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Lokales Prozess in Leipzig um entführte Elfjährige vertagt: Opfer-Handy bei Justiz verschwunden
Leipzig Lokales Prozess in Leipzig um entführte Elfjährige vertagt: Opfer-Handy bei Justiz verschwunden
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23:59 21.01.2014

Begründung: Es sollen noch Nachforschungen zum Handy des Opfers angestellt werden, das bei der Justiz verschwunden ist.

Gerade Mädchen lieben sie - rosafarbene Mobiltelefone der Kollektion "Hello Kitty". Ein solches Exemplar hatte Mario F., der sich selbst als väterlicher Freund von Lisa P. titulierte, dem Mädchen zu Weihnachten 2010 geschenkt. Justament auf diesem Handy waren nach Auffassung der Justiz etliche den Angeklagten stark belastende Kurznachrichten (SMS) gespeichert.

Der inzwischen 30-Jährige muss sich nicht nur wegen Kindesentziehung, sondern auch schweren sexuellen Missbrauchs des zur Tatzeit elf Jahre alten Mädchens verantworten. Ende 2011/Anfang 2012 war Lisa P. gemeinsam mit dem damals 28-Jährigen, einem Bekannten ihrer Mutter, verschwunden und von der Polizei bei einer spektakulären Aktion in Berlin aufgegriffen worden. Der Angeklagte bestreitet jedoch energisch den ihm vorgeworfenen Geschlechtsverkehr mit dem Kind. Die erste Instanz, das Amtsgericht Leipzig, war jedoch von seiner Schuld überzeugt und verhängte im März 2013 eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Mario F. ging in Berufung.

Noch während des erstinstanzlichen Verfahrens übergab Lisas Vater, der das Sorgerecht hat, das Hello-Kitty-Gerät an das Amtsgericht. Doch das dort als Beweismittel zu den Akten genommene Kinder-Telefon ist weg. "Wir haben in der Geschäftsstelle alles auf den Kopf gestellt. Und auch in der Asservatenkammer ist es nicht", so die damalige Richterin Juliane Guha. "Es muss aber nicht bei uns verloren gegangen sein", fügte sie hinzu.

Lisas Vater hatte die bemerkenswerten Kurznachrichten abfotografiert und auch ausgedruckt. Die SMS "Bist du froh, dass du keine Jungfrau mehr bist?" bezeichnete Staatsanwalt Michael Höhle gestern als eines der Indizien in der Beweiskette gegen den Angeklagten. Weitere Indizien für die Schuld seien dessen DNA-Spuren am Körper von Lisa P., ihre Aussagen, jene von Ärzten sowie Gutachtern. Ein Psychiater hatte Mario F. zudem pädophile Neigungen attestiert.

Der Staatsanwalt plädierte dafür, die Berufung des Angeklagten zu verwerfen und es bei drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis zu belassen. "Sie haben das Kind seelisch kaputtgemacht", warf er F. vor. Der bezeichnete das Plädoyer als "Schwachsinn", zeigte Opferanwältin Anne Prestrich sogar einen Vogel. Sie hielt ihn gleichfalls für schuldig. Prestrich: "Der Angeklagte hat Menschen instrumentalisiert, um an Lisa heranzukommen." Die 13-Jährige lebt nun im Kinderheim.

Verteidiger Oliver Lucas hielt jedoch nicht für beweisbar, dass besagte SMS tatsächlich von seinem Mandanten abgeschickt wurde. Nun will die 2. Strafkammer des Landgerichts nochmals hinsichtlich des verschwundenen Handys nachforschen und Zeugen hören. Es sei möglich, SMS auch unter falschen Telefonnummern zu verschicken. Eventuell müsse noch ein Sachverständiger eingeschaltet werden, so Richter Anton Hahn. Fortsetzung: 5. Februar.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.01.2014

Kreuz, Sabine

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