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Lokales Protest gegen Umbenennung des Leuschner-Platzes – Bürgerinitiative lädt zum Auftakttreffen
Leipzig Lokales Protest gegen Umbenennung des Leuschner-Platzes – Bürgerinitiative lädt zum Auftakttreffen
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15:25 11.10.2011
Der Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig: Er soll ab 2013 „Platz der Friedlichen Revolution“ heißen. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Initiator ist Kai-Uwe Arnold. Der 43-jährige Leipziger hat die Reaktionen auf die angestrebte Umbenennung verfolgt und sich nun entschlossen, aktiv zu werden. Am Samstag sucht er auf dem Augustusplatz Gleichgesinnte.

„Es gibt scheinbar eine große Ablehnung gegenüber der Umbenennung. Die Stadt entscheidet einfach am Willen der Bürger vorbei“, erklärte Arnold am Dienstag gegenüber LVZ-Online und fügte an: „Seit vielen Jahren wird schon versucht, uns diesen Namen aufzunötigen, ohne dass wir es wollen.“ Nach Meinung des 43-jährigen Berufsschullehrers gibt es ausreichend Denkmale in der Stadt, die an die Ereignisse im Herbst 1989 in Leipzig erinnern, wie etwa das Mauerstück, die Demokratieglocke, die Säule vor der Nikolaikirche oder die Nikolaikirche selbst. „Man braucht diesen Platz der Friedlichen Revolution und das Denkmal darauf einfach nicht“, sagte Arnold.

Historische und ästhetische Vorbehalte gegen den „Platz der Friedlichen Revolution“

Der Wilhelm-Leuschner-Platz an dieser Stelle gehöre stattdessen einfach zur Stadt dazu. „Nach der Umbenennung würde Leuschner aus der Wahrnehmung komplett verschwinden“, befürchtet Arnold, der sich nach eigenen Angaben privat für Stadthistorie und die Ereignisse des 20. Juli 1944 interessiert. Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler war Leuschner als Vizekanzler der neuen Regierung vorgesehen, wurde stattdessen aber am 29. September 1944 von den Nazis hingerichtet. „Wilhelm Leuschner sollte heute einfach nicht in der Stadt fehlen“, sagte Arnold.

Neben den historischen Vorbehalten hat der Initiator des möglichen Bürgerprotestes auch ästhetische gegen die Umbenennung. „Der neue Name ‚Platz der Friedlichen Revolution’ gefällt mir überhaupt nicht. Er ist der heutigen Zeit nicht angemessen, erinnert eher an frühere Straßennamen: wie etwa die ‚Straße des 30. Jahrestages der Deutschen Demokratischen Republik’. Im übrigen sagt auch niemand hier in Leipzig ’Friedliche Revolution’. Für uns war das einfach die Wende“, erklärte Arnold am Dienstag.

Am Samstag beim Aktionstag „Echte Demokratie jetzt!“ auf dem Augustusplatz harrt Arnold an einem Infostand und will dort mit Menschen ins Gespräch kommen, die ähnlich denken wie er. „Wir wollen erstmal sehen, wie viele Leute überhaupt kommen und mitmachen wollen. Danach soll entschieden werden, was genau gemacht wird“, sagte Arnold. Vor drei Tagen hat er mit Mike Nagler, dem Mitveranstalter des Aktionstages, gesprochen und sich erste Tipps geben lassen, wie der Protest erfolgreich organisiert werden kann. Der einst für die Partei Die Linke in den Bundestag strebende Nagler hatte vor vier Jahren als Mitbegründer einer Initiative gegen den Verkauf der Leipziger Stadtwerke schon einen Bürgerentscheid herbeigeführt.

Die von Kai-Uwe Arnold geplante Initiative gegen die Umbenennung des Wilhelm-Leuschner-Platzes könnte ähnliches vorhaben. „Es gibt praktisch zwei Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen: Entweder wir sammeln vor der Entscheidung im Stadtrat Unterschriften gegen die Umbenennung oder streben nach der positiven Entscheidung ein Bürgerbegehren an“, erklärte die 43-Jährige.

Mehr als 3000 Facebook-User gegen Umbenennung des Leuschner-Platzes

Bei einer nicht repräsentativen Online-Umfrage auf der Facebook-Seite von LVZ-Online haben sich seit dem 5. Oktober mehr als 3000 Menschen gegen eine Umbenennung des Wilhelm-Leuschner-Platzes ausgesprochen – gut 78 Prozent aller Teilnehmer der Abstimmung. Dagegen stießen die Pläne der Stadtverwaltung, das Areal am südlichen Ende der Leipziger Innenstadt am 9. Oktober 2013 in „Platz der Friedlichen Revolution“ umzuwidmen, bei den meisten Fraktionen im Leipziger Stadtrat auf Wohlwollen. Ab 2014 soll am dem Platz auch das neue Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal stehen.

Der Aktionstag „Echte Demokratie jetzt!“ am 15. Oktober auf dem Leipziger Augustusplatz ist Teil einer weltweiten Kampagne für mehr Demokratie. Diese beruht auf den erstmals am 15. Mai 2011 stattfindenden Protesten gegen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Missstände in Spanien. Die danach gegründete spanische Bewegung „Movimiento 15-M” hat nun für kommenden Samstag auch außerhalb der iberischen Halbhinsel zu ähnlichen Kundgebungen aufgerufen.

Internet: acampadaleipzig.org/blog

Matthias Puppe

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