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Provokationen und Proteste bei Compact-Konferenz in Leipzig

Rechtes Magazin Provokationen und Proteste bei Compact-Konferenz in Leipzig

Während Björn Höcke, Lutz Bachmann und Martin Sellner am Samstag im Eventpalast sprachen, protestierten rund 300 Menschen auf der Alten Messe gegen das rechte Compact-Magazin. Dabei kam es auch zu Rangeleien mit der Polizei. Höcke bezeichnete in seiner Rede das Zentrum für politische Schönheit als "Terroristen".

Bei den Protesten zur Compact-Konferenz in Leipzig gab es auch Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizei.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Absperrgitter, Räumpanzer, Wasserwerfer: Das Gelände rund um den Eventpalast in Leipzig glich am Samstag einem Hochsicherheitstrakt. Mit einem Großaufgebot von vier Hundertschaften sicherte die Polizei die Konferenz des rechtspopulistischen Compact-Magazins auf der Alten Messe. Trotz strömenden Regens protestierten seit dem Morgen bis zu 300 Menschen weitgehend friedlich und lautstark mit Musik, Trillerpfeifen und Redebeiträgen in Hör- und Sichtweite gegen die Konferenz. Sie trugen Transparente wie „Rechte Netzwerke zerschlagen“ oder „Compact zu Confetti“. Gegen 17 Uhr endete die Konferenz.

Auf der Alten Messe formierten sich am Samstag Proteste gegen die Compact-Konferenz im Eventpalast.

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Höcke vergleicht Aktivisten mit Terrorvereinigung

Zur Compact-Konferenz reisten namhafte Rechtsextremisten und -populisten an. Der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke wurde mit begeisterten „Höcke, Höcke“-Rufen von den rund 250 Konferenz-Teilnehmern begrüßt. Er äußerte sich in seiner Rede auch zu dem nachgebauten Holocaust-Denkmal samt Kameraüberwachung, das das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) in dieser Woche neben seinem Wohnhaus in Thüringen errichtete. „Wer so etwas tut, ist in meinen Augen ein Terrorist“, sagt Höcke unter Applaus. Das Zentrum für politische Schönheit bezeichnet er als „terroristische Vereinigung“.

Auch Pegida-Chef Lutz Bachmann sowie Martin Sellner von der Identitären Bewegung sprachen bei der Konferenz. Pressevertreter waren bei der sogenannten „Souveränitätskonferenz“ nicht erwünscht. Der LVZ wurde der Zutritt zum Saal verwehrt. An den Eingängen fanden intensive Personenkontrollen statt. Vermutlich wollten die Veranstalter damit auch unliebsame Videomitschnitte verhindern.

Die Polizei räumte Gegendemonstranten gewaltsam von der Straße.

Die Polizei räumte Gegendemonstranten gewaltsam von der Straße.

Quelle: André Kempner

Polizei räumte Demonstranten gewaltsam von Straße

Vor Beginn der Konferenz in der Messehalle 16 gab es kleinere Rangeleien zwischen Polizei und Gegendemonstranten. Die Polizei räumte eine Zufahrt zum Eventpalast und drängte dabei Protestierende gewaltsam zurück. „Etwa 40 bis 50 Personen versuchten, den Zugang auf der Puschstraße zu versperren“, erklärte Polizeisprecher Uwe Voigt gegenüber LVZ.de. Die Beamten zogen mehrere Personen aus der Menge heraus. Es werde in drei Fällen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt sowie in zwei Fällen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, so die Polizei.

Ein Protestzug mit 180 Teilnehmern hatte sich bereits gegen 9 Uhr auf dem Kleinen Willy-Brandt-Platz vor dem Hauptbahnhof formiert und führte anschließend unter Polizeibegleitung über Augustusplatz und Prager Straße zum Eventpalast. Rund 20 Menschen beteiligten sich zudem an einer Fahrraddemo. Unter den Protestteilnehmern waren auch der Leipziger Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann (Linke) und der Grünen-Landesvorsitzende Jürgen Kasek. Nach Angaben der Polizei verliefen beide Demonstrationen friedlich.

Compact-Verlag soll Konferenz getarnt haben

Die Veranstalter wollten den Ort der Konferenz möglichst lange geheim halten. Erst am Freitag war schließlich durchgesickert, dass die Veranstaltung auf der Alten Messe stattfinden soll. Die Geschäftsführung des Eventpalastes distanzierte sich daraufhin öffentlich und beklagte, von den Organisatoren im Vorfeld vorsätzlich getäuscht worden zu sein. Diese sollen die Konferenz als „Motivationstraining für Auktionatoren“ getarnt haben. Der Eventpalast kündigte an, rechtliche Schritte einzuleiten.

Der Eventpalast war im Vorfeld von der Polizei hermetisch abgeriegelt worden. Um das Veranstaltungsgebäude wurde ein Ring aus Metallzäunen errichtet. Auch zwei Wasserwerfer und ein Räumpanzer fuhr die Polizei auf. Vier Hundertschaften seien am Samstag im Einsatz, sagte Polizeipräsident Bernd Merbitz, der sich persönlich ein Bild von der Lage vor Ort machte, gegenüber LVZ.de. Die Polizei ließ Konferenzteilnehmer nur mit Einladung durch.

Die Initiative NoCompact hatte im Vorfeld mit rund 500 Teilnehmern beim Protest gerechnet. „Wir haben hier in Leipzig schon sehr erfolgreich gegen Naziaufmärsche demonstriert und wir werden auch diese Konferenz nicht unwidersprochen lassen“, erklärte Sprecherin Irena Rudolph-Kokot (SPD) im Vorfeld gegenüber LVZ.de. Kurzfristig abgesagt werden musste wegen der Konferenz die Modellautobörse im angrenzenden Pavillon der Hoffnung. Einige Besucher, die davon nichts wussten, reisten umsonst zur Alten Messe. Sie standen am Samstag vor verschlossenen Türen.

nöß/A.T.

Eventpalast Leipzig 51.316165 12.400317
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