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Prozess in Leipzig: Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Torgauer Unfallfahrer

Prozess in Leipzig: Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Torgauer Unfallfahrer

Im Mordprozess um einen tödlichen Autounfall bei Torgau hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft gefordert. Es sei unzweifelhaft, dass der 54-jährige Angeklagte im Januar mit Absicht gegen einen Baum gefahren sei, um seine Ehefrau auf dem Beifahrersitz heimtückisch zu töten, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag in seinem Plädoyer am Leipziger Landgericht.

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Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Verteidigung plädierte auf eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung, da keine Absicht nachzuweisen sei.

 Es war am 17. Januar gegen 7.40 Uhr, als Andreas L. mit seinem Renault auf der B 182 in Richtung Torgau fuhr. Auf dem Beifahrersitz saß seine Frau Simone (50). Die Eheleute lebten seit Ende 2012 getrennt, doch an diesem Tag hatten sie einen gemeinsamen Termin im Jobcenter. Auf einer langen Geraden 20 Meter vor der Ortschaft Neiden riss Andreas L. laut Anklage plötzlich das Steuer herum. Das Auto krachte mit Tempo 90 gegen einen der wenigen Bäume am Straßenrand, wurde völlig zerstört. Andreas L. überlebte schwer verletzt, geht noch immer am Stock. Seine Frau starb um 8.52 Uhr im Kreiskrankenhaus Torgau.

Der Familie eine neue Chance geben

Vor Gericht schwieg der vollbärtige Langzeitarbeitslose aus Dommitzsch, ließ aber im Prozess von seinem Verteidiger Klaus Peter Wöhlermann eine Erklärung verlesen. „Ich habe meine Frau geliebt“, heißt es da. „Ich wollte mit einer neuen Arbeitsstelle unserer Familie eine neue Chance geben und hoffte, dass meine Frau mit den Kindern zu mir nach Österreich ziehen würde.“ An den Tag des Unfalls habe er keinerlei Erinnerungen.

Gesprächiger war Andreas L. gegenüber dem forensischen Psychiater Thomas Kasten (49). Ihm erzählte er detailliert aus seiner Kindheit, von der Zeit als Ladeschütze in der NVA-Panzertruppe. Und er sprach über die Trennung von seiner ersten Ehefrau Angelika: Er habe sie in flagranti mit einem Liebhaber erwischt. Am nächsten Tag seien sie beide im Krankenhaus aufgewacht, jemand habe starke Schlaftabletten in den Kaffee getan. Aber auch da: keine Erinnerungen.

Mit seiner zweiten Frau Simone, die er 1992 heiratete, sei alles besser gewesen, berichtete L. dem Gutachter, nur die letzten zwei Jahre nicht: Die Eheleute versanken in einem Online-Spiel, pflegten Internetbekanntschaften, er hatte eine Affäre. Und sie häuften Schulden an, jeder rund 65000 Euro. Immer wieder stritten sie sich, zuletzt an ihrem Hochzeitstag im November 2012. Er fuhr daraufhin zu Freunden nach Österreich, suchte einen Job. Als seine Frau von Trennung sprach, kehrte L. heim, um die Ehe zu retten - vergeblich. Und der Tag, als seine Frau starb? „Ich weiß nicht, was ich getan habe, bin erst im Krankenhaus Torgau wach geworden“, sagte Andreas L. dem Gutachter. „Ich hätte meiner Frau nie etwas getan, nie einen Selbstmord begangen. Das Leben war mir viel zu heilig.“

F.D./dpa

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