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Protest mit Plastik-Moschee: Leipziger rufen mit Facebook-Aktion zu mehr Toleranz auf

Protest mit Plastik-Moschee: Leipziger rufen mit Facebook-Aktion zu mehr Toleranz auf

Im Internet regt sich nach der Schändung des Moschee-Areals in Gohlis kreativer Protest. Mit einer Fotoaktion bei Facebook setzen zwei Leipziger ein Zeichen für mehr Toleranz – im Mittelpunkt steht dabei eine kleine Plastik-Moschee.

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Die Facebook-Seite "1001 Moschee" wirbt um mehr Toleranz - und ruft die Leipziger zu einem kreativen Fotowettbewerb auf.

Quelle: Screenshot

Leipzig. Die parallel laufenden Online-Petitionen – für und gegen das Bauprojekt – zählen inzwischen mehr als 7500 Unterzeichner. Die Polizei hat indes ihre Präsenz rund um die Georg-Schumann-Straße verstärkt.

Als Robert Jahn am Freitag die Nachricht von dem Anschlag auf das Moschee-Grundstück hörte, war er einfach nur fassungslos. Wo die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) ein kleines Gotteshaus mit zwei Zier-Minaretten errichten will, hatten Unbekannte fünf Schweineköpfe auf Holzpflöcke gespießt. Darunter hinterließen sie eine große Blutlache. „Ich dachte zuerst an einen schlechten Scherz“, sagte der 34-Jährige am Montag gegenüber LVZ-Online.

Bereits einige Tage zuvor hatte der Filmemacher und Journalist aus Leipzig bei Facebook die Gruppe „1001 Moschee“ gegründet, die im Streit um das neue Gotteshaus für Solidarität und Weltoffenheit werben soll. „Ich war erschrocken von dem, was zurzeit in der Stadt passiert, vor allem von der aggressiven Stimmung“, erklärt Jahn, der selbst gläubiger Christ ist und zuletzt eine Doku über Flüchtlinge aus Afghanistan gedreht hat. Er rief deshalb zusammen mit seiner Kollegin Nina Mair (33) zu einer spontanen Fotokunst-Aktion auf.

Moschee zum Selberbasteln

 

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Die kleine Plastik-Moschee – eigentlich ein Gebetswecker – hatte Robert Jahn vor einigen Jahren von Dreharbeiten im mazedonischen Skopje mitgebracht.

Quelle: Screenshot

User können sich auf der Facebook-Seite ein Foto einer Plastik-Moschee herunterladen, dieses ausdrucken, mit einer Botschaft versehen und sich selbst oder einen Ort ihrer Wahl mit dem Bild fotografieren. Anschließend wird das an die Betreiber der Gruppe geschickte Bild auf der Facebook-Seite veröffentlicht. Alles, was nicht gegen rechtliche Grenzen verstoße, werde gezeigt – auch kritische Beiträge, betont Jahn. „Wir wollen zur Diskussion anregen.“

Bereits in den ersten Tagen ging bei der Facebook-Initiative eine Handvoll Fotos ein. Die Seite selbst hatte am Montag 110 Fans, aber bereits ein Vielfaches an Reaktionen und geteilten Beiträgen. „Wir freuen uns natürlich über jeden Like, aber vor allem über weitere Fotos“, ermuntert Jahn zum Mitmachen. Die Moschee – eigentlich ein kleiner Gebetswecker – hatte er vor einigen Jahren von Dreharbeiten im mazedonischen Skopje mitgebracht. „Wir hoffen, dass dieses kleine Symbol dabei hilft, die Leute von mehr Toleranz zu überzeugen.“

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Leipzig. Im Internet regt sich nach der Schändung des Moschee-Areals in Gohlis kreativer Protest. Mit einer Fotoaktion bei Facebook setzen zwei Leipziger ein Zeichen für mehr Toleranz – im Mittelpunkt steht dabei eine kleine Plastik-Moschee. Die parallel laufenden Online-Petitionen – für und gegen das Bauprojekt – zählen inzwischen mehr als 7500 Unterzeichner. Die Polizei hat indes ihre Präsenz rund um die Georg-Schumann-Straße verstärkt.

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Polizei tappt nach Anschlag im Dunkeln

 

Wer hinter dem Anschlag auf das Baugrundstück in Gohlis steckt, ist bislang noch unklar. „Bei den Ermittlungen gibt es keinen neuen Stand“, sagte Polizeisprecherin Maria Braunsdorf am Montag auf Anfrage von LVZ-Online. Der Staatsschutz hatte den Fall am Freitag übernommen. Woher die Schweineköpfe stammten, sei noch unbekannt, so Braunsdorf. Inzwischen hat die Polizei ihre Präsenz am Moschee-Bauplatz verstärkt. „Das Gelände wurde in den Streifendienst eingebunden“, berichtete die Polizeisprecherin.

Bereits am Freitag hatte sich die gegen den Moscheebau gerichtete Bürgerinitiative „Gohlis sagt Nein“ ausdrücklich von dem Anschlag distanziert und diese als „Hardcore-Provokationen“ und „absolut kontraproduktiv“ bezeichnet. Unterdessen erfahren die Gegner des Baus im Netz weiter Zulauf. Am Montag zählte ihre Facebook-Seite bereits mehr als 7000 Sympathisanten. Die Online-Petition der Bürgerinitiative hatte mehr als 3500 Unterstützer, wurde inzwischen aber von den Befürwortern des Projekts übertroffen. 4000 Bürger haben die Petition „Leipzig sagt Ja“ unterzeichnet, darunter mehr als 2000 aus Leipzig.

Ahmadiyya-Gemeinde bedankt sich für Unterstützung

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Robert Jahn und Nina Mair aus Leipzig haben die Facebook-Initiative "1001 Moschee" gegründet.

Quelle: Wolfgang Zeyen

„Die ganze Diskussion war in den letzten Wochen von Hass, Vorurteilen und teilweise auch Halbwissen geprägt“, kritisiert Robert Jahn. Dieser Ansicht ist auch die Leipziger FDP, die sich am Wochenende mit einem Appell für Religionsfreiheit an die Öffentlichkeit wandte. „Für jede Religionsgemeinschaft, die auf dem Boden des Grundgesetzes steht, ist Platz in Deutschland und damit auch in Leipzig", erklärten der Vorsitzende Holger Krahmer und der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Reik Hesselbarth.

Dass er mit seiner Foto-Initiative die NPD und rechtsextreme Sympathisanten, die den Moscheebau zuletzt für politische Stimmungsmache instrumentalisier hatten, kaum überzeugen wird, ist Robert Jahn bewusst. „Aber wir wollen zeigen, dass es nicht die Mehrheit der Leipziger ist, die so denkt.“ Die Ahmadiyya-Gemeinde selbst hat sich jedenfalls bereits bei dem 34-Jährigen gemeldet und sich für das Engagement ausdrücklich bedankt.

Robert Nößler

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