihrer Vergangenheit oder gar Entführungsgefahr kein Zusammentreffen möglich. Wenn eine Eingliederung in die Ersatzfamilie glückt, bleibt ein Kind bis zur Volljährigkeit dort. Während dieser Zeit erhalten die Eltern als angestellte Pädagogen Unterstützung durch den Träger. Neben dem üblichen Pflegegeld erhalten sie außerdem einen Betrag für den erhöhten Erziehungsaufwand und einen Beitrag zur Altersvorsorge. Pro Kind und Tag sind dies abhängig vom Alter laut Angaben der Stadtverwaltung 68 Euro bis 223 Euro.

Im Falle der Anführer der kriminellen Kinderbande, die in Leipzig zahlreiche Straftaten beging, hatte Jugendamtsleiter Siegfried Haller eine Unterbringung bei „Profi-Eltern“ für die dreizehnjährigen Zwillinge in Betracht gezogen. Dazu sagte Cornelia Gräser: „Auch Gewalttätigkeit oder Kriminalität sind kein Ausschlusskriterium für eine Aufnahme. Doch Kinder mit einer solchen Vergangenheit sind uns bisher noch nie vorgestellt worden.“

Weitere Informationen rund um Erziehungsstellen in Leipzig erhalten Sie auf der Webseite des Trägerverbundes.

Amélie Middelberg

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